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Göttingen O-Phase weiter mit Alkohol und ohne Kleidung
Die Region Göttingen O-Phase weiter mit Alkohol und ohne Kleidung
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06:17 27.10.2012
Agrarwissenschaftler: O-Phase ohne Alkohol. Quelle: NIE
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Göttingen

Die Universitätsleitung will die Probleme mit ausufernden Trinkritualen jetzt nicht mehr zeitnah, sondern erst im Dezember mit den einzelnen Fakultäten und Fachschaften ansprechen, sagte Uni-Sprecher Maik Eckardt gestern.

Fakultäten und Fachschaften organisieren die Orientierungsphase, in der Erstsemester unter anderem mit der Stadt vertraut gemacht werden sollen. Ende vergangener Woche waren elf Teilnehmer von O-Phasen-Touren mit akuter Alkoholvergiftung in die Notfallaufnahme des Universitätsklinikums eingeliefert worden.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre hatte die Universitätsleitung die Fakultäten angeschrieben und gefordert, auf ausufernden Alkoholkonsum und Entkleidungsspielchen zu verzichten. Das allerdings zeigte wenig Wirkung. Nicht nur wurde nach den Alkoholvergiftungsfällen in den O-Phasen-Gruppen fröhlich weitergetrunken, auch die Textilfreiheit wurde weiter zelebriert. So hüpfte beispielsweise am Dienstagnachmittag eine Truppe sichtlich angeheiterter Studenten praktisch hüllenlos auf dem Wochenmarktplatz herum.

Das Ordnungsamt, meint Stadt-Sprecher Detlef Johannson, sei weitgehend machtlos. Zwar verbiete das Ordnungswidrigkeitengesetz unnötigen Lärm und Belästigungen von Bürgern, die im Gesetz enthaltenen Formulierungen seien jedoch dehnbar und böten keine ausreichende Handhabe zum Einschreiten. Was derzeit in der Stadt geschehe, „löst keinen akuten Handlungsbedarf aus.

Es ist Sache der Universität, diese Diskussion zu führen“, meint Johannson. Grundsätzlich halte die Stadt die O-Phase für Studienbeginner für eine ausgezeichnete Einrichtung, die sich in der jüngeren Vergangenheit aber „manchmal etwas grenzwertig“ entwickelt habe.

Es geht allerdings auch ohne Alkohol-Exzesse: Mit einer Aktion auf dem Göttinger Marktplatz setzten am Mittwoch Studenten der Agrarwissenschaften ein Zeichen gegen die an anderen Fachschaften üblichen alkoholgeschwängerten Veranstaltungen zum Semesterstart. Die Studenten verteilten an die Passanten Gartenhandschuhe, Kugelschreiber und andere Präsente, die sie zuvor von Agrarfirmen eingeworben hatten.

Die Idee war den Agrarstudenten am Montag gekommen, nachdem in der vergangenen Woche die elf Vergiftungsfälle bekannt geworden waren. „Wir wollen uns von diesen Auswüchsen distanzieren und zeigen, dass es auch anders geht“, sagten Stefan Beckmann, Philipp Wittwer, Maria Jaeger und Silke Könnecker. So gebe es bei der von der Fachschaft Agrarwissenschaft während der O-Phase organisierten Stadtrallye keinen Alkohol.

Andere Studenten zeigen sich von der Aktion allerdings wenig beeindruckt: Während der Verteilaktion zogen wieder diverse Studententrupps durch die Innenstadt, die reichlich Bier, Wein und Sekt mit sich führten.

Von Matthias Heinzel
und Heidi Niemann

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