Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Stellenabsage kurz vor der Tat
Die Region Göttingen Stellenabsage kurz vor der Tat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 25.04.2017
Der Angeklagte beim Prozessauftakt Quelle: Archiv
Anzeige
Göttingen

Eigentlich sei es darum gegangen, seinem Bruder eine neue Stelle zu verschaffen, sagte der Zeuge. Dem Angeklagten war einige Wochen zuvor von seinem bisherigen Arbeitgeber gekündigt worden. Bei dem Vorstellungstermin sei er gefragt worden, ob er nicht auch einen neuen Job suche.

Abends habe die Zeitarbeitsfirma dann angerufen und mitgeteilt, dass das Unternehmen sich für ihn und nicht für seinen Bruder entschieden habe. Sein Bruder sei über die Absage „ein bisschen geknickt“ gewesen, sagte der 31-Jährige.

Laut Anklage soll der 29-Jährige wenige Stunden später seine Ex-Freundin, die sich rund zwei Wochen zuvor von ihm getrennt hatte, nach einer verbalen Auseinandersetzung auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen haben. Die 23-Jährige erlag noch in der Nacht im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hat den 29-Jährigen wegen Totschlags angeklagt.

Die 23-Jährige sei die große Liebe seines Bruders gewesen, sagte der Zeuge. Nach der Trennung habe dieser einen Nervenzusammenbruch erlitten und sei kurzzeitig in einer psychiatrischen Klinik in stationärer Behandlung gewesen. Einige Zeit zuvor habe sich sein Bruder selbst verletzt, indem er seinen Kopf gegen die Badezimmertür geschlagen habe. Als Grund habe er „Wut auf sich selbst“ genannt.

Nach Angaben des 31-Jährigen war der Angeklagte vor seiner Kündigung bei einer Sicherheitsfirma tätig gewesen. Sein Bruder habe sich häufig über die unregelmäßigen Arbeitszeiten beschwert. So habe er oft nachts und an Wochenenden arbeiten und immer wieder kurzfristig für Einsätze einspringen müssen.

Darüber habe es auch Streit mit seiner Freundin gegeben. Obwohl er häufig über die Arbeitsbedingungen gemeckert habe, sei er nach der Kündigung geschockt gewesen. Er habe mit einem neuen Job beweisen wollen, dass er auf eigenen Füßen stehen und aus der Arbeitslosigkeit herauskommen könne. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige