Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Gutachter bescheinigt Rechtspfleger pathologisches Spielverhalten
Die Region Göttingen Gutachter bescheinigt Rechtspfleger pathologisches Spielverhalten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:46 19.04.2018
Symbolbild Quelle: picture alliance / dpa
Göttingen

Diese habe bereits in den 1980-er Jahren begonnen, sagte der Bremer Rechtspsychologe Professor Gerhard Meyer bei der Vorstellung seines Gutachtens.

Ab 2011 sei das Spielverhalten so exzessiv geworden, dass der Geldaufwand immer höher wurde und es zu den Straftaten gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, als amtlich bestellter Nachlasspfleger mehr als 1,3 Millionen Euro aus der Erbmasse von zehn Verstorbenen für sich abgezweigt und verwendet zu haben. Sie hat ihn deshalb wegen gewerbsmäßiger Untreue in 167 Fällen angeklagt.

Der 49-Jährige hatte sich selbst angezeigt und auch zum Prozessauftakt in dieser Woche die Vorwürfe eingeräumt. Er gab an, dass er spielsüchtig sei und das veruntreute Geld in Spielbanken in Göttingen und Kassel sowie bei Online-Glücksspielen verspielt habe.

Der psychologische Gutachter kannte den Angeklagten bereits von einem früheren Forschungsprojekt. Gerhard Meyer hat in den 1970-er Jahren an der Universität Göttingen studiert und auch seine ersten Forschungen zum Thema Spielsucht in Göttingen betrieben. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit den Suchtgefahren, die von gewerblich betriebenen Geldspielautomaten ausgehen. Später wechselte er an die Universität Bremen, wo er als Professor für Psychologie tätig ist. Seit 2008 leitet er die Bremer Fachstelle Glücksspielsucht. Im Jahr 2000 sei er Rahmen einer Studie über andere Probanden auch mit dem Angeklagten in Kontakt gekommen, berichtete der Forscher. Damals habe der Angeklagte noch in Spielhallen gespielt, Da dort die Spieleinsätze begrenzt seien, habe er seine Exzesse noch legal finanzieren können.

Später habe der Angeklagte dann auch in Spielcasinos und bei Online-Glücksspielen gespielt. Er habe eine Freikarte für die Spielbank in Göttingen gehabt, die nur an gute Kunden ausgegeben werde. Bei einem Online-Glücksspiel-Unternehmen galt er als so exzellenter Kunde, dass er zu einem zweiwöchigen Aufenthalt auf Malta eingeladen wurde. Insgesamt soll der 49-Jährige mehr als 420.000 Euro an Anbieter von Online-Glücksspielen überwiesen haben.

Das Glücksspiel sei zentraler Lebensinhalt des Angeklagten gewesen, sagte der Gutachter. Dabei sei es nicht um Gewinne gegangen. Der 49-Jährige habe mit Hilfe des Glücksspiels vor allem Spannung abgebaut. Die Teilnahme am Spiel sei eine Flucht vor Problemen und Konflikten, bei der die Realität völlig ausgeblendet werde: „Vor dem Monitor ist alles andere nicht mehr existent, es geht gedanklich nur noch um das Spiel.“ Diesen verhängnisvollen Reiz des Glücksspiels habe der Angeklagte bereits in früher Jugend kennengelernt. Da er aufgrund seiner Größe für älter gehalten wurde, habe er schon mit 13 Jahren Zutritt zu Spielhallen gehabt. Diese frühzeitigen Erfahrungen hätten seine Spielerkarriere begünstigt. „Nicht umsonst gibt es das Alterslimit von18 Jahren“, sagte der Spielsuchtexperte.

Strafrechtlich relevant wurde die Spielsucht durch die Online-Glücksspiele, weil der Rechtspfleger dort mit sehr viel höheren Einsätzen zocken konnte und sich Geld verschaffen musste, um die immer größeren finanziellen Löcher zu stopfen. Inzwischen ist der Angeklagte nach eigenen Angaben „clean“. Letztmalig habe er 2015 gespielt. Er halte sich aber immer noch für spielsüchtig. „Süchtige sind ihr Leben lang gefährdet“, erklärte der Gutachter.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Anmeldung online möglich - Miss-Göttingen-Wahl im Savoy

Die Miss-Wahl kommt nach Göttingen: Am Sonnabend, 12. Mai, wird ab 21.30 Uhr im Club Savoy, Berliner Straße 5, eine Miss Göttingen gewählt. Die Siegerin qualifiziere sich damit für die Miss-Niedersachsen-Wahl in Hannover, wie der Organisator, die Miss Germany Corporation, mitteilt.

19.04.2018

Flohmärkte dürfen weiterhin sonntags ausgerichtet werden. Das ist das Ergebnis einer Diskussion im niedersächsischen Landtag. Allerdings soll zukünftig der Verkauf von Neuwaren verboten werden und der Anteil gewerblicher Händler verringert werden. Die Veranstalter in Göttingen begrüßen das Vorhaben.

22.04.2018
Göttingen Schiedsmann im Flecken Bovenden - Streit schlichten ist Schwitters Leidenschaft

Mal gibt es Ärger, weil ein Baum zu weit auf das Grundstück des Nachbarn wächst, mal weil es zu laut ist: Solche Fälle landen oft bei Gunther Schwitters. Er ist seit 14 Jahren Schiedsmann im Flecken Bovenden. Am 21. April leitet er die Tagung der Schiedsmänner und -frauen des Bezirks Göttingen.

22.04.2018