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Göttingen Samuel Koch spricht beim Mutmacher-Gipfel
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20:46 13.10.2018
Mutmacher-Gipfel mit Samuel Koch in Göttingen Quelle: Max Ballhaus
Göttingen

„Stell Dich nicht so an“: Ein Satz, den Samuel Koch als Spitzensportler und schon als Kind oft gehört hat. Noch heute sei es für ihn „Ehrensache, Dinge durchzuziehen“. Der 31-Jährige sprach beim „Mutmacher-Gipfel“ in Göttingen über „Die Krise als Chance“.

Schauspieler und Vortragsreisender: Heute ist Samuel Koch im Rollstuhl unterwegs, bis 2010 war er Spitzenturner. Während einer Wette in der TV-Show „Wetten, dass...“ zog er sich bei einem spektakulären Sturz eine Querschnittslähmung zu. Dennoch macht er heute anderen Menschen Mut, nicht umgekehrt. Wenn Koch mit bedächtiger, sonorer Stimme spricht, vergisst man schnell, das der Mann nicht einfach nur auf einem Stuhl auf der Bühne sitzt, sondern in einem Rollstuhl.

Er liest aus seinem neuen Buch. „Ich soll das Manuskript im Oktober abgeben, am 4.“, sagt er und das Publikum in der voll besetzten Stadthalle lacht. „Aber sonst geht’s mir gut“, so Koch. Auch wenn er mit dem Abgabetermin in Verzug ist, die Göttinger hörten schon einmal vorab ein Kapitel über seine Visionen und Träume von einer besseren Welt. Gipfel-Mitorganisator Max von Düring fragte ihn im Gespräch, was seine ganz persönliche Motivation ist, morgens aufzustehen, was ihn antreibt – schließlich sei er als Schauspieler und Autor „umtriebiger als je zuvor“.

Emotionen transportieren

Koch erzählte von seinen drei Theaterstücken, in denen er gerade in Mannheim auf der Bühne steht. Faust, das weiße Band und das Solostück Judas spielt er. „Emotionen transportieren“, das sei eine seiner Motivation. „Die Zuschauer sollen den Alltag vergessen – ich auch. Ich will nicht nur verkopfen, auch verherzlichen“, sagt Koch. „Dann vergesse ich, was vielleicht auch unschönes mit mir geschehen ist.“

Dabei helfe ihm auch seine Vergangenheit, die er als „Schatz“ bezeichnet. Als junger Turner habe er viel Blut und Tränen vergossen. „Dagegen kam mir die Bundeswehr wie ein lascher Haufen vor“, sagt er. Mutters „stell Dich nicht so an“ helfe hm noch heute. Koch nannte es sein „Schweinehund-Überwindungs-Temperament“. Mit viel, auch mal schwarzem Humor, erzählt Koch auf Bitte von Dürings eine Anekdote, die beispielhaft für seine Disziplin ist. Nicht nur mit gerissen Bizeps turnte er einst weiter. Auch ein Schädelbruch warf ihn nicht um. „Als ich das Blut aus der Nase schneuzen wollte, kam das Auge rausgeschossen“, erzählt der 31-Jährige. Neun Wochen lang durfte er danach nicht niesen. „Manchmal weiß man etwas erst zu schätzen, wenn man es einmal vermisst hat“, sagt Koch. Niesen, wie Genießen.

Kleine Auszeiten

Sein Antrieb: Sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben und gleichzeitig auch mal zufrieden sein. Für diesen Spagat nehme er sich gezielt möglichst täglich bewusst kleine Auszeiten. „Meisten nachts“, sagt Koch. Und: „Ich fordere das ein.“ Das helfe ihm, Dinge zu relativieren.

Vor allem sein Vater, so Koch weiter, habe ihn stets klar gemacht, dass er etwas ganz besonders sei, „eine Eins-Plus“, so Koch. Auch wenn er mal eine Fünf in Englisch als Kind nach Hause brachte, war er für seinen Vater die Eins-Plus. „Dieses Selbstbewusstsein hat mir sehr geholfen, wenn ich mal das Gefühl hatte, nicht nützlich zu sein“, sagt Koch.

In seinem neuen Buch träumt er auch von einer friedlichen, grenzenlosen, plastikfreien Welt, in der ein Donald Trump einen Sinneswandel durchlebte und sein Vermögen für den Klimaschutz spendete. Täglich aufstehen, das macht Koch für seinen Beruf. Denn das sei für ihn auch Berufung.

Von Britta Bielefeld

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