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Göttingen Tischler protestieren gegen Verlegung
Die Region Göttingen Tischler protestieren gegen Verlegung
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06:00 27.06.2018
Die Ausbildung zum Tischler an der BBS II Göttingen soll nach Duderstadt verlegt werden. Quelle: ot
Göttingen/Duderstadt

Hintergrund: Tischlerlehrlinge im zweiten und dritten Ausbildungsjahr sollen ab Sommer nicht mehr in Göttingen beschult werden. Stattdessen wird die BBS Duderstadt zum Zentrum für Holztechnik in Südniedersachsen und dem Eichsfeld ausgebaut. „Die Lehrlinge, um die es ja eigentlich gehen sollte“, erklären die Schüler, „wurden überhaupt nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen, ähnlich wie die ausbildenden Betriebe. Die Begeisterung in unserer Klasse hält sich, gelinde gesagt, in Grenzen“.

Knapp eine kleine Klasse

In Duderstadt habe es zu Beginn des Schuljahres im vergangenen Sommer so wenig Schüler gegeben, „dass es kaum reichte, um eine kleine Klasse vollzubekommen, während der Klassenraum in Göttingen kaum für alle Platz bot“. In Duderstadt arbeite zurzeit eine Theorie-Lehrkraft für Holztechnik, in Göttingen deren fünf. Göttingen sei zentral gelegen, schreiben die Schüler: „Die meisten von uns können mit dem Fahrrad, dem Bus oder per Bahn zu Schule kommen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus zum Beispiel Einbeck, Bad Gandersheim oder Hann. Münden nach Duderstadt zu gelangen, ist hingegen sehr schwierig und für viele nur mit Zwischenstopp in Göttingen möglich.“ Der Nutzen der drei dafür neu angeschafften Elektro-Autos sei zweifelhaft: „Wer soll die fahren? Viele Lehrlinge sind minderjährig oder Fahranfänger, und es müssen ja auch erst einmal alle zu den Autos gelangen.“

Warum zukünftig Schüler, die sich während des ersten Ausbildungsjahres gerade an der BBS II eingelebt haben, mit dem Schritt ins zweite Lehrjahr in eine völlig neue Umgebung geschickt werden, sei unverständlich. „Wir Schüler fühlen uns ohnmächtig und übergangen. Unsere Interessen scheinen an letzter Stelle zu stehen. Warum wird nicht der Standort Göttingen ausgebaut? Ist es nicht sinnvoller, die wenigen Duderstädter Schüler nach Göttingen zu schicken, anstatt 50 Göttinger Schüler plus Lehrkraft nach Duderstadt?“

„Alle BBS-Standorte sichern“

Der Landkreis Göttingen rechtfertigt die Entscheidung für Duderstadt. Die vom Kreisausschuss beschlossene Verlagerung sei „in den zuständigen Gremien der Landkreise Göttingen und Northeim unter Beteiligung der betroffenen Kreishandwerkerschaften einvernehmlich abgestimmt“ worden. Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann: „Die Entscheidung fügt sich zudem ein in das Zukunftskonzept für die Berufsbildenden Schulen im Landkreis Göttingen, das im Jahr 2014 von den damaligen Landkreisen Osterode und Göttingen beschlossen wurde. Es wurde von Schulleitern, Verwaltung, Politik und Wirtschaft gemeinsam entwickelt und hat das Ziel, alle sieben BBS-Standorte im Landkreis Göttingen zu sichern und eine qualitativ gute Ausbildung auszubauen.“

Die Konzentration der Fachstufen auf einen Standort schaffe zudem Klarheit über die Beschulung aller Ausbildungsjahre. Da die Grundstufen und die Berufsfachschule an den Standorten Northeim, Osterode, Göttingen und Duderstadt aufrecht erhalten werden, werde auf die besonderen Belange Minderjähriger Rücksicht genommen.

Beförderung sicherstellen

Weiter verfolgt werde das Konzept eines Kompetenz-Zentrums, erläutert Lottmann: „An den BBS Duderstadt werden die Ausbildung der Tischler weiter professionalisiert und Investitionen gebündelt.“ Auch die Kreishandwerkerschaft habe die Zusammenlegung der Tischler-Ausbildung als „vernünftige Regelung“ bewertet, „die den Umständen und Zwängen Rechnung trägt“. Auch die Innungen als Interessenvertreter der Betriebe seien von Anfang an aktiv in den Entscheidungsprozess mit einbezogen worden.

Den Hinweis der Kreishandwerkerschaft, die Erreichbarkeit der BBS Duderstadt müsse beachtet werden, habe die Kreisverwaltung ausdrücklich aufgegriffen und im Schulausschuss erklärt, die Beförderung der Schüler müsse sichergestellt sein. Dazu könnten die E-Fahrzeuge, die von Schülern für Fahrten zwischen Göttingen und Duderstadt genutzt werden können, dienen. Ab der Fachstufe 1 seien die Auszubildenden zum überwiegenden Teil volljährig.

Von Matthias Heinzel

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