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Göttingen Angeklagter bleibt in Untersuchungshaft
Die Region Göttingen Angeklagter bleibt in Untersuchungshaft
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17:26 05.05.2017
Quelle: Archiv
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Göttingen

Die Richter lehnten den am vorigen Verhandlungstag eingebrachten Antrag der Verteidigung ab, den Haftbefehl aufzuheben. Nach der bisherigen Beweisaufnahme bestehe weiterhin ein dringender Tatverdacht, sagte am Freitag der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Laut Anklage soll der 29-Jährige im August vergangenen Jahres seine Ex-Freundin, die sich rund zwei Wochen zuvor von ihm getrennt hatte, nach einer verbalen Auseinandersetzung auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen haben. Die 23-Jährige erlag noch in der Nacht im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Die Polizei hatte den 29-Jährigen kurz darauf festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Verteidigung hatte die Aufhebung des Haftbefehls beantragt, weil sich in dem seit rund drei Monaten laufenden Prozesses kein dringender Tatverdacht ergeben habe. Kein Zeuge habe ihn am Tatort gesehen. Es gebe auch keine sonstigen Spuren, die auf seine Täterschaft hindeuteten.

Die Kammer kommt in ihrer vorläufigen Bewertung zu einem anderen Schluss. Zum einen sei die Trennung ein potenzielles Tatmotiv. Aus Zeugenaussagen, einem sichergestellten Brief und Chatprotokollen gehe hervor, dass dem Angeklagten „in hohem Maße daran gelegen“ gewesen sei, die Beziehung fortzusetzen. Am Tattag habe ihm die 23-Jährige mitgeteilt, dass er die Trennung akzeptieren solle und sie keinen Kontakt mehr wünsche, sagte der Richter. Der Angeklagte habe gewusst, dass seine Ex-Freundin während ihres Praktikums in Hardegsen wohnen würde und an dem Tag Spätschicht hatte. Dort habe er vermutlich an ihrem üblichen Parkplatz hinter einem Zaun auf sie gewartet, um noch einmal das Gespräch mit ihr zu suchen. Die Art der Stichverletzungen deute auf ein „dramatisches, emotionsgeladenes Geschehen“ hin.

Der Angeklagte habe zudem kein Alibi, sagte der Richter. Nachbarn hätten berichtetet, dass er etwa 20 bis 25 Minuten nach der mutmaßlichen Tatzeit in seiner Wohnung eingetroffen sei. Der 29-Jährige habe damit ausreichend Zeit gehabt, um auf dem Weg vom Tatort zu seiner Wohnung das Tatwerkzeug – mutmaßlich ein Messer - und Kleidung zu entsorgen. Ob er auf der Flucht die verdächtigen Gegenstände einem Freund übergeben oder diese anderweitig beseitigt habe, dazu gebe es „kein eindeutiges Bild“. Nach Angaben der Polizei war eine vollständige Absuche des potentiellen Fluchtweges nicht möglich gewesen, da der Spürhund wegen der dichten Dornenbüsche einen Hang nicht betreten konnte.

Nebenklageanwalt Steffen Hörning beantragte einen rechtlichen Hinweis der Kammer, dass im Falle eines Schuldspruchs statt des angeklagten Totschlags auch Mord in Betracht komme. Seiner Ansicht nach könnte das Mordmerkmal der Heimtücke vorliegen. Die 23-Jährige habe nach dem mehrminütigen Streitgespräch zu ihrem Ex-Freund gesagt „Ich gehe jetzt“. Sie habe ihm dann den Rücken zugedreht und den Weg fortgesetzt. In dem Moment habe der Angeklagte unvermittelt auf sie eingestochen. Die 23-Jährige habe mit dieser Attacke nicht rechnen und sich aufgrund der Wucht des Angriffs auch nicht wehren können. Sie sei daher arg- und wehrlos gewesen. nie

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