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Göttingen Preis für neues Kompostwerk in Göttingen explodiert
Die Region Göttingen Preis für neues Kompostwerk in Göttingen explodiert
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12:25 16.11.2018
Bei dem Feuer vor zwei Jahren wurde die Annahme- und Sortierhalle des Göttinger Kompostwerkes samt Leitstelle komplett zerstört. Jetzt soll die Anlage ganz neu gebaut werden - für 15 Millionen Euro. Quelle: Peter Heller
Göttingen

15 Millionen Euro wird das neue Göttinger Kompostwerk nach aktuellen Berechnungen kosten – 3,8 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Im nächsten Jahr soll gebaut werden – „noch besser und sicherer“.

„Wir sind voll im Zeitplan“, sagte die Technische Geschäftsführerin der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB), Maren Reimann. Die europaweite Ausschreibung des Großprojektes sei nahezu fertig vorbereitet, „wir warten nur noch auf die erforderlichen Baugenehmigungen.“ Liegen diese vor, könne sofort ausgeschrieben und ein Generalunternehmen ausgewählt werden. „Wenn es läuft wie geplant, würden wir gerne im Mai den Auftrag vergeben und sofort mit dem Bau beginnen“, ergänzte Reimann.

Im vergangenen Jahr wurden die weitgehend ausgebrannte Halle abgerissen. Quelle: Foto: Harald Wenzel

Im August 2016 wurde die Sortierhalle mit Leitwarte für die damalige Rotteanlage durch einen Großbrand zerstört. Damals war auf einer mehr als 100 Quadratmeter großen Fläche Baum- und Strauchschnitt in Flammen geraten, kurz darauf brannte auch die nahe Anlieferungshalle. Sie brannte komplett aus, auch zwei darin untergestellte Radlader wurden zerstört. Bei den tagelangen Löscharbeiten waren mehr als 100 Feuerwehrmitglieder im Einsatz.

Gut einen Monat später wurde die schwer beschädigte Halle abgerissen. Seitdem wird am Königsbühl nur noch Strauchschnitt und Grünschnitt zwischengelagert – und frischer Kompost verkauft. Der kompostierbare Abfall aus den grünen Tonnen in der Stadt wird in anderen Kompostwerken verarbeitet.

Wirtschaftlicher und ökologischer

Inzwischen haben die GEB von Gutachtern prüfen lassen, ob sie die alte Anlage wieder aufbauen oder eine neue Anlage errichten sollten - und welches Verfahren bei einem Neubau die beste Alternative ist. Ergebnis: Unter wirtschaftlichen, ökologischen, betriebsorganisatorischen und sozialen Aspekten sei ein optimierter Wiederaufbau die beste Lösung mit den meisten Vorteilen, hieß es vor einem Jahr im Abschlussbericht. Das kommt einem Neubau gleich.

Filename: So sah es vor dem Brand in der Annahmehalle aus. Quelle: Christina Hinzmann

 

Bei dem ausgewählten Verfahren verrotte der Biomüll unter kontrollierten Bedingungen in geschlossenen Boxen, hatte Reimann vor der Grundsatzentscheidung vor gut einem Jahr erklärt. Mit diesem Verfahren werde nach aktuellem Stand der Technik eine „bestmögliche Kompostqualität“ erzielt. Zugleich könne mehr Energie gewonnen werden als bisher – bei geringerem CO2-Ausstoß. Und: Durch das komplett geschlossene System gebe es deutlich weniger Geruchsprobleme als bei anderen Verfahren.

Diese Variante sei darüber hinaus so flexibel, dass auch unterschiedliche Mengen zwischen 16000 und 21500 Tonnen Biomüll pro Jahr verarbeitet werden könnten. Denn künftig soll am Königsbühl auch Bioabfall aus dem Altkreis Osterode – der inzwischen zum Landkreis Göttingen gehört – verarbeitet werden. Bei Bedarf sei später auch noch eine darüber hinaus gehende Erweiterung problemlos möglich.

Planungsskizze

 

Planunsskizze für das neue Kompostwerk in Göttingen: Die Gebäude soll neu strukturiert werden . Dabei wird die Zufahrt verlegt, alle Gebäude werden gebündelt. Quelle: R/GEB

Ein schlichter Wiederaufbau der Altanlage hätte laut Berechnungen der GEB etwa 9,7 Millionen Euro gekostet. Weil die Nachteile dabei laut Gutachtern und Planern aber deutlich überwiegen, folgte die Entscheidung für den Neubau – für 11,2 Millionen Euro.

Warum 15 statt 11,2 Millionen Euro?

Dass die Kosten jetzt auf 15 Millionen Euro klettern, „hat gute Gründe“, erklärt Reimann, die auch die Ratspolitiker im Fachausschuss für Umweltdienste überzeugt hätten. Um den Brandschutz zu verbessern und ein erneutes Feuer wie vor zwei Jahren so gut wie möglich auszuschließen werde jetzt die Gebäudestruktur auf dem Gelände geändert. Entgegen bisherigen Plänen werde das Verwaltungsgebäude abgerissen und an die neue Leitstellen angedockt. Zugleich würden die Annahme und der Sammelplatz anders positioniert.

Wie viel Geld die GEB am Schluss tatsächlich selber finanzieren und indirekt auf die Gebührenzahler umlegen muss, ist allerdings noch offen: „Wir hoffen auf Fördermittel, die gerade erst neu aufgelegt werden“, so Reimann.

Nur wenig Anbieter auf dem Markt

Vorerst aber hake es an der fehlenden Baugenehmigung der verschiedenen Genehmigungsbehörden, die bei einem so großen Projekt einbezogen sind. Immerhin müsse keine neue Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben werden – die alte UVP gelte auch für den Neubau.

Von der geplanten Anlage mit den geschlossenen Rotteboxen gebe es bisher nur wenige auf dem Markt, ergänzte Reimann. Entsprechend überschaubar sei die Zahl der Anbieter. Das könne die Ausschreibung eventuell erschweren. „Wir müssen jemand finden, der so eine Anlagen baut, sie auf die Göttinger Bedürfnisse zuschneidet und dann auch umsetzt.

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Von Ulrich Schubert

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