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Göttingen Gruppe „Nordadler“ sucht Häuser im Harz
Die Region Göttingen Gruppe „Nordadler“ sucht Häuser im Harz
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13:40 19.04.2018
Bekennender Nationalsozialist: Wladislav S. aus Lindau, Mitglied der Gruppe „Nordadler“. Quelle: Niemann
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Göttingen/Lindau

Wladislav S. rechnet sich selbst dem Nationalsozialismus zu. Freimütig erzählt der 22-Jährige über seine politischen Weltanschauung.

Bei S. hat es am Mittwoch eine Razzia gegeben. Der Verdacht: die Gründung der rechtsterroristische Vereinigung „Nordadler“. Für S. ist der Nationalsozialismus ein „anderes Spektrum als irgendwelche Skinheads oder Rechtsextreme“. Er verfolge die „weltanschauliche Ideologie von damals“, sagt S.

Namen und persönliche Daten von Göttinger Antifaschisten gesammelt

Gegenüber dem Tageblatt gibt S. weiter an, Listen mit Namen und persönlichen Daten von Antifaschisten aus Northeim und Göttingen angelegt zu haben. Diese habe er vom „von Anonymous Kollektiv“ erhalten. Bei einem anderen Verdächtigen aus der Gruppe „Nordadler“ sollen zudem Listen mit Politikern gefunden worden.

Markus Schmitt, Sprecher der Generalbundesanwaltschaft, bestätigte diese Listen hingegen nicht. Er dementierte deren Fund aber auch nicht. Schmitt verwies auf die laufenden Ermittlungen und die Auswertungen der Hausdurchsuchungen. Nach Angaben von S. gegenüber dem Tageblatt seien am Mittwoch sein Rechner, Laptop, Handy und USB-Sticks beschlagnahmt worden.

„Nordadler“: klein, relativ jung und weitgehend unbekannt

Bei „Nordadler“ handelt es sich um eine relativ junge und kleine Gruppe, die auch bei Szenekennern bislang weitgehend unbekannt war. Außer bei S. durchsuchten Ermittler am Dienstag Wohnungen von drei weiteren Verdächtigen im schleswig-holsteinischen Appen, im emsländischen Dörpen und in Bremen-Blumenthal.

Internetseite der Gruppe „Nordadler“. Quelle: Michael Brakemeier

In Lindau sei S. zumindest politisch nicht aufgefallen, sagt Uwe Ahrens, Bürgermeister der Gemeinde Katlenburg-Lindau. Zwar hätten sich in dem Haus „auffällig viele, fast ausschließlich junge Männer“ aus der Gegend und aus ganz Niedersachsen aufgehalten, Beschwerden habe es aber keine gegeben. Hinweise auf S.s Aktivitäten habe es nicht gegeben. Auch dem lokalen Bündnis gegen Rechts seien diese nicht bekannt gewesen, sagte Ahrens.

Fotos aus Bad Sachsa / Harz und Mackenrode / Thüringen

Auf der Facebook-Seite von „Nordland“ mit knapp 1700 Gefällt-Mir-Angaben beschreibt die Gruppe ein „Oppositionsprojekt“ in Nord-Thüringen. Wo genau, will S. gegenüber dem Tageblatt nicht sagen.

Dafür sei der Standort so gewählt, dass er im Zentrum der Bundesrepublik für alle leicht zu erreichen sei, heißt es auf Facebook. In dem Eintrag berichtet die Gruppe von Renovierungen in einem Haus. Wichtig sei es nun, sich „vorsichtig vor zu tasten und gezielt Immobilien in den selben oder unmittelbaren Dörfern zu erwerben“, heißt es weiter (Fehler im Original). Die „Bodensicherung“ helfe, das Netzwerk auszubauen. Außer Landschaftsansichten rund um Bad Sachsa aus dem Bereich Ravensberg postete die Gruppe Fotos von Immobilien in der Bismarckstraße im Ortszentrum von Bad Sachsa (etwa Haus Waldwarte) und Ansichten aus dem nord-thüringischen Mackenrode (Landkreis Nordhausen) nahe der Harzstadt.

Dort in Mackenrode hat die Gruppe nach Recherchen der ARD über die Lebensgefährtin einer der Beschuldigten im Dezember ein Haus gekauft.

Arminius, Widukind und Barbarossa

Den Harz beschreibt die Gruppe „Nordadler“ so: „Von hier aus entschieden sich unter Widukind die Sachsen zum wiederstand gegen Friedrich den großen Sachsenschlächter und Verkünder der Katholischen Henkers Ideologie sowie Arminius der Bezwinger der Römischen Invasion, erwähnt sei noch Babarossa.“ (Fehler im Original)

Kontoverbindung führt zu Patrick S. aus Pinneberg

Die in dem Facebook-Post angegebene Bankverbindung führt zur Sparkasse Wedel im Kreis Pinneberg. Hier wohnt Patrick Sch.. Nach Informationen des antifaschistischen Recherche-Netzwerkes Exif-Recherche einer der Verdächtigen der mutmaßlichen Terrorgruppe. In dem „Nordadler“-Facebook-Post zum „Autarkie und Oppositionsprojekt“ ist S. auf einem Foto zu sehen.

Den Bericht zu den Razzien am Dienstag lesen Sie hier.

Von Michael Brakemeier

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