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Göttingen Rotmilane bremsen Windenergieanlagen aus
Die Region Göttingen Rotmilane bremsen Windenergieanlagen aus
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09:09 10.11.2012
Überschneiden sich häufig: Rotmilan-Schutzzonen mit einem Radius von 1250 Metern und mögliche Windradstandorte. Quelle: Quelle:Landkreis Götingen
Göttingen

Die Gemeinden sind derzeit dabei, ihre Flächennutzungspläne zu überarbeiten, um Windvorranggebiete auszuweisen, in denen Windräder gebaut werden können. Wie die Stadt Göttingen geht auch der Landkreis von 1000 Meter Abstand zu Siedlungsgebieten aus. In Niedersachsen gibt es bislang keine genauen Vorgaben, nur Empfehlungen. Im Wald dürfen auch keine Windenergieanlagen aufgestellt werden, nur in Ausnahmefällen auf belasteten Standorten wie ehemaligen Kasernen.

Die besonders windreichen, bewaldeten Bergkuppen fallen damit aus. Tabu sind auch Natur- und das europäische FFH-Schutzgebietsnetz. Das Vogelschutzgebiet 19 umfasst große Teile der Gemeinde Gleichen und der Samtgemeinde Radolfshausen. Dort brüteten dieses Jahr mindestens 20 Rotmilanpaare. Besonders viele Rotmilane sind auch in den Gemeinden Friedland, Rosdorf und der Samtgemeinde Dransfeld anzutreffen.

50 Prozent des weltweiten Rotmilan-Bestandes, 20 000 Brutpaare,  kommen in Deutschland vor, insbesondere rund um den Harz. „Für den Rotmilan haben wir deshalb eine besondere Verantwortung“, sagte der Gutachter Dr. Michael Corsmann am Montag im Kreiswirtschaftsausschuss.

Grafik des Landkreises mit Schutzzonen und möglichen Windradstandorten

Die bedrohte Art brüte an Waldrändern, wo es Grün- und Brachland gebe. Der Suchjäger sei die von Vogelschlag durch Rotorblätter am meisten beeinträchtigte Art, so der Gutachter. Rotmilane ignorierten Windräder. Mit Ausnahme von Brandenburg gebe es keine systematischen Untersuchungen. Eine Studie zeige aber, dass die Gefahr von Vogelschlag ab 1000 Meter „signifikant“ abnehme, so Cohrs, deshalb gebe es auch die Abstandsregelung. Bekannt sei, dass Tiere wie Füchse auf der Suche nach Beute systematisch unter Windrädern „patrouillieren“.

Durch die Ergebnisse der Milanstudie ist beispielsweise ein umstrittenes Windgebiet bei Erbsen vom Tisch. In der Samtgemeinde Dransfeld gibt es ein halbes Dutzend Standorte, für die sich Investoren, darunter der Stromkonzern Vattenfall, interessieren. Als mögliches Windenergiegebiet bleibt voraussichtlich nur eine Fläche nördlich von Jühnde übrig. Die Kreisverwaltung will bis April ein Konzept unter Berücksichtigung aller übrigen Belange vorlegen.

Die Gemeinden würden fachlich begleitet, sagte Kreisumweltdezernentin Christel Wemheuer. „Der Windkraft sind deutliche Grenzen gesetzt.“ Ohne Windkraft werde es schwierig, die Ziele der Energiewende im Kreis zu erreichen. Es gebe aber Handlungsspielräume in einzelnen Bereichen, so Wemheuer.

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