Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Der Pflegenotstand existiert schon
Die Region Göttingen Der Pflegenotstand existiert schon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:20 02.09.2017
Das Podium von links nach rechts: Konrad Kelm, Konstantin Kuhle, Ludwig Theuvsen, Jürgen Trittin und Thomas Oppermann.   Quelle: Christoph Mischke
Anzeige
Göttingen

 Die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Stadt und Landkreis Göttingen hat zur Bundestagswahl-Podiumsdiskussionen in Groner Nachbarschaftszentrum eingeladen. „Zur Zukunft des Sozialstaates“ lautete das zentrale Thema.

Thematisch startete die von Sybille Bertram moderierte Diskussion mit dem Thema „Kinder“. „Jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet und Kinderarmut ist auch Elternarmut“, sagte Konrad Kelm (Linke) und forderte Lohnerhöhungen ein. Für Konstantin Kuhle (FDP) ist „Bildung der zentrale Hebel“. Kinderbetreuung kostenlos und ein steuerfinanziertes Bürgergeld für Bildung und Arbeit schlug er vor. Für den verhinderten Fritz Güntzler (CDU) sprang CDU-Landtagskandidat Ludwig Theuvsen in die Bresche: „Bildung ist die beste Versicherung und der Ausbau des Ganztagsangebotes ist ein Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit.“ Für Jürgen Trittin (Grüne) ist Bildung „ein Element Armut zu verhindern“. Er fordert die Abschaffung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Land, damit der Bund beim Ausbau von Schulen unterstützen könne. „Die normale Schule schafft es nicht, aus schwachen Schülern gute zu machen“ sagte Thomas Oppermann (SPD). Er möchte gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Meisterprüfung haben, ebenso wie Ganztagsangebote schon in der Grundschule.

Integration von Geflüchteten

Wie kann der Bund in Sachen Geflüchtete helfen, so lautete das zweite Thema. „Wir müssen für eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt sorgen, das Erlernen der deutschen Sprache muss Priorität haben und die Menschen dürfen nicht in Randgebieten von Städten angesiedelt werden“, sagte Kuhle. Für Theuvsen ist die Verbesserung der Bleibeperspektiven wichtig, Trittin gab zu bedenken, dass es schwer sei, Menschen zu integrieren, „die Angst um ihre Verwandten in der Heimat haben.“ Auch er hält die Sprachbildung für ein wichtiges Kriterium. Oppermann sieht da ein Problem im aktuellen Lehrerengpass. Er fordert Rechtssicherheit und „Integration geht nach den Regeln fördern und fordern.“ Kelm wünschte sich für alle Geflüchteten ein Bleiberecht.

Beim Thema „ältere Menschen“ betonte Theuvsen die Wichtigkeit der Möglichkeit der familiären Pflege. Trittin sieht die Gefahr, dass eine „ganze Generation in die Grundsicherung abdriftet“ und fordert eine Garantierente für alle, die 30 Jahre auf dem Arbeitsmarkt aktiv waren. Oppermann drehte den Spieß um, er sieht den „Pflegebereich als Jobmotor“. Kelm möchte 40 000 Altenpflegekräfte einstellen und Kuhle wünscht sich, dass alle Menschen lange selbstbestimmt leben können.

Personalknappheit in der Pflege

Die aktuellen Probleme beschrieb Böhner, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände Göttingen: „Der Pflegenotstand ist schon vorhanden.“ Es fehle das Personal. „Wir haben soziale Berufe zu lange geringgeschätzt“, räumte Trittin ein. „Wir müssen mehr Menschen qualifizieren. Die Lösung dieses Problems wird nur mit Zu- und Einwanderung gehen.“ Oppermann spricht von einem „Arbeitnehmermarkt“ und fordert einen bundesweiten Sozialtarifvertrag. Kelm schlägt 14,50 Euro Mindestlohn für den Bereich Pflege vor, auch Kuhle und Theuvsen sind sich sicher, dass der deutsche Arbeitsmarkt das Problem nicht allein lösen kann.

„Die Finanzierung ist nicht ausreichend“, mahnte Jörg Mannigel, Geschäftsführer des Diakonieverbandes Göttingen, an und gab den Podiumsteilnehmern die Forderung nach „mehr staatlicher Verantwortung“ mit auf den Heimweg.

Von Frank Beckenbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen GSO-Konzert für Schüler - Unschuldig in die Kälte

Bis Ende der 1950er-Jahre hat die Regierung der Sowjetunion unter Stalin Tausende Menschen in die Gulag genannten Strafgefangenenlager deportiert. Zum Gedenken an sie hat das Göttinger-Symphonie-Orchester (GSO) ein Konzert für Schüler mit Werken von Alexander Weprik gegeben.

05.09.2017
Göttingen Keine Förderung für JVA-Umbau - Ohne Geld kein Hostel

Die Pläne der Stadt, das Gebäude der ehemaligen JVA am Göttinger Waageplatz umzubauen und als Hostel zu nutzen, sind vom Tisch. Der Antrag auf EU-Fördermittel wurde mit der Begründung abgelehnt, dass bereits ein ähnliches Konzept in der italienischen Stadt Bologna gefördert werde.

05.09.2017
Göttingen Wochenendkolumne - Die Spa-Kasse

Die beiden auffälligsten Flops in dieser Woche en detail: Den ersten spektakulären Missgriff hat Uwe Reinecke entdeckt und abgelichtet. Er moniert den Slogan „Pelzträger ausrotten“, der wahlweise als Forderung oder als Drohung verstanden werden kann.

04.09.2017
Anzeige