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Göttingen Ein Tanz aus Licht und Ton
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00:20 04.10.2018
Während sich die Tänzerin Tina Essl langsam aus ihrem Kostüm befreit, verändert sich die erzählte Geschichte
Göttingen

Eine erwartungsvolle Stille herrschte am Sonntagabend in der Alten Fechthalle in Göttingen. Veranstalterin Judith Kara ließ es sich nicht nehmen, zum Abschluss der Tanz-Kultur-Woche alle Gäste persönlich auf ein Glas Sekt einzuladen. „Seid ihr aber leise“, freute sie sich über die gespannte Stille im Tanzsaal. Die positive Grundstimmung der Gastgeberin übertrug sich auf das Publikum, welches sich in zwar kleinerer Anzahl, aber mit großem Interesse zunächst der Solo-Performance von Tänzerin Tina Essl widmete, um dann ebenso gebannt im zweiten Teil des Abends dem RGB-Ensemble zu folgen.

Eine tänzerische Zeitreise

Mit einer 20-minütigen Inszenierung startet Tänzerin Tina Essl solo, sie erscheint in einem weiten, roten Morphsuit und überlässt sich in den ersten Minuten ganz dem Betrachter. Sie neigt und beugt ihren Körper in weichen, fließenden Bewegungen, so dass sich mal hier und mal dort, mal mehr und mal weniger stark, ihre Konturen im Kostüm abzeichnen.

Während sie sich langsam aus ihrem Kokon befreit, verändert sich sowohl die Musik als auch das Setting. Eine Zeitreise ist es, durch die Essl sich tanzt. Sprachlich setzt sie zwischen jeder Episode einen Kontrapunkt, benennt die Daten, den Zeitpunkt, an den die nächste Reise führen soll. Im Spiel mit einem symbolischen Flügel scheint sie sich zu verlieren, bewegt sich lebhafter, um dann wieder in den ruhigen Tönen des Pianos zu versinken.

Das symbolische Piano wird bespielt und betanzt Quelle: Ballhaus

So nachdenklich die einzelnen Episoden sind, die auf biografischen Erlebnissen Essls beruhen, so gelöst und freudig ist das Ende. Mit einem gewinnenden Lächeln lädt die Tänzerin ihr Publikum ein, es ihr gleichzutun und die Tanzfläche zu erobern. Die aufkommenden Walzerklänge entspannen das Publikum nach ihrer intensiven Performance. Als die Künstlerin auf einen Herren im Publikum zugeht, um ihm die Hand zu reichen, ist dieser sofort bereit und führt Tina Essl freudestrahlend durch den Walzertanz.

Abstrakte Kunst in ungewöhnlicher Kombination

Nach einer kurzen Umbaupause geht es in den zweiten Teil des Abends, in den die Malerin Sascha Banck einführt. Interaktion zwischen Tanz, digitaler Live-Malerei und Schlagzeugklängen (Matthias Rosenbauer): Das was Banck später im Gespräch eine „Regiepartitur“ nennt, ist abstrakte Kunst.

Auf eine Leinwand projiziert, kann das Publikum sehen, wie die Tänzerin Essl den digitalen Zeichnungen und dem Schlagzeug folgt – vielleicht ist es aber auch andersherum und Essl verschiebt mit ihren Bewegungen Farben und Töne? Die Künstler selbst erklärten nach ihrem Auftritt, dass es dem Betrachter überlassen sei, eine Interpretation zu finden. Natürlich arbeiteten sie nach Vorlagen, ein Gedicht Goethes etwa sei Inspiration gewesen. Man fordere sich aber auch mal ein wenig gegenseitig heraus: „Manchmal ist es schwer zu sagen, wer den Impuls gibt, ob es die Musik ist, oder der Tanz“, erläutert Musiker Rosenbauer. „Das Wichtige ist, dass wir eine Beziehung zueinander aufgebaut haben, dann passieren positive Dinge und wir finden zusammen.“ Er selbst wisse etwa genau wie er die Tänzerin Essl fordern könne, oder auch, wann sie von ihm Aktion erwarte: „Tina ist dann sehr energetisch und ich merke genau, sie steht kurz vor einer Explosion.“

Licht, Tanz und Musik wirken bei der Performance des RGB Ensembles zusammen Quelle: Ballhaus

Positives Fazit zur Tanz-Kultur-Woche

Die Tanz-Kultur-Woche bilanzierte Judith Kara, künstlerische Leitung des Festivals sehr positiv. Sie erklärte, dass es gut gelungen sei, mit den größeren Veranstaltungen wie den Auftritten der Tanzensemble „Siciliano Contempory Ballet“ sowie der „Keiga Dance Company“ ein breiteres Publikum anzusprechen, während sich die kleineren Inszenierungen auch eher an eine kleinere, spezielle Zielgruppe richteten. „Die, die dann kommen, die haben auch ein wirklich großes Interesse.“

Man fragt sich, ob Judith Kara am Montagmorgen wohl mit einem Adrenalin-Kater erwacht sein mag: Sie selbst sagte nach der Abschlussveranstaltung am Sonntagabend lächelnd, sie sei kaputt, aber glücklich. Und sie freue sich bereits auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr.

Von Claudia Bartels

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