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Göttingen Sanfte Töne am Krankenbett und am Brutkasten
Die Region Göttingen Sanfte Töne am Krankenbett und am Brutkasten
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15:45 16.03.2018
Musiktherapeutin Hella von Wedelstädt bei der Arbeit mit einem Herzpatienten. Quelle: r
Göttingen

Einfache Tonfolgen stimulieren die Entwicklung von Frühgeborenen. Wedelstädt legt ihre desinfizierten Hände auf den winzigen Körper im Inkubator und beginnt zu summen. Seit Oktober vergangenen Jahres besucht sie für 14 Stunden pro Woche die kleinsten Patienten des Göttinger Uniklinikums in der Neonatologie. Die Musiktherapeutin ist Mutter eines Frühgeborenen und Mitglied im Verein „Kleine Löwen“.

Mit der Melodie ihres Gesangs reagiert sie stetig auf die Atmung des Kindes sowie auf jede Bewegung der zarten Glieder, der Augen, des Mundes. Die aus wenigen Tönen bestehenden Klänge sollen das Frühgeborene, das ständig der Geräuschkulisse von Instrumenten und Geräten der Station ausgesetzt ist, sanft stimulieren.

Musik von Kalimba und Kantele

Frühgeborene sind Kinder, die mit weniger als 1500 Gramm zur Welt kommen. In etwa bis zum errechneten Geburtstermin werden sie in der Neonatologie betreut. Mit bis zu dreieinhalb Monaten Aufenthalt sind die momentan etwa 80 Babys die am längsten im Klinikum verbleibenden Patienten.

Musiktherapeutin Hella von Wedelstädt an einem Brutkasten auf der UMG-Station Neonatologie. Quelle: Niederleithinger

Um den Auf- und Umbau von Verbindungen im Gehirn anzuregen sei es wichtig, das Neugeborene angemessenen Reizen auszusetzen, sagt Stationsleiter Helmut Küster. „Das Singen ist ideal, um einfache Strukturen anzubieten und diese an die Reaktionen des Kindes anzupassen“, bestätigt er. Wedelstädt sagt, die Musiktherapie rege eine erste Verarbeitung von Gefühlen an und: „Die Kinder fühlen sich wahrgenommen.“ Die positiven Auswirkungen ihres Gesangs lese sie vom Monitor am Brutkasten ab. Herz- und Atemfrequenz beruhigen sich, die Sauerstoffsättigung steigt.

Durchleben von Angst und Hilflosigkeit

Der Verein „Kleine Löwen“ begleitet die Eltern Frühgeborener beim Durchleben der Angst, der sich möglicherweise einstellenden Selbstvorwürfe und der oftmals festzustellenden Hilflosigkeit, die Pflege des Kindes dem Krankenhauspersonal überlassen zu müssen. „Sowas kann hier niemand vermitteln. Nur das persönliche Gespräch mit Menschen, die das selbst durchgemacht und reflektiert haben, hilft wirklich weiter“, sagt Küster. Das trifft auf die Vereinsvorsitzende Carina Krause zu. Sie berühre es zutiefst, Wedelstädt bei der Therapie zu beobachten.

„Liegt ihr Kind noch im Inkubator, können Eltern wenig tun, um die Entwicklung ihres Kindes zu unterstützen“, erklärt Wedelstädt. Sie führt auf Wunsch deshalb auch Eltern an das Singen heran; besonders die Mutterstimme ist für das Neugeborene wichtig. Ist das junge Leben dann dem eigentlichen Geburtstermin näher gerückt, setzt sie Instrumente mit leisem, harmonischen Klang wie die afrikanische Kalimba ein. Füße und Hände des Kindes können zusätzlich durch die Vibrationen der angezupften Lamellen stimuliert werden. Bei der intimen Begegnung von Mutter und Kind beim sogenannten Känguruhen, bei dem das Kind auf der Brust der Mutter ruht, hüllt sie beide in die sphärischen Klänge des Saiteninstruments Kantele.

Kleine Löwen und Gekko

Bislang wird das Angebot der Musiktherapie noch nicht von den Krankenkassen übernommen. An der Universitätsmedizin Göttingen wird das Angebot durch die Eltern-Selbsthilfegruppe GEKKO (Göttinger Eltern kardiologischer Kinder Kontaktgruppe) sowie dem Elternverein Kleine Löwen getragen.

Von Marie Niederleithinger

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