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Göttingen Rosenkrieg – mal perfide, mal fast tödlich
Die Region Göttingen Rosenkrieg – mal perfide, mal fast tödlich
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00:17 23.05.2013
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Kaum jemand hat in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit von Polizei und Justiz erfahren wie diese junge Mutter und ihr Noch-Ehemann. Mit dem führt sie seit Jahren einen Rosenkrieg, der seinesgleichen sucht.

Bis hin zu einem fast tödlichen Messerstich ins Herz reichte dieser Ehekrieg. Damit verglichen ist das, was diesmal verhandelt wird, zwar perfide, aber Peanuts.

Es geht um eine falsche Verdächtigung – natürlich gegen ihren Mann. Der soll, so hat sie in der Nacht zum 2. September 2012 telefonisch der Polizei gemeldet, eine halbe Stunde lang an ihrer Haustür geklingelt haben.

Dabei besteht doch eine Gewaltschutzanordnung, die es dem Ehemann verbietet, ihre Nähe zu suchen. Wäre wahr, was die 30-Jährige meldete, wäre das eine Straftat, derer der Ehemann angeklagt werden müsste.

Steakmesser in die Rippen gerammt

Es ist aber nicht wahr, behauptet der Mann, liefert dazu ein Alibi und bringt damit seine angetraute Hassliebe vor Gericht wegen des Straftatbestandes falscher Verdächtigung.

Vorsorglich hat Amtsrichter Philipp Moog die Akten hinzugezogen, in denen der bisherige Verlauf des Rosenkrieges dokumentiert ist.

Diese türmen sich vor ihm auf dem Richtertisch. Darin enthalten das Drama vom September 2009, als die jetzige Angeklagte ihrem Ehemann ein massives Steakmesser in die Rippen rammte, das Herz durchstach, und dabei Zwerchfell und Leber verletzte.

Mehrere Notoperationen retteten das Leben des Verletzten.

15 Monate Haft auf Bewährung

Allerdings wurde die Täterin nur wegen Körperverletzung angeklagt und erhielt lediglich eine Bewährungsstrafe. Das Landgericht erkannte an, dass sie sich beim fast tödlichen Stich in einer Notwehrsituation wähnte, weil der Ehemann sie wiederholt massiv angegriffen hatte.

Zur Tatzeit trug sie ein Korsett. Der Gatte hatte sie zuvor eine Treppe hinabgeschubst.

Die damalige Verurteilung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung spielt auch jetzt eine Rolle, weil die Frau noch unter Bewährung stand, als sie ihren Mann wegen der nächtlichen Nachstellung bei der Polizei meldete.

Die aber, so behauptet auch der Alibizeuge des mutmaßlich falsch Verdächtigten, könne es gar nicht gegeben haben. Er habe am Tattag den Freund besucht, man habe dessen Namenstag gefeiert.

Er sei den ganzen Tag bei ihm gewesen, so dass der gar nicht hätte zwischendurch zur Noch-Ehefrau habe gehen können.

Glaubwürdigkeit des Zeugen erschüttert

Namenstag? Verteidiger Patrick Riebe will wissen, welchen Namenstag. Noch in der Vernehmung googelt er per Handy den Namen des Ehemanns: Fehlanzeige. Nein, seinen Namenstag, schwenkt der Zeuge um. Handy raus, erneut Google bemüht: wieder nichts.

Vorgefeiert habe man, behauptet der Zeuge nun. Vorgefeiert? Sein Name erscheint in der Namenstagliste weit und breit nicht. Als der Zeuge behauptet, Alkohol habe man bei der Feier so gut wie gar nicht getrunken, ist der Anwalt zufrieden: Glaubwürdigkeit des Zeugen erschüttert!

Da hilft es auch nicht, dass der Zeuge noch erwähnt, die Frau sei es vielmehr gewesen, die ihren Mann an jenem Tag mit Anrufen belästigt habe. Als der gefragt habe, wann er die gemeinsame Tochter sehen könne, habe die geantwortet: „Für zehn Dosen Bier kannst Du sie sehen.“

Freispruch natürlich

Die Tochter – ein Wunder, dass es sie gibt. Sie ist zweieinhalb. Vor genau drei Jahren und vier Monaten, bei der Verurteilung wegen des Messerstichs, ordnete das Landgericht als Bewährungsauflage eine strikte Kontaktsperre zwischen den Eheleuten an.

Nach dem Schuldspruch damals wurde die Frau aus dem Gefängnis entlassen – und binnen Wochen vom  Ehemann schwanger. Seither geht der Rosenkrieg auch ums Kind.

Und das Urteil? Freispruch natürlich. Selbst wenn er es nicht war, kann es sein, dass sie glaubte, er sei es. Also keine vorsätzliche Falschbeschuldigung.

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