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Göttingen Oberarzt „aktiv abgeworben“
Die Region Göttingen Oberarzt „aktiv abgeworben“
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20:12 03.08.2012
Gute Kontakte in arabische Länder: Oberarzt (r.) und Chef (2.v.l.). Quelle: EF
Götingen/Regensburg

Das Göttinger Klinikum habe jedoch nicht die geringste Ahnung von den damals in Regensburg bekannten Vorwürfen gegen den anderweitig als sehr kompetent bekannten Oberarzt gehabt, erklärte der Göttinger Klinikums-Sprecher Stefan Weller.

Dem Arzt war vorgeworfen worden, im Jahr 2005 eine Leber nach Jordanien geschafft und dort einer Patientin implantiert zu haben. Um den unzulässigen Organtransfer zu vertuschen, gab er fälschlicherweise gegenüber Eurotransplant an, dass sich die Patientin in Regensburg befinde.
Die Bundesärztekammer hatte den Fall damals untersucht und ihren Bericht der Staatsanwaltschaft, drei bayerischen Ministerien, dem Klinik-Aufsichtsrat und der Ärztekammer übermittelt. Konsequenzen hatte dies jedoch nicht. Publik wurden die Vorfälle erst im Zuge der Ermittlungen in Göttingen. Die Pressesprecherin des Regensburger Klinikums erklärte Ende Juni dazu, dass es zu keinem Zeitpunkt staatsanwaltliche Ermittlungen gegen den Oberarzt gegeben habe.

Tatsächlich hatte die Staatsanwaltschaft damals den Fall geprüft, aber kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt, erklärt Wolfhard Meindl, Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft. Es habe sich maximal um eine Ordnungswidrigkeit gehandelt. Dennoch: Wenn dieser Vorwurf dem Göttinger Uni-Klinikum 2008 bekannt gewesen wäre, sagt dessen Sprecher Weller, wäre dies für die Anstellung des Oberarztes „ein KO-Kriterium gewesen“.

Stattdessen konnte der Regensburger Chirurg sich in Göttingen als Leiter der Transplantationschirurgie in Göttingen gegen Mitbewerber durchsetzen und unbehelligt weiterarbeiten. Jetzt hat die Göttinger Klinik eigens zwei Ärzte für die Untersuchung des Falls abgestellt.

Mittlerweile hat das bayerische Wissenschaftsministerium auch den damaligen Chef und Mentor des nach Göttingen gewechselten Arztes vom Dienst suspendiert (Tageblatt berichtete). Tatsächlich hatte der heute 51-jährige Abteilungschef auch nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seinen Oberarzt mit diesem zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen verfasst. Auch die Ehefrau des Chirurgen, eigentlich eine Zahnmedizinerin, promovierte bei ihm.

hein/nie

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