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Göttingen Offiziell gibt es sie nicht
Die Region Göttingen Offiziell gibt es sie nicht
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00:17 26.12.2016
Symbolbild Quelle: dpa
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Göttingen

Denn bis zum 18. Lebensjahr gelten Kinder und Jugendliche als „obhutlos“ und werden im Zweifel formal der Wohnadresse ihrer Herkunftsfamilie zugerechnet. Doch die Realität sieht anders aus, wie Friebe bestätigt. Er wisse von etwa 15 minderjährigen Obdachlosen, die derzeit in Göttingen leben. „Im Jahr sind es 20 bis 40, die hier Station machen.“ Diese stammten nie aus Göttingen, sondern immer aus anderen Teilen Deutschlands. „Die Jüngsten sind 14 oder 15 und meistens Mädchen“, sagt Friebe.

Die meisten von ihnen sind von zu Hause geflohen, weil sie sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt wurden. „Die schlafen lieber unter einer Brücke, als dass sie wieder zu Vater oder Mutter zurückgehen“, sagt Friebe. In ihren Heimatorten könnten sie nicht betteln oder schnorren, da kenne sie jeder. Also suchten sie sich eine andere Stadt. Göttingen habe zwar keinen besondere Ruf in der Obdachlosenszene. Dennoch gebe es hier einen entscheidenden Vorteil: „Wir sind einigermaßen liberal“, sagt Friebe. Außerdem finde sich in Göttingen immer eine Möglichkeit, „irgendwo unterzuschlüpfen“.

Die Heranwachsenden versuchten so, die Zeit zu überbrücken, bis sie volljährig sind, erklärt Friebe. Erst dann erhalten sie Sozialleistungen oder medizinische Betreuung. So lange müssen sie sich verstecken. „Wenn sie entdeckt werden, werden sie in Obhut genommen. Das wollen die meisten verhindern“, sagt Friebe. Weil sie ansonsten keine Hilfe erhalten, kommen die obdachlosen Jugendlichen zum Beispiel zum Verein Förderer der Straßensozialarbeit. „Mit irgendwas versorgen wir die schon“, sagt Friebe. „Wir stecken ihnen auch schon mal 20 Euro zu, damit sie über die Runden kommen. Und wenn einer eine Hose braucht, bekommt er die auch.“ Ziel sei es aber immer, dass die Jugendlichen dem Verein erlauben, mit dem Jugendamt in ihrer Heimat Kontakt aufzunehmen. „Wir versuchen ihnen zu helfen, ihnen andere Wege aufzuzeigen. Hauptsache, die Kinder kommen von der Straße weg.“

Für diese Einsicht zu werben, sei aber nur ein Teil des Problems. Das andere seien die Jugendämter selbst. „Ich habe schon mit vielen Heimatjugendämtern gesprochen“, sagt Friebe. Und immer gehe es ums Geld. Es gebe wunderbare Jugendeinrichtungen, sagt Friebe, aber die kosteten 4000 bis 5000 Euro im Monat. Spätestens dann würden die meisten Jugendämter abwinken. „Die Eltern kümmern sich doch“, heiße es dann immer. Das aber sei oft das Letzte, was die Straßenkinder wollten. „Die Jugendämter wollen sparen, das ist die Wahrheit“, sagt Friebe. „Wir sind aber nicht verpflichtet, die Kinder zu melden. Und in solchen Fällen würde es ihnen auch nicht helfen.“

Die Stadt habe keine Kenntnis über obdachlose Jugendliche in Göttingen, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Natürlich sei nicht ausgeschlossen, dass sich Jugendliche dem Zugriff der Behörden verweigern. Über derartige Fälle lägen aber keine Zahlen vor. „Würden dem Jugendamt Fälle solcher Obdachlosigkeit bekannt, müsste und würde es sofort eingreifen und die Kinder und Jugendlichen in seine Obhut nehmen“, so Johannson. Gebe es Erziehungsberechtigte, würden diese verständigt. Ansonsten würden die Jugendlichen zum zuständigen Jugendamt oder der stationären Einrichtung gebracht, in der sie zuletzt gelebt hätten - „unter Umständen mit Unterstützung der Polizei“, sagt Johannson.

Jetzt zur Weihnachtszeit gehe es den obdachlosen Jugendlichen besonders schlecht, erklärt Friebe. „Weihnachten ist belastet durch Erinnerungen an Eltern und Geschwister. Das macht dann schon eine Spur schärfer depressiv.“ Aber egal ob 15- oder 55-jähriger Obdachloser. „Alle schleppen in dieser Zeit sentimentalen Scheiß mit sich rum.“ Bis Heiligabend seien daher viele „sehr angespannt“.

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