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Göttingen Aufhebung des Haftbefehls beantragt
Die Region Göttingen Aufhebung des Haftbefehls beantragt
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19:22 26.04.2017
Quelle: dpa
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Göttingen

Kein Zeuge habe den Angeklagten am Tatort gesehen. Es gebe auch keine sonstigen Spuren, die auf seine Täterschaft hindeuteten. Einziges Verdachtsmoment sei der Umstand, dass das Opfer am Tattag einen Trennungswunsch geäußert habe. Da sich die 23-Jährige bereits zuvor wiederholt von dem Angeklagten getrennt habe, sei fraglich, ob darin ein Tatmotiv zu erkennen sei.

Der zweite Wahlverteidiger des Angeklagten, Christopher Posch, schloss sich dem Antrag an. Er kritisierte, dass sich die Polizei sehr schnell auf einen Täter festgelegt und Alternativen außen vor gelassen habe.

Laut Anklage soll der 29-Jährige im August vergangenen Jahres seine Ex-Freundin, die sich rund zwei Wochen zuvor von ihm getrennt hatte, nach einer verbalen Auseinandersetzung auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen haben. Die 23-Jährige erlag noch in der Nacht im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Der 29-Jährige muss sich in dem Prozess wegen Totschlags verantworten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gibt es viele Indizien, die weiterhin einen dringenden Tatverdacht begründen. Unter anderem habe der Angeklagte kein Alibi für die Tatzeit. Zudem sei Wohnungsnachbarn sein auffälliges Verhalten in der Tatnacht aufgefallen. Das Gericht will erst zu einem späteren Termin über den Antrag der Verteidigung entscheiden.

Zuvor hatte eine Sachverständige des Landeskriminalamtes die Ergebnisse des DNA-Gutachtens vorgestellt. Während an den Handgelenken und den Fingernägeln der Getöteten keine verwertbaren Spuren zu finden waren, ließen sich an mehreren Stellen des Ponchos, den sie am Tatabend trug, die genetischen Merkmale des Angeklagten feststellen.

Die LKA-Expertin hatte auch Kleidungsstücke und Handtücher sowie ein Messer des Angeklagten untersucht. An keinem dieser Gegenstände seien Blutanhaftungen zu finden gewesen.

Das Gericht befragte am Mittwoch auch einen 27-jährigen Freund der 23-Jährigen, den sie rund zwei Wochen vor der Tat in Dresden besucht hatte. Sie habe ihm gesagt, dass sie Abstand brauche und den Kopf frei bekommen wolle, nachdem sie sich von dem Angeklagten getrennt hatte, berichtete der Zeuge.

Als Grund für die Trennung habe sie angegeben, dass der 29-Jährige sie „runtergezogen“ habe. Während sie selbst ein lebensfroher Mensch sei, habe ihr Ex-Freund immer das Negative gesehen. Der Prozess wird Anfang Mai fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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