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Auszeichnung für Naturschützer

Rebhuhn-Projekt Göttingen Auszeichnung für Naturschützer

Europaweit ist die Rebhuhn-Population um 94 Prozent gesunken. Dagegen kann man etwas tun. Wie, das macht das Göttinger Rebhuhnschutz-Projekt vor. Dafür wird es am Mittwoch in Berlin ausgezeichnet.

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Rebhuhn-Küken sind empfindlich, sie brauchen viele Insekten.

Quelle: Beeke

Göttingen. Das Rebhuhnschutzprojekt der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen ist am Mittwoch von der „UN-Dekade für biologische Vielfalt” ausgezeichnet worden. Die Urkunde wurde in Berlin überreicht. Das Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen wurde 2004 von den Biologen Dr. Eckhard Gottschalk und Werner Beeke initiiert. Projektträger ist die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen (BSG).

Das Rebhuhn war früher ein häufiger Vogel in der Agrarlandschaft. Heute sei es in ganz Europa stark bedroht: Um 94 Prozent habe der Bestand des Rebhuhns seit 1980 abgenommen. Durch intensive Landwirtschaft fehle es dem Feldvogel an Nahrung und geeigneten Brutplätzen. „Mit dem Rebhuhnschutzprojekt setzt sich die Biologische Schutzgemeinschaft (BSG) Göttingen für den Erhalt des Rebhuhns ein.” Dafür werde nun die Ehrung verliehen. So begründet die Jury die Auszeichnung.

Das Rebhuhnschutzprojekt zielt darauf ab, die Lebensräume des Rebhuhns zu schützen und neue Lebensräume zu schaffen – vor allem durch das Anlegen von Blühstreifen. „Der Landwirt ist der wichtigste Akteur. Ohne sein Engagement könnte dieses Projekt nicht durchgeführt werden”, so die Mitglieder des Projektes. Die Landwirte stellen die Flächen zur Verfügung und bewirtschaften die Blühstreifen.

Das Projekt gibt es seit dem Jahr 2004. Denn: Der Bestand an Rebhühnern im Landkreis Göttingen wurde damals nur noch auf zehn bis 20 Paare geschätzt. Das Zentrum für Naturschutz der Universität Göttingen (ZfN) und die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen starteten deshalb gemeinsam das Schutzprojekt. Durch das Niedersächsischen Agrar- und Umweltprogramm wurde die Anlage von zehnjährigen Brache- und Blühstreifen finanziell gefördert .

Junge Rebhühner

Junge Rebhühner.

Quelle: DLOK

Solche Flächen erfüllen für das Rebhuhn eine wichtige Funktion: „Das Hauptproblem des Rebhuhns in der heutigen Kulturlandschaft ist die Aufzucht der Küken”, erklärte Projektleiter Eckhard Gottschalk schon zu Beginn des Projektes. Ein Rebhuhnküken brauche in seinen ersten Lebenstagen 15 Gramm Insekten am Tag. Im Jahr 2007 waren es bereits mehr als über 500 Hektar Blühstreifen, verteilt auf über 1000 Einzelflächen, die die Landwirte im Landkreis bestellten. Durch das System der Blühstreifen besserte sich die Situation. Heute vermelden die Mitarbeiter des Projektes einen weitgehend stabilen Bestand. „Im Landkreis Göttingen lebt eine Rebhuhnpopulation, die auf Grundlage unserer jährlichen Zählung etwa 400 Paare umfasst”, so steht es auf der Homepage des Projektes. Und weiter: „Während in ganz Niedersachsen der Bestand in den letzten Jahren wiederum um die Hälfte eingebrochen ist, konnte die Anzahl der Rebhühner im Landkreis Göttingen stabilisiert werden.”

Nur, den Landwirten wird es seit ein paar Jahren deutlich schwerer gemacht, geförderte Blühstreifen bereit zu stellen. „Früher haben wir auf freiwilliger Basis mit den Initiatoren wie Beeke und Gottschalk hervorragend zusammen gearbeitet”, sagt Markus Gerhardy vom Landvolk Göttingen. Auch er stellt Blühstreifen für das Rebhuhnprojekt bereit. Die „rebhuhngerechten Flächen” seien gut angenommen worden. Seit einigen Jahren allerdings gebe es geänderte Förderbedingungen. Nicht nach den Richtlinien des Rebhuhnprojekts sondern unter Landes- und EU-Richtlinien müssen die Bauern nun arbeiten. Auch die Landwirtschaftskammer in Northeim bestätigt: Die strengeren Vorschriften schrecken Landwirte eher ab. Auch Gerhardy räumt ein, noch einmal kritisch darüber nachdenken zu müssen, ob er nach Auslauf seiner Blühstreifen-Förderung weitermache.

Die UN-Dekade argumentiert auch, dass von den Schutzzonen zwischen den Feldern auch andere gefährdete Arten wie der Rotmilan und der Feldhamster sowie viele bestäubende Insekten profitieren. So schützte das Projekt nicht nur das Rebhuhn, sondern fördert allgemein die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft.

Mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020 ruft die Staatengemeinschaft die Weltöffentlichkeit auf, sich stärker für die biologische Vielfalt einzusetzen. In Deutschland werden Projekte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung, nachhaltige Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Von Britta Bielefeld

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