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Göttingen Rinder aus Schottland im Wald an der Langen Bahn
Die Region Göttingen Rinder aus Schottland im Wald an der Langen Bahn
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21:54 19.07.2009
Für einige Tage Waldbewohner: zottige Rinder aus Hemeln. Quelle: Christoph Mischke
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Ellershausen. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Wald in Deutschland von der Bevölkerung intensiv genutzt. Bäume fällten unsere Vorfahren zur Holzgewinnung in viel kürzeren Abständen – zum Heizen und Bauen, für den Bergbau, die Kohleherstellung und die Produktion in Glashütten. Beeren und Pilze gehörten zum festen Speiseplan der Menschen. Gräser, Buschwerk, Baumrinde und -saat fraßen Weidetiere, die von Hirten in den Wald getrieben wurden. „In den Bramwald wurden bis zu 4000 Stück Rinder, Schafe, Schweine und Gänse eingetrieben, damit war die Viehdichte größer als die Wilddichte“, berichtet Uwe Beyer, Leiter der Revierförsterei Ellerhausen.

Durch die nicht eben schonende Waldweide entstand über Jahrhunderte der sogenannte Hutewald – „ein lichter Eichen- und Buchenwald, der eher einem Park ähnelte“, beschreibt Sibylle Susat, Sprecherin der Niedersächsischen Forstämter Reinhausen und Münden, die Entstehung der Fläche, die kurz hinter Ellershausen im Bereich des Parkplatzes Lange Bahn liegt. Zu sehen sind dort kurzstämmige, rund 270 Jahre alte Eichen mit großen und weit ausladenden Kronen. Daneben wachsen vereinzelt Birken und Nadelbäume sowie seltene Gewächse wie Preiselbeere und Borstgras.

Um das 3,5 Hektar große Waldstück als Anschauungsobjekt für Waldgeschichte zu erhalten, haben sich vor drei Jahren das Niedersächsische Forstamt Hann. Münden, die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen, der Naturpark Münden und der Hemelner Rinderzüchter Werner Schnitter zusammengetan. Mit Fördermitteln von Bingo-Lotto richteten sie das Areal für eine Viehbeweidung her. Seitdem sorgen Schnitters schottische Hochlandrinder (Highland Cattle) in umzäunten Bereichen dafür, dass Sträucher und Gehölze nicht den Waldboden überwuchern. Die Rindviecher leisten dabei ganze Arbeit: „Beim Start vor drei Jahren war das Gestrüpp noch mannshoch“, erinnert sich Bio-Züchter Schnitter. Seit Freitag sind wieder zwei seiner Tiere als Landschaftspfleger im Forst unterwegs.

Mit dem Beweidungsprojekt im Wald verfolgen die Niedersächsischen Landesforsten und das Forstamt Münden mehrere Ziele. „Das erste ist der kulturhistorische Effekt. Wir wollen Besuchern zeigen, wie es früher in den Wäldern aussah“, begründet Jörg Behling, zuständig für Waldökologie und Waldnaturschutz, die Tiereinsätze. Das Erscheinungsbild des Waldes habe sich seit 1870 verändert, „damals wurde begonnen, die Flächen in Hochwald umzuwandeln“. Die Hemelner Rinder tragen außerdem laut Behling dazu bei, ein besonderes Landschaftsbild zu erhalten. „Die großkronigen Eichen etwa sind sehr wertvoll für den Naturschutz.“ Das Areal sei als „magere Zwergstrauchheide“ einzustufen, biete Flora und Fauna zwar viel Licht, habe aber nur arme Böden.

Info-Tafeln an der Langen Bahn informieren Besucher über die Tier- und Pflanzenwelt: An den Eichen gedeihen seltene Pilze und Flechte, zu ihren Füßen wächst die für Südniedersachsen untypische Besenheide. Beheimatet sind im beweideten Bereich auch Mittelspechte und Fledermäuse sowie seltene Insekten wie Hirschkäfer.

Von Katharina Klocke

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