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Göttingen Polizei gibt Senioren Tipps für Verhalten im Straßenverkehr
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00:35 26.02.2018
Fahrsicherheitslehrer der Verkehrswacht Tobias Hillmann gibt Ulrike Sölter Tipps zum richtigen Einstellen von Sitz, Lenkrad und Spiegeln. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Roswitha Dreykluft sitzt in ihrem schwarzen Ford Fiesta – und zwar plötzlich ein ganzes Stück weiter vorne als sonst. Was daran liegt, dass Fahrsicherheitstrainer Tobias Hillmann ihr den Sitz ihres Wagens richtig eingestellt hat. Das war Teil der Veranstaltung „Göttinger Senioren machen mobil – sicher ans Ziel“, die die Polizei Göttingen und die Verkehrswacht Göttingen präventiv anbieten.

Auf die vorherige Frage von Hillmann, wer denn regelmäßig einen Schulterblick werfe, hatte die 72-jährige Dreykluft geantwortet: „Ein bisschen“. Das hatte zwar für Lachen unter der Senioren gesorgt, traf aber ein Grundproblem: Viele würden den Schulterblick im Alter im Straßenverkehr nicht mehr oder nur noch unausreichend anwenden, teilweise aus Mobilitätsgründen. „Immer machen!“, so Hillmanns dringender Rat. Trotzdem stellte der Fahrsicherheitsberater der Verkehrswachten des Landes Niedersachsen den Senioren auch wichtige Assistenzsysteme vor – darunter beispielsweise der Totwinkelassistent, der den Schulterblick zwar nicht unnütz mache, aber sehr helfe.

Bei einer Präventionsveranstaltung haben Polizei und Verkehrswacht Göttingen Senioren über Sicherheit im Straßenverkehr – auch noch im Alter – informiert und ihnen anschließend beim richtigen Einstellen von Sitz, Lenkrad und Spiegeln am Auto geholfen.

Auch der „Parkpieper“ , der beim Rückwärtsfahren und Einparken hilft, gehört zu den wichtigen Assistenzsystemen, die Hillmann empfiehlt. „Den kann man auch nachrüsten lassen für rund 200 Euro“, sagt er. Das sei günstiger als fast jede Schramme, die man beim Einparken versehentlich in ein anderes Auto fahre. Womit Hillmann ein Problem aufgriff, die bereits Oliver Jitschin, Richter am Amtsgericht Göttingen, den Senioren dargestellt hatte: „Die Unfallflucht ist das Delikt der Senioren“, sagte der Jurist. Und meinte damit keine spektakulären Unfälle auf der Autobahn, sondern vor allem Unfallfluchten nach dem Anfahren eines anderen Wagens auf dem Supermarkt-Parkplatz.

„Warum fahren die weg?“, so Jitschins berechtigte Frage. Die wahrscheinlichste Antwort: Weil sie Angst haben, dass ihnen der Führerschein weggenommen werde. Dabei sorge genau die Unfallflucht dafür: Wer bei der Unfallflucht entdeckt werde, bekomme eine wesentlich höhere Strafe als für den Unfall selbst – darunter meist ein Entzug des Führerscheins.

Wie bei einem Unfall reagieren?

So fragte der Jurist die Besucher der Veranstaltung, wie man denn richtig reagieren müsse in einer solchen Situation. „Einen Zettel am Auto befestigen“, antwortet eine Seniorin. Falsch: „Es gilt die Wartepflicht“, sagte Jitschin. Wenn der Inhaber des beschädigten Wagens nicht vor Ort sei, müsse man warten, bis er da sei – oder, wenn er in einem gewissen Zeitraum nicht komme, die Polizei benachrichtigen.

In diesem Fall – bei der Veranstaltung – war die Polizei bereits vor Ort und wies die Senioren in Form von Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke von der Polizei Göttingen noch auf ein paar spezielle Verkehrsregeln hin, bei denen es oft zu Unsicherheiten kommt. Ein Beispiel war dabei die Rettungsgasse. „Sobald es auf einer mehrspurigen Straße einen Stau gibt, muss eine Rettungsgasse gebildet werden, nicht erst, wenn wirklich die Rettungswagen kommen“, klärte er die Senioren auf. Außerdem wies er darauf hin, nicht nur das Auto regelmäßig auf seine Gesundheit checken zu lassen, sondern auch sich selbst.

Zu dem Thema informierte auch die Ärztin Anne Jitschin. „Jeder ist selbst verantwortlich für seine Fahrtüchtigkeit“, sagte sie gleich zu Beginn, gab aber den Tipp, in der langen Packungsbeilage von Medikamenten immer kurz nach dem Unterpunkt „Verkehrstüchtigkeit“ zu gucken. Verkehrsuntüchtig mache alles, was die Konzentration beschränke – das könnten beispielsweise auch Erkältungsmittel sein. Wie Verkehrssicherheitsberater Arnecke gab sie den Rat, wenn man sich unsicher oder unwohl fühle, das Auto stehen zu lassen.

Unsicher fühle sich Seniorin Dreykluft nicht, wie sie erzählt. Sie sei einfach aus Interesse zu der Veranstaltung gekommen. Und sieht danach auch plötzlich mehr in ihren Spiegeln, die sie mit Hillmann neu eingestellt hat. „Jetzt sehen Sie auch mit ein bisschen Schulterblick fast alles“, scherzte der Fahrsicherheitstrainer.

Von Hannah Scheiwe

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