Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Rücktritt des Papstes: Reaktionen von Kirchenvertretern und Gläubigen
Die Region Göttingen Rücktritt des Papstes: Reaktionen von Kirchenvertretern und Gläubigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 14.02.2013
„Das bleibt in Erinnerung“: Besuch von Papst Benedikt XVI. im Eichsfeld, wo er vor 90 0000 Gläubigen predigt. Quelle: Blank
Anzeige
Duderstadt/Göttingen

Respekt vor diesem Schritt des Kirchenoberhaupts prägt die Kommentare von Kirchenvertretern und Gläubigen aus der Region, darunter Norbert Hübner, ehemaliger Dechant des Dekanats Göttingen. Am meisten habe er am Papst „seine unheimlich demütige Art“ geschätzt, seine Theologie und seine Fähigkeit, „unsere Glaubenswahrheiten in einfachen Worten darzulegen“.

Benedikt sei kein Politiker gewesen, dafür sei er zu sehr um die Einheit der katholischen Kirche besorgt gewesen. Hübner weiter: „Ich bin dankbar für die Zeit, in der er seine Kräfte zur Verfügung gestellt hat.“

„Das passt zu diesem Papst. Er ist konsequent und klar“, sagt Duderstadts Propst Bernd Galluschke zur Rücktrittsankündigung. Er sei beeindruckt von der mutigen Entscheidung. Ein Widerspruch zu Benedikts Vorgänger Johannes Paul II., der trotz Krankheit bis zum Tod im Amt blieb, sieht Galluschke nicht.

Wie mit Alter und abnehmender Kraft umgegangen werde, hänge von der Persönlichkeit des Betroffenen ab „und dem, was er als Willen Gottes erkannt hat“. Auswirkungen auf das Leben der Gläubigen an der Basis habe die Rücktrittsankündigung nicht. Was bleibe, sei die Würdigung der Region durch den Besuch des Papstes im Eichsfeld im September 2011. „Das bleibt in Erinnerung“, ist der Propst überzeugt.

Das trifft auch auf Jugendliche zu. Gruppen aus den katholischen Schulen in Göttingen und im Eichsfeld haben den Papstbesuch mit gestaltet. Die Religionslehrerin an der Göttinger Bonifatiusschule II, Christiane Günther, sieht die Entscheidung Benedikts als Ausdruck von Stärke. Offenbar habe er für sich erkannt, dass er der Verantwortung seines Amtes aufgrund seines Alters nicht mehr gewachsen sei. Diese Entscheidung koste sicher viel Kraft. Auch deshalb „werden gerade die Schüler sie mit Hochachtung respektieren“, sagt Günther.

Auch an der Duderstädter St.-Ursula-Schule werde der Papstrücktritt sicher Thema sein, sagt Schulleiter Ingo Bickel. Persönlich kommentiert er: „Aus rein menschlicher Sicht ist das ein vernünftiger Schritt.“ Benedikt habe eine mutige Entscheidung getroffen. Durch den nun planbaren Wechsel entstehe kein Vakuum an der Spitze der Kirche. Bickel hofft unter einem Nachfolger auf Schritte zur Erneuerung der katholischen Kirche.

„Die Nachricht vom Rücktritt Papst Benedikts XVI. hat mich genauso überrascht, wie alle anderen. Spontan empfinde ich große Hochachtung vor diesem Schritt“, sagt Friedrich Selter, Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen. „Papst Benedikt zeichnet sich damit als guter Theologe und Seelsorger aus, der auch um seine eigenen Grenzen weiß. Auch ein Papst muss nicht durchhalten bis zum möglicherweise bitteren Ende.“

Damit unterstreiche er die Würde des Amtes. Gleichzeitig mache Papst Benedikt den Weg frei für einen Nachfolger, der seine eigenen Akzente setzen werde. „Dass diese die Ökumene auch auf kirchenleitender Ebene weiter voranbringen werden, ist meine große Hoffnung.“

Ob und was sich ändern wird, komme auf den Nachfolger an, „die Zeiten werden schwierig“, sagt Schwester Cárola Brun, Oberin der Vinzentinerinnen in Duderstadt. Und was sagt sie zum Rücktritt Benedikts XVI.? Der Schritt des Papstes werde unter ihren 24 Ordensschwestern für „heiße Diskussionen sorgen“. Sie selbst macht ihren Respekt deutlich: „Hut ab“, sagt sie wenige Minuten nachdem sie vom Amtsverzicht des Pontifex erfahren hat. Auch ein Papst habe ein Recht zu sagen, dass seine Kraft ihn verlasse, „damit setzt er ein Zeichen“.

„Ich bin sehr beeindruckt von der klaren und letztlich doch überraschend schnellen Erklärung des Papstes“, sagt Schwester Ingeborg Wirz, Oberin des Ursulinenklosters in Duderstadt. Er wisse um die Komplexität der Weltkirche, und seine schwindenden Kräfte würden ihm offenbar immer drückender bewusst.

„So verdient seine Entscheidung Anerkennung und höchsten Respekt“, zumal sein Amtsvorgänger einen anderen Weg gegangen sei. „In unserem Kloster wird natürlich viel über diese in der Geschichte der Kirche sehr ungewöhnliche Entscheidung diskutiert“, sagt sie. Der Blick richte sich nun auf die nun anstehende Wahl. Wer werde der neue Papst sein, und sollte er nicht wesentlich jünger sein? „Aber hier entscheidet letztlich der Heilige Geist – lassen wir uns überraschen.“

Von Ulrich Lottmann, Andreas Fuhrmann und Ulrich Schubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Politik Nachricht geht um die Welt - Reaktionen zum Papst-Rücktritt

Die Nachricht vom Rücktritt des Papstes ging in wenigen Minuten um die Welt. HAZ.de hat die wichtigsten weltweiten und niedersächsischen Reaktionen auf die überraschende Erklärung von Papst Benedikt XVI. zusammengestellt.

11.02.2013

Papst Benedikt XVI. hält seine Kräfte nicht mehr für geeignet, den "Petrusdienst auszuüben". Am 28. Februar gibt er sein Amt auf. Auf haz.de lesen sie die Rücktrittserklärung des 85-Jährigen im Wortlaut.

11.02.2013
Panorama Antworten zum Papst-Rücktritt - Wie es in Rom jetzt weitergeht

Es ist eine Sensationsnachricht aus Rom: Benedikt XVI. will am 28. Februar sein Pontifikat aufgeben. Nicht nur Katholiken in aller Welt fragen sich jetzt: Kann ein Papst überhaupt zurücktreten? Und wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Simon Benne 11.02.2013

Nachdem Northeim nicht mehr bis März eine Kreisfusion in Südniedersachsen mitmachen will, soll jetzt schnell eine Zweier-Fusion zwischen Göttingen und Osterode geschmiedet werden. Der Kreisausschuss in Osterode gab am Montag allerdings noch kein grünes Licht für einen Verhandlungsauftrag an den Ersten Kreisrat Gero Geißlreiter (CDU).

14.02.2013

Die dubiose Werbeveranstaltung in einem Groner Restaurantbetrieb ist anders verlaufen, als von den Organisatoren offensichtlich geplant, Ein Besuch des Ordnungsamts und ein Vorbericht im Tageblatt machten ihnen einen Strich durch die Rechnung.

14.02.2013

Braun, grün oder durchsichtig – in diesen Fällen ist die Entsorgung von Altglas meist ein klarer Fall. Für alle drei Varianten stehen im Stadtgebiet Göttingen mehr als 500 Container für Altglas bereit, verteilt an etwa 165 Standorten. Farbhinweisen an den Einwurflöchern beseitigen letzte Zweifel.

11.02.2013
Anzeige