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Göttingen Nobelpreisträger Orhan Pamuk zeigt Fotos in Göttingen
Die Region Göttingen Nobelpreisträger Orhan Pamuk zeigt Fotos in Göttingen
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10:16 14.10.2018
Ausstellungseröffnung und Buchpremiere mit Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und Verleger Gerhard Steidl in den Räumen des Günter Grass Archivs. Foto: Mittig Verleger Gerhard Steidl (l.) und Orhan Pamuk (r.). Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Ein Nobelpreisträger kommt selten allein: Zur Eröffnung der Ausstellung „Balkon” von Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk ist am Sonnabend auch Stefan Hell (Nobelpreis für Chemie) gekommen. Pamuks Bilder sind in einem Buch im Steidl-Verlag erschienen. Die Fotos sind ab sofort im Grass-Archiv an der Düsteren Straße zu sehen.

Ausstellungseröffnung mit Orhan Pamuk im Göttinger Grass-Archiv

Steidl und Pamuk eröffneten die Ausstellung am Nachmittag. „I am very happy about that”, sagte Pamuk, er freue sich sehr über das Buch und die Ausstellung. Eineinhalb Jahre zuvor hatten sich der türkische Schriftsteller und der Göttinger Verleger zum ersten mal getroffen – in Pamuks Heimatstadt Istanbul. Steidl war wegen eines anderen Buchprojektes in der Stadt und traf dabei erstmals auf den heute 66-jährigen Künstler. „Wie es dann so ist, man erzählt sich etwas und dann haben wir uns seine Fotos auf dem Rechner angesehen”, erzählt Steidl. „So etwas hatte ich noch nie gesehen”, so der Verleger, der sofort begeistert war. „Wenn man sich konzentriert, kann man sich einen Roman vorstellen”, so Steidl.

Orhan Pamuk: 8500 Fotos vom Balkon

Bereits als Kind im Alter von zehn Jahren fotografierte Pamuk. Sein Buch und seine Ausstellung zeigen nun Bilder seiner Heimatstadt. Immer vom Balkon aus. 8500 Bilder hat er gemacht - in den Wintermonaten 2016/17. „Immer aus der gleichen Perspektive den Blick hinaus zum Bosporus – nicht nach links und nicht nach rechts”, erklärte Steidl. „Es passiert nichts Spektakuläres. Wer sich darauf einlässt, erkennt aber kleine Sensationen, einen Comic oder Roman ohne Worte”, so der Verleger. Und weiter: „Die Fotos sprechen für sich.”

Auch Pamuk erklärte, dass er seine Bilder nicht interpretieren wolle. Er freue sich aber sehr, dass sie in der besten Art als Buch gedruckt und auch ausgestellt wurden. Die Fotos zeigen den Ausblick aus Pamuks Wohnung auf das Panorama aus großstädtischer Skyline, nahen Hügeln und fernen Inseln und Bergen, die Schiffe auf dem Bosporus. Mal Nebel, mal eine Taube auf einem Balkon, mal das Dach einer Moschee, dann wieder der weite Blick auf die Stadt im Nebel. Manchmal, so beschreibt es der Steidl-Verlag, „verließ Pamuk seinen Schreibtisch nur, um mit dem Blick den Bewegungen der Boote vor seinem Fenster zu folgen, dem Treiben jenseits seines Balkons oder den sich konstant verändernden Landschaften. Dabei ging es immer auch um das Bedürfnis, einen unwiederbringlichen Moment festzuhalten”.

Pamuk liest beim Göttinger Literaturherbst

Je mehr Fotografien entstanden desto stärker sei der Künstler dabei in eine seltsam melancholische Stimmung gefallen, in der sich ihm allerlei Fragen aufdrängten: Warum mache ich überhaupt diese Bilder? Wie hängen Sehen und Fotografieren zusammen? Warum gefällt uns die Ansicht einer Landschaft in Fotografie und Natur? Darüber gibt Orhan Pamuk Auskunft in der Einführung zu dem Buch, die selbst ein Stück Literatur ist: ein tiefsinniger und intimer Einblick, sowohl in seine Seele als auch in die Kunst des Fotografierens. Die Ausstellung „Balkon” präsentiert 486 dieser Landschafts- und Seelenbilder des Literaturnobelpreisträgers. Pamuk liest am Sonntag beim Göttinger Literaturherbst im Deutschen Theater. „Das ist sein einziger öffentlicher Auftritt in diesem Jahr”, sagt Literaturherbst-Organisator Klaus-Peter Herberhold. „Das ist uns eine ganz, ganz, große Freude”. Steidl und Pamuk haben noch vor wenigen Tagen gemeinsam in New York an dem Buch gearbeitet. Vor dort aus ist der Nobelpreisträger direkt nach Göttingen gereist. Zur Eröffnung kamen außer Hell unter anderem auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Landtagspräsidentin Gabriele Andretta, Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann und Klaus Wettig (alle SPD).

Nobelpreis von 2006

Orhan Pamuk, geboren 1952 in Istanbul wurde 2006 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Bis er 22 Jahre alt war, wollte Pamuk Maler werden und wurde dazu von seiner Familie ermutigt. Wie er in seinem autobiografischen Essayband Istanbul beschreibt, fotografierte er in den 1960er und 1970er Jahren in den Straßen seiner Heimatstadt, um Vorlagen für seine Malerei zu entwickeln. Pamuk fotografiert mittlerweile seit fünfzig Jahren. Das Buch „Balkon“ mit einer Einführung von Orhan Pamuk wurde von Pamuk, Holger Feroudj und Gerhard Steidl gestaltet. Es umfasst 184 Seiten mit 486 Farbfotografien. Es kostet 34 Euro. Die Ausstellung ist ab sofort im Grass-Archiv, Düstere Straße 6, zu sehen. Während des Literaturherbstes ist die Ausstellung täglich von 14 bis 18 Uhr zu sehen, vom 22. Oktober bis zum 2. November ist von Dienstag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Britta Bielefeld

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