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Göttingen Römische Legion aus Serbien am Harzhorn
Die Region Göttingen Römische Legion aus Serbien am Harzhorn
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14:50 12.01.2012
Mit unübersehbarem Stolz auf den Sensationsfund vom Harzhorn: die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne. Quelle: Deutschmann/NLD
Hannover/Northeim

Ein Jahr nach der Bergung eines vollständigen römischen Wurfspeeres, Beschlägen vom Joch eines Zugtieres und zweier eiserner Äxte, wurde eine Inschrift entziffert, die eine Teilnahme einer bestimmten römischen Kampfeinheit an der Schlacht belegt und eine genaue Datierung der Schlacht ermöglicht.

Die eiserne Axt wurde etwa drei Kilometer vom bisher bekannten Schlachtfeld gefunden. Bei der Ausgrabung der Funde war schnell klar: Es handelte sich um die Relikte eines erbitterten Kampfes Mann gegen Mann. Erst bei der Restaurierung wurde die Inschrift auf der größeren der Äxte, einer sogenannten Dolabra, sichtbar: In großen Lettern war dort „LEG IIII“ zu lesen  – für die Archäologen ein eindeutiger Beweis, dass die vierte Legion des römischen Heeres dort kämpfte.

Die Inschrift auf der gestern in Hannover vorgestellten Axt, weiß die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne, geht weiter, ist aber in den folgenden Teilen nur schwer zu entziffern. Die Fachleute glauben, dass zwei sich überlagernde Buchstabenfolgen den Beinamen der vierten Legion, „flavia Severiana alexandriana“ nach dem im März 235 ermordeten Kaiser Severus Alexander, darstellen.

Der Schriftzug macht es möglich, das Schlachtfeld zweifelsfrei mit einem historisch überlieferten Ereignis zu verbinden. Bisher konnte die Auseinandersetzung am Harzhorn nur durch Münzfunde zeitlich eingegrenzt werden. Aus historischen Quellen ist bekannt, dass die vierte Legion im 3. Jahrhundert in Singidunum, dem heutigen Belgrad in Serbien, stationiert war. Die Wissenschaftler sind sich jetzt sicher, dass die Schlacht am Harzhorn Teil eines Feldzuges des damaligen römischen Kaisers Maximus Thrax, Severus‘ Nachfolger, im Jahre 235 war. Diese Datierung deckt sich auch mit den Untersuchungsergebnissen anderer Funde, insbesondere der Jahreszahlen der auf dem Kampfgelände gefundenen Münzen.

Das heute im Wald versteckte Schlachtfeld am Harzhorn wurde vor gut drei Jahren entdeckt. Weil vorher unbekannt war, dass sich römische Truppen noch im 3. Jahrhundert so weit in den Norden Germaniens vorgewagt hatten, gilt die Entdeckung unter Archäologen und Historikern international als Sensation. Voraussichtlich 2013 sollen die vielfältigen Funde in einer Landesausstellung in Braunschweig gezeigt werden.

Archiv-Video: 

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