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Göttingen Prozess um Betrugsserie mit fingierten Unfällen
Die Region Göttingen Prozess um Betrugsserie mit fingierten Unfällen
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16:53 05.11.2018
Haupteingang des Landgerichts in Göttingen Quelle: dpa
Göttingen

Als Bewährungsauflage muss der Gastronom 2000 Euro an die Landeskasse zahlen. Eine mitangeklagte 35-jährige Hausfrau aus Rosdorf wurde wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung von 21 250 Euro bei dem 54-Jährigen sowie von 7750 Euro bei der 35-Jährigen an. Diese Beträge seien unrechtmäßig bei den Versicherungen geltend gemacht und kassiert worden.

Bandendiebstähle und Drogenhandel

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass beide Angeklagte an einer Betrugsserie mit fingierten Verkehrsunfällen beteiligt gewesen waren. Ziel sei es gewesen, Kfz-Versicherungen zu betrügen. Die Angeklagten seien allerdings nicht die treibende Kraft gewesen. Als Drahtzieher gilt ein erheblich vorbestrafter 65-Jähriger, der bereits wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen hat. Dieser ist in einem gesonderten Verfahren vor dem Landgericht Göttingen wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen vor, diverse Kfz-Versicherungen um mehrere hunderttausend Euro betrogen zu haben.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der 65-Jährige vor rund neun Jahren den Plan gefasst haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und unter Einschaltung von Rechtsanwälten die Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen. Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe er andere Personen als „Scheinhalter“ von Kraftfahrzeugen eingesetzt, die dann gegenüber den Versicherungen ihre angeblichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht hätten. Die Staatsanwaltschaft hat die betreffenden Unfallfahrer beziehungsweise Fahrzeughalter gesondert angeklagt. Auch Abschleppunternehmen und Kfz-Werkstätten sollen an dem „Geschäftsmodell“ beteiligt gewesen sein.

17 Fahrzeugbriefe und Zweitschlüssel

Die Polizei war der Betrugsserie nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler ein Bankschließfach des 65-Jährigen durchsuchten, fanden sie unter anderem 17 Fahrzeugbriefe und Zweitschlüssel sowie 200  000 Euro Bargeld. Bei der Auswertung der Dokumente fiel auf, dass zahlreiche dieser Autos in Unfälle verwickelt gewesen waren.

In dem jetzigen Prozess ging es um einen mutmaßlich fingierten Auffahrunfall, der sich im April 2011 an der Robert-Koch-Straße in Göttingen ereignet hatte. Ein auf die 35-jährige Angeklagte zugelassener BMW war dort gegen einen Mercedes geprallt. Versicherungsnehmer des beschädigten Fahrzeugs war der 54-Jährige. Wie immer gab es keine weiteren Zeugen.

Der 54-Jährige war nach Überzeugung des Gerichts in zwei weitere Betrugsfälle verwickelt. Im Juli 2010 hatte er in Göttingen mit seinem Fiat den Mercedes eines 46-Jährigen beschädigt, den die Ermittler dem Umfeld des mutmaßlichen Drahtziehers zurechnen. Als Ursache für den Zusammenstoß gab der 54-Jährige an, dass er Katzen ausgewichen sei. In anderen Verfahren hatten die Unfallfahrer erklärt, wegen eines Niesanfalls die Kontrolle über das Auto verloren zu haben.

Kilometerstand erheblich manipuliert

Im Januar 2012 ging außerdem ein auf den 54-Jährigen zugelassener Mercedes in Flammen auf. Nach Überzeugung des Gerichts wurde der Pkw vorsätzlich in Brand gesteckt, um anschließend Geld von der Versicherung zu kassieren. Die Ermittler hatten damals festgestellt, dass der Kilometerstand erheblich manipuliert worden war. Tatsächlich habe das Fahrzeug eine um rund 90 000 Kilometer höhere Laufleistung aufgewiesen und sei damit deutlich weniger wert gewesen.

Der 54-jährige Gastronom hat nach Angaben der Polizei früher als Kellner in einem italienischen Lokal gearbeitet, dessen Betreiber ebenfalls in die Betrugsserie involviert sein soll. 2017 verurteilte das Amtsgericht Göttingen seinen einstigen Chef wegen zweifachen Betruges zu einer Geldstrafe von 9000 Euro.

Von Heidi Niemann

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