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Göttingen Rinnewitz: „Schuld war nur die Bafin“
Die Region Göttingen Rinnewitz: „Schuld war nur die Bafin“
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19:48 30.05.2012
Braunschweig / Göttingen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Rinnewitz: „Wenn die Bafin mit ihrem rechtswidrigen Vorgehen nicht dazwischen gegangen wäre, wären wir da raus gewesen.“ Mit „da raus“ meint der Göttinger die Schieflage der ganzen Göttinger Gruppe. Mehrere Stunden hat der Angeklagte gestern der Wirtschaftsstrafkammer zu erklären versucht, wie sich die Gruppe nach den vernichtenden Beurteilungen von Medien wie dem Gerlach-Report und den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Verdachts, ein Schneeballsystem zu betreiben, ab 2001 habe „neu ausrichten“ und „sanieren“ wollen.

Es sei klar gewesen, dass viele Geschäftspartner mit diesem Namen nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollten. Das Unternehmen sollte als Dienstleister (Verwaltung) für Finanzunternehmen umgebaut werden. Als die Bafin im April 2005 ein Zahlungsverbot wegen unerlaubter Bankgeschäfte erließ, habe man bereits ein Verwaltungsvolumen von 8,9 Milliarden Euro gehabt – mehr als man je erwartet habe.

Prominente Politiker im Gespräch

Er, Rinnewitz, habe nur als Berater die Konzeption geliefert. Es sei größter Wert auf die Eigenständigkeit der beteiligten Firmen gelegt worden – womit jede Verbindung zur GG verborgen blieb. Man habe einen geschlossenen Fonds (MSF-Fonds, Master Star Fund) aufgelegt, der, anders als alle zuvor, an der Börse (Düsseldorf) gehandelt und durch eine Ratingagentur bewertet wurde. Es seien „über jeden Zweifel erhabene externe Vermögensberater“ beteiligt und Steuervorteile vom Finanzamt Braunschweig – deshalb der Sitz dort –  zugesagt gewesen. Zur Besetzung der Organe der Fonds-Gesellschaft seien prominente Politiker im Gespräch gewesen, darunter Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Bundesbankvorstand Hans Otto Pöhl. Tatsächlich standen dem Fonds später Walter Rasch (Berliner FDP-Finanzsenator) und Ex-Verteidigunsminister Rupert Scholz (CDU) vor.

Aber: Mit der „Bafin-Guillotine“ sei alles aus gewesen. Rinnewitz, der „Übermenschliches“ geleistet haben will, nun zerknirscht: „7000 Leute haben ihr Geld verloren, weil ich dieses Produkt in die Welt gesetzt habe. Man wollte das Beste, erreicht wurde das Schlimmste.“

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