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Göttingen Römerlager-Projekt in Hedemünden: Touristische Erschließung abgelehnt
Die Region Göttingen Römerlager-Projekt in Hedemünden: Touristische Erschließung abgelehnt
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12:55 27.03.2014
Von Matthias Heinzel
Fast fertig: das Info-Zentrum am Hang unterhalb des Römer-Schlachtfelds am Harzhorn. Quelle: Vetter
Göttingen/Hedemünden

Sigrid Jacobi hatte den Antrag für die Christdemokraten eingebracht. Sie sei schwer beeindruckt von den Aktivitäten am Römer-Schlachtfeld am Harzhorn, wo es dem Landkreis Northeim mit vielen Unterstützern und bürgerlichem Engagement „in rasender Geschwindigkeit gelungen ist, Enormes auf die Beine zu stellen“.

Ein gutes halbes Jahr von der ersten Planung bis hin zum fast fertigen Info-Zentrum sei beispielhaft. Analog könne die Kreisverwaltung für Hedemünden „ein neues Konzept für eine dauerhafte und bauliche Ausstellung“ entwickeln.

Der in Göttingen eingeschlagene Weg, über ein mit 17 Millionen Euro ohnehin nicht finanzierbares Projekt nachzudenken, um danach nichts zu tun, sei hingegen falsch, erklärte Jacobi. Das Römerlager bei Hedemünden sei „ein Juwel, dass der Landkreis Göttingen nicht einfach so liegenlassen darf“.

Ergänzend zum Vorbild Harzhorn könne man über ein Historienfest nachdenken, um das Thema Römer präsent zu machen, schlug Jacobi vor. Und dazu einen Besuch des Römerlagers mit der neuen Kreisarchäologin Andrea Bulla.

Fast fertig: das Info-Zentrum am Hang unterhalb des Römer-Schlachtfelds am Harzhorn. ©Vetter

Sofort sah sich Jacobi einer Phalanx der Bedenkenträger gegenüber. Rainer Rohrbach (SPD) erklärte, solche Feste gäben „ein ganz falsches Bild der Geschichte“. Ein Römer-Projekt müsse zudem mit anderen Kommunen abgestimmt werden. Rohrbachs Parteigenosse Reinhard Dierkes betonte, auf dem Hügel bei Hedemünden sei ohnehin nichts zu sehen.

Weitere Argumente: Aus kommunalrechtlichen Gründen könne eine Exkursion des Ausschusses mit Bulla unter Umständen erst im April kommenden Jahres stattfinden. Und wenn überhaupt Römer, sei nicht der Landkreis, sondern die Stadt Münden für solche Projekte zuständig, erklärte Volkmar Kießling (Grüne).

Notgedrungen trat Jacobi den geordneten Rückzug an und beantragte, die Abstimmung zu vertagen. Das aber lehnten ihre Kontrahenten ab – ebenso wie danach den Antrag selbst. Dezernent Franz Wucherpfennig prüft jetzt allerdings noch, ob eine Abstimmung über einen Antrag kommunalrechtlich zulässig ist, den der Urheber vertagt haben wollte.

Nicht ganz, aber fast fertig

Oldenrode/Northeim. Das Römer-Infozentrum am Harzhorn wird nicht ganz so schnell fertig wie geplant. Spätestens Ende des Jahres, vielleicht früher, werde das im Rohbau fertige Gebäude eröffnet, erklärt die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne.

Der Lehrpfad in Richtung Schlachtfeld im Wald solle allerdings bereits Ende Oktober oder Anfang November seiner Bestimmung übergeben werden. Ursprünglich war geplant, das Info-Gebäude Ende September rechtzeitig zum Beginn der Römer-Landesausstellung in Braunschweig zu eröffnen.

Dieser Zeitplan habe jedoch nicht eingehalten werden können, erläutert Lönne weiter: Zum einen hätten die Baumaßnahmen erst zu einem Zeitpunkt ausgeschrieben werden können, als die Bauunternehmen schon fast ausgebucht seien, zum anderen habe die erzwungene Standortverlegung Zeit gekostet.

►Kommentar: Geredet statt gehandelt

Kommunalpolitik kann ja so schwierig sein. Jetzt soll erst einmal geklärt werden, ob es zulässig ist, innerhalb einer Frist von fünf Wochen die Kreisarchäologin statt zu einer Sitzung zu einer Exkursion des Kulturausschusses einzuladen. Wahrscheinlich nicht, heißt es beim Landkreis Göttingen. Vielleicht geht das erst im April kommenden Jahres. Aha.

In ungefähr der gleichen Zeit haben es Landkreis und Stadtarchäologie Northeim immerhin geschafft, ein finanzierbares Konzept für die touristische Erschließung ihres Römer-Schatzes zu entwickeln, Sponsoren und Zuschüsse aufzutreiben, ein Architekturbüro aus der Region dazu zu bringen, einen überzeugenden Entwurf für Info-Zentrum und Lehrpfad vorzulegen, baugenehmigungsrechtliche und Standort-Probleme zu lösen, einen kombinierten Rad- und Wirtschaftsweg, dazu eine Buswendeschleife samt Parkmöglichkeiten anzulegen und das Info-Gebäude mit einem überschaubaren Kostenrahmen so gut wie fertigzustellen. In der gleichen Zeitspanne wird in Göttingen wahrscheinlich wieder mal nur geredet.

Kein Wunder, dass sich in Northeim die Lust auf Fusion mit Göttingen in Grenzen hält.

Matthias Heinzel
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