Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Probebühne: GWG und DT verhandeln weiter
Die Region Göttingen Probebühne: GWG und DT verhandeln weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 10.05.2013
Zankapfel: In den ehemaligen Bahnkomplex in der Güterbahnhofstraße soll die Probebühne einziehen. Über Details ist Stillschweigen vereinbart. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Meyer, der bei beiden städtischen Gesellschaften Aufsichtsratsvorsitzender ist, hat am Montag in nicht-öffentlicher Sitzung des DT-Aufsichtsrates das bisherige Vorgehen bei dem Projekt einer neuen DT-Probebühne plus Lager in den ehemaligen Bahngebäuden in der Güterbahnhofstraße heftig kritisiert.

Wie Gremiumsmitglieder berichten, wertet Meyer eine Mitte April gemeinsam veranstaltete Pressekonferenz, bei der neben dem Spielzeitprogramm auch die Pläne für die neue Probebühne vorgestellt wurden, als Schnellschuss.

Denn einig sind sich DT und GWG derzeit offenbar nur, dass das DT in die Gebäude in der Güterbahnhofstraße einziehen soll. Beschlüsse dazu gibt es von den Aufsichtsräten nicht. Auch fehlen den Aufsichtsratsmitgliedern Informationen wie über Miethöhe, Mietdauer oder Umbaumaßnahmen.

Keine Bewandtnis

Unklar ist somit, ob es durch die Zusammenlegung von Probebühne und Lager zu finanziellen Einsparungen im Theaterbudget kommt und wie hoch diese ausfallen. Auch das wurde am Montag im DT-Aufsichtsrat von Mitgliedern kritisiert.

„Wenn ein unterschriftsreifer Vertragsentwurf vorliegt, werden hierüber zunächst der Aufsichtsrat der GWG sowie der Aufsichtsrat des DT informiert“, erklärt Haufe auf GT-Anfrage. Noch stecke man in Vertragsverhandlungen. Nach jetzigem Plan tagt der GWG-Aufsichtsrat am 11. Juni.

Der DT-Aufsichtsrat soll zu einer Sondersitzung einberufen werden. Auch DT-Chefin Reinhart äußert sich nicht zu Einsparungen, Miethöhe und -dauer und verweist auf den „operativen Geschäftsbetrieb der beiden Gesellschaften“, über den keine Auskunft erteilt werden müsse. Ihres Erachtens bestehe „auch keine Bewandtnis, weshalb über diese Fragen im Tageblatt berichtet werden sollte“.

Mit der gewollten Ansiedlung der DT-Probebühne haben sich nun Pläne der H. M. B. Gastronomie GmbH voraussichtlich zerschlagen, in der parallel zur Bahntrasse liegenden Halle und dem Erdgeschoss des Nordgebäudes unter dem Namen Heimathafen eine Halle für Konzerte, einen Club und eine Tagesgastronomie mit Außenbereich einzurichten.

Mietpreise in beträchtlicher Höhe

Seit Mai 2012 ist Geschäftsführer Matthias Bauer mit der GWG darüber im Gespräch, eine Absage von der GWG hatte er bislang nicht erhalten. Drei bis vier Treffen hat es nach Bauers Auskunft zuvor gegeben.

 

Ein von ihm beauftragter Architekt hat bereits eine Genehmigungsplanung für den künftigen Gastrobetrieb „Heimathafen“ erstellt. Selbst den Mietpreis, so Bauer gegenüber dem Tageblatt, habe man diskutiert. Er hätte je nach Ausbau der Halle zwischen zwei und drei Euro (Rohbau) oder sechs bis acht Euro (erweiterter Rohbau) Miete für den Quadratmeter bezahlt.

Ein Angebot, das in dieser beträchtlichen Höhe auch Vertretern der Kulturverwaltung Respekt abnötigt. „Die GWG wollte ja kalkulieren, wie viel sie für die einzelnen Fertigstellungsgrade nehmen muss, um kein Minus zu fahren“, sagt Bauer.

Nach seiner Planung wären im neuen Heimathafen fünf bis sechs volle Arbeitsplätze entstanden. Nach Meyers Auskunft hat sich der GWG-Aufsichtsrat „mit weiteren Interessenten und ihren Konzepten“, außer dem des DT, nicht befasst, weil „er nicht für das operative Geschäft zuständig ist“.

Wahrnehmbare Nutzung

Klaus Hoffmann, ehemaliger GWG-Geschäftsführer und weiter als GWG-Berater tätig, räumt ein, Bauers Konzept „zunächst spannend“ gefunden zu haben. „Die Mietpreisvorstellungen vom Heimathafen waren dann aber nicht mehr so toll“, sagt er vor dem Hintergrund, dass der Oberbürgermeister „Kostendeckung und vorzeigbares wirtschaftliches Ergebnis“ angemahnt hat.

Das sei mit Bauers Angebot nicht möglich, die GWG habe schließlich nichts zu verschenken. Hoffmann glaubt, dass sich Musikangebot und die „anspruchsvollen Büroangebote“ im Nordgebäude beißen, ohne „akustische Störungen“ gehe das nicht.

Haufe betont, man wolle auch Rücksicht auf die benachbarte Al-Taqwa-Gemeinde nehmen. 

Sie geht davon aus, dass „die kontinuierliche Anwesenheit“ von Schauspielern oder technischem DT-Personal und logistische Vorgänge, wie Transporte von Material und Requisiten, zu einer „Belebung im Sinne von wahrnehmbarer und gleichzeitig nachbarschaftsverträglicher Nutzung“ beitragen werden.

„Die Entwicklung dieses Standortes und eines entsprechenden Nachnutzungskonzepts“ entspreche den Kernaufgaben der GWG.

► Kommentar: Öffentliches Interesse

Klassischer Fall von vergaloppiert: Stolz sind GWG und DT im April vorgeprescht und haben ihre Pläne für eine Probebühne öffentlichkeitswirksam präsentiert. Zu einem Zeitpunkt, zu dem wichtige Details eines künftigen Mietvertrages nicht geklärt waren.

Mit dieser raschen Ankündigung sind aber Fakten ohne Grundlage geschaffen worden. Jetzt ist es geboten, dass GWG und DT mit offenen Karten spielen und schnellstmöglich Details zum Mietvertrag veröffentlichen.

Denn wie viel Geld das Theater einspart, wie viel die GWG in die Halle investiert, damit sie als Probebühne nutzbar ist, wie viel die GWG durch die Vermietung ans DT erzielt und wie viel weniger sie durch eine Vermietung an den Heimathafen bekommen hätte, sind, anders als DT-Geschäftsführerin Reinhart meint, sehr wohl Fragen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind.

Michael Brakemeier
Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Temperaturen steigen, und damit nimmt auch wieder der Andrang im Cheltenhampark zu. Dafür ist eine Grünanlage da. Doch in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Zwischenfällen: Müll lag überall auf den Wiesen verteilt. Anwohner beschwerten sich über Radau bis spät in die Nacht.

10.05.2013

Noch vor der Fusion mit dem Nachbarkreis Osterode steht im Göttinger Kreishaus ein Wechsel in der Führungsriege bevor. Der Sozialdezernent und als Erster Kreisrat Stellvertreter des Landrats in der Verwaltung, Franz Wucherpfennig (CDU), geht Ende 2013 in den Ruhestand.

07.05.2013

Um die Kinder im afrikanischen Township Capricorn bei Kapstadt kümmert sich der Northeimer Verein Smiling Heart. Im November wurde er auf Initiative von Bärbel Brandes aus Northeim gegründet. Im März eröffnete er das erste Schulgebäude für 700 Kinder.

10.05.2013
Anzeige