Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Rebhuhn-Projekt in Göttingen hilft gefährdeten Vögeln
Die Region Göttingen Rebhuhn-Projekt in Göttingen hilft gefährdeten Vögeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 18.04.2019
Rebhühner gelten in Deutschland als stark gefährdet. Quelle: dpa
Göttingen

Etwa 30 Zentimeter groß, geflecktes rotbraunes Gefieder und ein schnarrender Ruf: Das Rebhuhn gilt in Deutschland als stark gefährdete Art. Im Landkreis Göttingen soll seit einigen Jahren ein Rebhuhn-Projekt dem ursprünglichen Steppenvogel helfen.

„Es gibt wenige Vögel, die so dramatisch eingebüßt haben wie die Rebhühner“, sagt Eckhard Gottschalk. Er arbeitet an der Universität Göttingen und hat das von der UN-Dekade für biologische Vielfalt ausgezeichnete Projekt mit der
Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 1980 sei der Rebhuhnbestand um 94 Prozent zurückgegangen, weil es den Tieren an Nahrung und geeigneten Brutplätzen fehlt. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ In Deutschland ginge der negative Trend weiter. Allein in Niedersachsen habe sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren wieder halbiert.

Blumenbeete am Feldrand

Seit dem Jahr 2004 fördert das Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft deshalb die sogenannten Blühstreifen. Landwirte können unter anderem an den Feldrändern ihres Ackerlands Blumenbeete anlegen, die weitestgehend natürlich wachsen sollen. Nach Angaben des Ministeriums sollen dort mindestens fünf von 29 vorgegebenen Pflanzenarten wachsen. Sonnenblumen, Dill und Bockshornklee könnten unter anderem ausgesät werden.

Mit dem Projekt „Partridge“ der Europäischen Union werden in fünf westeuropäischen Gebieten Rebhhuhn-Schutzzonen eingerichtet. Zwei davon liegen im Landkreis: in Nesselröden und zwischen Geismar und Diemarden, wo etwa 25 Hektar Blühfläche angelegt wurden.

Rebhühner antworten auf Rufe

„Der Altkreis Göttingen ist unser Schutzgebiet“, sagt Gottschalk. „Der Erfolg war, dass wir 1000 Blühstreifen im Landkreis eingeführt haben.“ Damit die Blühstreifen artgerecht angelegt werden, hätten die Tierschützer Saatgut an alle Landwirte ausgegeben.

Um die 80 Menschen helfen jährlich im Februar und März dabei, die Rebhühner im Altkreis zu zählen. „Die Leute werden in der Dämmerung an Feldwegen ausgesetzt“, erzählt er. Dann laufen sie eine bestimmte Strecke und spielen dabei Rebhuhnrufe ab. „Die Rebhühner paaren sich zu der Zeit und antworten auf die Rufe.“ So können sie gezählt werden.

Vogel- und Insektenschutz

„Das Rebhuhn ist für uns die Zielart“, sagt Gottschalk. Allerdings schauen die Vogelschützer auch auf andere Vogelarten und auf die Insekten, von denen sich die Rebhühner ernähren. „Die Küken fressen Insekten, denn sie brauchen Proteine“, sagt er. „Die erwachsenen Rebhühner können auch vegetarisch leben.“

Derzeit gibt es keine besonderen Konzepte des Landkreises Göttingen für den Vogelschutz, sagt die Sprecherin des Landkreises, Andrea Riedel-Elsner. „Allerdings hat der Landkreis Göttingen in den letzten Jahrzehnten Flächen angekauft und vorrangig für die Avifauna, also die Gesamtheit aller in der Region vorkommenden Vogelarten, renaturiert.“

Landkreis kooperiert mit Naturschutzverbänden

Solche Gebiete gebe es unter anderem am Seeanger und Lutteranger bei Seeburg. Auch bei den Blühstreifen kooperiere der Landkreis mit den Landwirten und fördere zudem den Schutz der Rotmilane. „Selbstverständlich pflegt der Landkreis Göttingen einen Austausch mit Naturschutzverbänden“, sagt Riedel-Elsner.

Durch die Blühstreifen hat sich die Rebhuhnzahl im Landkreis stabilisiert, sagt Gottschalk. Dennoch könnte es besser sein: „Wir haben zwar 1000 Blühstreifen eingeführt, aber das macht letztlich nur 0,8 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus“, schildert er. Bei Nesselröden im Eichsfeld hätten sie fast 7 Prozent der Fläche in Blühstreifen umwandeln können. „Da hat sich der Rebhuhnbestand verzehnfacht.“ Aber auch hier sei er über die Jahre wieder zurückgegangen.

„Stunde der Gartenvögel“

Der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen ruft zur 15. „Stunde der Gartenvögel“ auf. Bundesweit sollen zwischen Freitag und Sonntag, 10. und 12. Mai, eine Stunde lang Vögel beobachtet, gezählt und gemeldet werden.

Die Ergebnisse können bis Montag, 20. Mai, online unter www.stundedergartenvoegel.de eingetragen werden. Am Sonnabend und Sonntag, 11. und 12. Mai, können die Beobachtungen auch telefonisch unter 0800/1157115 gemeldet werden.

Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben des Nabu fast 7000 Menschen an „Stunde der Gartenvögel“ teil. Aus den Beobachtungen werden Rückschlüsse darauf gezogen, wie es um die Bestände der einzelnen Vogelarten steht.

Unter dem Stichwort „Stunde der Gartenvögel“ ist gegen einen 5-Euro-Schein ist ein Infopaket zur Zählung beim Nabu Niedersachsen, Alleestraße 36 in Hannover, postalisch erhältlich.

Von Norma Jean Levin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor 133 Jahren, am 16. April 1886, wurde die Schule an der Bürgerstraße eröffnet. Das imposante Gebäude wird jetzt umgebaut, im Sommer ziehen übergangsweise das Junge Theater und die Aktionszentrum Kaz ein – für drei statt wie geplant zwei Jahre.

16.04.2019
Göttingen Programm zu den Feiertagen - Stadtrundgänge zu Ostern

Zwei Stadtrundgänge bietet die Tourist-Information zu Ostern an. Die Teilnehmerzahl für die zweistündigen Führungen ist begrenzt.

15.04.2019
Göttingen Hilkeröder Bürgermeister lobt Feuerwehr - „Wenn andere Tatort gucken“

Lange hat es gedauert, doch jetzt wird es ernst: Die Freiwillige Feuerwehr Hilkerode bekommt ein neues Gerätehaus. Der Ortsbürgermeister indes ist voll des Lobes für die Truppe um den erneut im Amt bestätigten Ortsbrandmeister Ahlborn.

18.04.2019