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Göttingen Warnsignale der Bahn nerven Göttingen
Die Region Göttingen Warnsignale der Bahn nerven Göttingen
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00:18 11.09.2018
Laut, schrill und für die Arbeiter am Gleis (über-)lebenswichtig: die Rottewarnanlage. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Das sirenenartige Tröten ist nicht zu überhören: Fast Tag und Nacht ertönen die Signale – zeitweise im Minutentakt. „Ich kann nicht schlafen“, klagt ein Studenten im Social-Media-Kanal „Jodel“. Auch auf der Facebook-Seite „Wenn Du in Göttingen aufgewachsen bist“ sind die aggressiven Signale ein Dauerthema. Manche wollen einfach nur wissen, was es damit auf sich hat. Andere beklagen sich über das ungewohnte und störende Geräusch. Aber es gibt auch verständnisvolle Erklärungsversuche – vor allem von Bahn-Fans, die bequem auf neuen, guten Schienen reisen wollen.

Bauleiter Senad Telalovic zeigt die lauten Hupen, die immer wieder über die Stadt tönen. Quelle: Christina Hinzmann

Und sie haben damit überwiegend recht: Die Signalhörner warnen Arbeiter am Gleis vor herannahenden Zügen. Der Hintergrund sind Gleisbauarbeiten zwischen Hannover-Wülfel und Göttingen. Sie betreffen nach Angaben der Deutschen Bahn Regio die alte Bahntrasse, auf der Regional- und Güterzüge fahren – also nicht die ICE-Strecke.

„Es geht nicht anders“

Wenn an Gleisen gearbeitet werde, habe die Sicherheit der Arbeiter höchste Priorität. Die Signalhörner warnen die Arbeiter im Gleis vor herannahenden Schienenfahrzeugen, erklärt Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Deutschen Bahn im Regionalbereich Niedersachsen-Hamburg. Sie würden von der Unfallkasse ausdrücklich gefordert. Eingesetzt würden dafür sogenannte Rottenwarnanlage. Nur noch in Ausnahmen würden Mitarbeiter am Gleis wachen und ihre Kollegen manuell vor Zügen warnen.

Die Rottewarnanlage und ihre Signale

Die Rottenwarnanlage warnt nach Angaben der Deutschen Bahn Arbeiter am Gleis – die sogenannte Rotte – vor dem Herannahen eines Zuges. Die Geräte mit Schaltkasten, Signalhorn und Leuchte sind auf einem Stativ montiert und werden am Rand des Gleisbettes etwa alle 30 Meter aufgestellt. Kommt ein Zug, werden sie in der Regel durch einen Kontakt im Gleisbereich automatisch von diesem ausgelöst. Die Anlage gibt dann unterschiedliche „Rottenwarnsignale“ ab. Diese sind in der Eisenbahn-Signalordnung definiert:

-> Ein langer durchgezogener Ton (Mischklang aus unterschiedlich hohen Tönen) bedeutet „Vorsicht! Im Nachbargleis nähern sich Fahrzeuge“;

-> zwei lange Töne nacheinander in verschiedener Tonlage signalisieren „Arbeitsgleise räumen!“;

-> mindestens fünf Mal jeweils zwei kurze Töne in verschiedenen Tonhöhe bedeuten „Arbeitsgleise schnellstens räumen!“.

Die Anlagen seien mit elektronischen Hochdruckhörnen ausgestattet – „und alternativlos“, ergänzte ein weiterer Sprecher des Unternehmens. Die Baumaschinen seien oft sehr laut und es gebe bisher keine andere Technik, mit der die Arbeiter effektiv gewarnt werden können. „Wir wissen, dass das nerven kann, aber es geht nicht anders“, fügte er an.

Im Baubereich werden die Rottewarnanlagen nach seinen weiteren Angaben im Abstand von 30 Metern aufgestellt. Ausgelöst werden sie von heranrollenden Zügen durch Kontakte an den Schienen.

25 Kilometer Schienen und 33 Weichen

Die Gleisarbeiten im Bereich Göttingen haben Ende August begonnen und sollen auf dem gesamten Abschnitt bis Hannover bis zum 8. Dezember andauern – auch über Nacht. Wenn die Signale zu diesen Zeiten seltener ertönen, hat das einen simplen Grund: Es fahren weniger Züge.

Im Abstand von 30 Metern sind die Signalhörner am Gleis positioniert. Christina Hinzmann

 

In Göttingen sollen die Arbeiten großteils um den 18. September abgeschlossen sein. Allerdings werde es dann bis in den November hinein weiterhin „immer wieder tageweise zu lärmintensiven Arbeiten kommen“, sagte Meyer-Lovis.

In der gesamten Projektzeit werden nach weiteren Angaben der DB Regio Gleise sowie Leit- und Sicherungsanlagen auf einer Streckenlänge von 25 Kilometern erneuert – außerdem 33 Weichen. Die Strecke werde – je nach Bauablauf – teilweise beziehungsweise komplett gesperrt. Vom 1. bis 7. November sei eine Vollsperrung vorgesehen.

Geänderter Fahrplan

Entsprechende Fahrplanänderungen seien in den elektronischen Auskunfts- und Buchungssystemen hinterlegt. In diesem Zuge würden auch Züge des Fernverkehrs teilweise umgeleitet. Die Fahrpläne im Nahverkehr der DB Regio während der Bauarbeiten sind online unter gturl.de/DBFahrplan abrufbar.

Von Ulrich Schubert

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