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Göttingen Politik ebnet Weg für Verkauf der Baptistenkirche
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00:19 01.10.2017
Baptistenkirche: Der Verein Filmkunstfreunde will hier mit einem Investor ein Kino eröffnen. Quelle: Vetter
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Göttingen

Die Ratspolitik hat den Weg frei gemacht: Die ehemalige Baptistenkirche an der Bürgerstraße kann verkauft werden. Damit kommt der Verein Filmkunstfreunde Göttingen seinem seit Jahren verfolgten Ziel näher, mit einem Investor und einem Kinobetreiber das Gebäude als Kino zu herzurichten.

Verwaltungssprecher Detlef Johannson bestätigte am Donnerstag entsprechende Tageblatt-Informationen: Der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss des Rates habe „die Verwaltung zum Verkauf der ehemalige Baptistenkirche ermächtigt“, berichtete Johannson. „Der Verkauf soll zu einem symbolischen Preis erfolgen.“ Mit dem Beschluss soll sichergestellt werden, „dass dort ein Programmkino realisiert werden kann“, erklärte Johannson weiter. Damit sei ein Ratsbeschluss aus dem Mai 2014 umgesetzt.

Ratsbeschluss zu Verkaufsverhandlungen

Damals hatte der Rat bei vier Enthaltungen entschieden, dass die Verwaltung mit dem Verein Filmkunstfreunde Göttingen beziehungsweise einen für den Verein tätigen Käufer die Verkaufsverhandlungen über die ehemalige Baptistenkirche führen darf. Ziel: die Nutzung des Hauses als Kino. Nach Johannsons Auskunft gab es zuletzt keine weiteren Angebote für die ehemalige Kirche.

„Sowie der Kaufvertrag unterzeichnet ist, rollen die Bagger“, sagte Matthias Sonnenburg, Vorsitzender der Filmkunstfreunde. Er rechnet damit, dass der Vertrag noch im Oktober unterzeichnet werden kann. Bei einer Mitgliederversammlung am 6. November wollen Sonnenburg und der Investor die Pläne für das künftige Kino vorstellen. Den eigentlichen Kinobetrieb und den eines angeschlossenen Bistros gibt der Verein ab. Namen der Betreiber nennt Sonnenburg noch nicht. Auch sie will Sonnenburg bei der Versammlung im November vorstellen.

Matthias Sonneburg: „Sowie der Kaufvertrag unterzeichnet ist, rollen die Bagger“. Quelle: janvetter.com

Seit ihrer Gründung vor sieben Jahren, als das Programmkino Cinema an der Jacobikirche schloss, verfolgen die Filmkunstfreunde das Ziel eines eigenen Kinos. In der Baptistenkirche plant der Verein nun ein Kino, das die Lücke zwischen dem Lumière und dem Cinemaxx schließen soll. Im Kinosaal sollen aber auch andere Veranstaltungen, etwa Lesungen oder Konzerte, möglich sein. Kommunale Zuschüsse für den Betrieb und die Unterhaltung des Kinos sollen nicht fließen.

30 Jahre Leerstand hätten Spuren an dem Gebäude hinterlassen, sagte Sonnenburg bereits im vergangenen Jahr. „Die Grundsubstanz ist in Ordnung“, aber es müsse einiges neu und anders gestaltet werden. Unter anderem müssten die Eingangstür und das Treppenhaus versetzt werden, so Sonnenburg. „Aber die Grundstruktur und der Saal sollen so bleiben.“ Bisher hatte er die nötigen Investitionen auf rund eine Million Euro beziffert.

Die Baptistenkirche

Die Baptistenkirche wurde 1902 gebaut, Grundsteinlegung war am 5. September, im August 1906 wurde die Kirche eröffnet. Das Gotteshaus bot Platz für 425 Gäste. 1984 zogen die Göttinger Baptisten in ihr neues Gemeindezentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite, im Tausch für das Grundstück ging die alte Kirche in den Besitz der Stadt über. Einige Jahre war dann ein Jugendzentrum in dem heute maroden Haus untergebracht. us

Zuletzt hatte die CDU mit einem Ratsantrag Druck gemacht: In der Mai-Sitzung des Rates hatte Hans-Otto-Arnold angesichts sich hinziehender Verkaufsverhandlungen gefordert, dass es bald einmal ein „Ende der Fahnenstange“ geben müsse. Er plädierte für eine Frist bis Ende des Jahres. Bis dahin sollten Filmkunstfreude die Finanzierung ihrer Kinopläne sicher stellen. Arnold schloss auch einen Abriss der Kirche nicht aus.

Schon vor zwei Jahren machten sich CDU und FDP dafür stark, das Gebäude nach einem Umbau durch Jugendliche als ökumenische Jugendkirche zu nutzen. „Uns war nach langem Ringen fraktionsübergreifend die Zweckbindung der Baptistenkirche an Kino und Kultur wichtig. Daran halten wir fest“, erwiderte SPD-Mann Frank-Peter Arndt schon damals.

Von Michael Brakemeier

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