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Göttingen Oberbürgermeister fordert Wertewandel
Die Region Göttingen Oberbürgermeister fordert Wertewandel
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17:07 22.08.2018
22.08.2018 In der Klimajurte auf dem Platz vor dem Alten Rathaus steht Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) Rede und Antwort. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Göttingen kann die Welt nicht allein retten“, sagte Köhler. Aber: Auch in Göttingen muss etwas zum Schutz des Klimas getan, berühre doch der Klimawandel „unsere Lebenswirklichkeit“. Schon seit den frühen 90er-Jahren verfolge Göttingen Klimaschutzziele. „Klimaschutz als gesellschaftliches ist vom Rat beschlossen“, sagte Köhler. Er nannte etwa das Klimaschutzkonzept, den Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ und den „Klimaplan Verkehrsentwicklung“.

Göttinger Aktivitäten in Sachen Klimaschutz

Als aktuelle Maßnahmen zum Klimaschutz in Göttingen nannte Köhler das geplante, aber auch nicht unumstrittene Bio-Energiezentrum der Stadtwerke, die drei Hybridbusse, die die Göttinger Verkehrsbetriebe seit Kurzem im Dienst haben, und die Sanierung von Häusern im Bestand der Städtischen Wohnungsbaugenossenschaft nach hohen energetischen Standards.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler stellt sich den Fragen von Stephan Holzhaus und Jana Birner. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Am Mittwoch stellte sich Köhler vor dem Alten Rathaus in der „Klima-Jurte“ des Vereins Klimaschutz und Bürgerratschlag Klimaschutz Göttingen den Fragen von Stephan Holzhaus und Jana Birner rund um Klimaschutz-Aktivitäten in Göttingen. Knapp 40 Zuschauer folgten der Fragerunde in dem Nomadenzelt. Die Klima-Jurte ist Teil der Göttinger Klimaschutztage.

„Mit Zwang funktioniert das nicht.“

So wollte Holzhaus wissen, warum etwa in städtischen Kantinen kein Fleisch von regionalen Erzeugen verarbeitet wird, sondern billige Ware beispielsweise aus dem Emsland. Köhler argumentierte mit dem zu erwartenden Anstieg der Essenspreise in den städtischen Kantinen – im Rathaus, in Schulen und Kindertagesstätten – würde dort nur Fleisch aus der Region auf den Tisch kommen. Das würde zu „heftigen Diskussionen“ führen, so Köhler. „Wir müssen bereit sein, höhere Preise zu zahlen.“ Dazu brauche es gesellschaftlich Akzeptanz und einen Wertewandel. Gleichwohl sprach er sich sehr wohl dafür aus, Fleisch auch in der Region zu beschaffen. Dem Zwang eines sogenannten „Veggie-Day“ in den Kantinen erteilte Köhler eine Absage. „Mit Zwang funktioniert das nicht.“ Aber Köhler plädierte dafür, jeden Tag auch ein vegetarisches Gericht im Angebot zu haben.

Spannendes Projekt Eco-Bus

Köhler sieht im Moment keine „schnelle Lösung“, den Autoverkehr zugunsten des Radverkehrs schlagartig einzudämmen. Das Hauptverkehrsmittel sei derzeit nun mal das Auto. Hier höhle eher der stete Tropfen den Stein. Das Ziel der Stadt Göttingen sei es, den Radverkehr weiter zu fördern. „Wir müssen überlegen, wo wir den Radverkehr gegenüber dem Autoverkehr durchsetzen.“ Köhler warnte davor, die Autofahrer zu vergrämen, gebe es doch viele Menschen, die darauf angewiesen sind, mit dem Auto nach Göttingen zu kommen. Er sei skeptisch, dass Pendlerparkplätze vor der Stadt in einer Stadt von der Größe Göttingens funktionieren. Das Eco-Bus-Projekt sei sei hingegen „spannend“ mit Blick auf die Frage, wie sich Pendlerströme lenken lassen.

Nutzung von Lastenfahrrädern

Von Birner nach einem kostenlosen Busticket für Schüler und Auszubildende gefragt, vertrat der Oberbürgermeister die Ansicht, dass sich der „Komfort“, von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden, nicht über kostenlose Fahrkarten steuern lasse. Das gehe nur über das Bewusstsein der Eltern. Auch hier, so Köhler, müsse es wie beim Fleischkonsum einen Wertewandel geben.

Köhler betonte am Mittwoch, wie zuletzt beim Sommerempfang von Pro City, erneut, dass sein Herz an einer autofreien Göttinger Innenstadt hänge. Der Autoverkehr müsse hier deutlich reduziert werden. Die Logistik für Händler und Anwohner müsse umgestellt werden, sagte Köhler. So könnte die Ware etwa vom Lkw auf andere Systeme umgeladen werden – denkbar wäre hier die Nutzung von Lastenfahrrädern.

Für Sonnabend, 25. August, planen der Verein Klimaschutz und der Bürgerratschlag Klimaschutz Göttingen eine Demo „für ein klimafreundliches Göttingen“. Beginn ist um 11 Uhr am Gänseliesel.

Von Michael Brakemeier

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