Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Klima-Demo der Göttinger Schüler kann Verkehr am Morgen behindern
Die Region Göttingen Klima-Demo der Göttinger Schüler kann Verkehr am Morgen behindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:04 15.03.2019
Viele Schüler beteiligen sich bereits an den „Fridays for future"-Demonstration in Göttingen. Quelle: R
Göttingen

Ausgelöst wurde die Bewegung durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg. Die Schülerin sitzt seit August vergangenen Jahres mindestens einmal in der Woche mit ihrem Pappschild vor dem Parlamentsgebäude in Stockholm, um die Regierung aufzufordern, sich konsequenter für den Klimaschutz einzusetzen. Einer von den vielen Millionen Menschen, die das engagierte Mädchen mit ihrer Botschaft erreicht hat, ist Linus Steinmetz. Der Schüler des Göttinger Hainberg-Gymnasiums (HG), ein Jahr jünger als die Schwedin mit den langen Zöpfen, ist wie sie überzeugter Klimaschutzaktivist.

Linus Steinmetz Quelle: r

Momentan investiert er mindestens drei Stunden pro Tag für die Initiative – zusätzlich zur Schulzeit. Mittlerweile sei er nicht mehr nur in Göttingen sondern auch auf Bundesebene und sogar international aktiv. Und was motiviert ihn und seine Mitstreiter, sich derart intensiv für den Schutz der Umwelt einzusetzen?

„Ich hatte schon lange das Gefühl, dass meine Stimme nicht wirklich gehört wird. Obwohl ich mich schon länger engagiert habe“, sagt Linus. Wie er hätten sich viele seiner Altersklasse einfach machtlos gefühlt. Mit dem Schulstreik hätten sie jetzt endlich einen Weg gefunden, sich Gehör zu verschaffen. „Das ist ein Format, mit dem wir den Erwachsenen zeigen können, was uns wichtig ist.“

Klimaschutz – „politisch nicht gewollt“

Und wenn Erwachsene, wie zuletzt FDP-Chef Christian Lindner, behaupten, Klimaschutz sei etwas für Profis, und Kinder sollten gefälligst in die Schule gehen, kontert Linus erstaunlich gelassen. „Was er bei seiner Aussage vergisst, ist, dass dieser Klimaschutz von Profis bisher nicht geklappt hat. Vor allem weil er politisch nicht gewollt ist.“ Niemand behaupte, dass die streikenden Schüler das Problem allein lösen könnten. Aber sie könnten die Politiker vielleicht dazu bewegen, den richtigen Weg einzuschlagen. Und tatsächlich haben die Schülerdemos den Klimaschutz vielerorts auf die Agenda gebracht. „Wir sind erfolgreich. Das motiviert“, sagt Linus.

Dem Vorwurf, die demonstrierenden Schüler seien eigentlich nur Schulschwänzer, tritt der Neuntklässler entgegen. Seiner Einschätzung nach würden die meisten Schüler gar nicht auf die Straßen gehen wollen. Aber immer mehr sähen sich dazu verpflichtet und würden sich politisch engagieren. Und dann fügt Linus einen Satz hinzu, der verantwortungsbewusste Erwachsene zusammenzucken lässt: „Es kann doch nicht sein, dass wir als Kinder und Jugendliche unsere Zukunft selber in die Hand nehmen müssen.“

Unterstützung von Erwachsenen

Trotz der mitklingenden Enttäuschung ist Linus auch dankbar, von einigen Erwachsenen bei seinem Engagement unterstützt zu werden. Nicht nur seine Eltern sondern auch seine Lehrer ließen ihm den nötigen Freiraum. Schulleitung und Kollegium des HG hätten sich bisher tolerant gegenüber den streikenden Schülern gezeigt. Und auch von den anderen Schulen habe es bei den jüngsten Streiks immer mehr Zulauf gegeben.

Seit Dezember waren die Göttinger Schüler mittlerweile fünfmal auf der Straße: viermal mit mehreren Hundert vor dem Neuen Rathaus und einmal mit etwa einhundert Mitreisenden in Berlin. Und die sechste Auflage soll etwas Besonderes werden. Erstmals ziehen die Schüler durch die Innenstadt – vom Bahnhof bis zum Rathaus. Linus hofft, dass aufgrund der aktuellen Aufmerksamkeit noch mehr Schüler als bisher dabei sein werden.

Wir sind die Generation, die es voll abbekommt

Greta Thunberg sagte einmal in einem Interview, sie habe Panik, wenn Sie an ihre Zukunft denke. Linus Steinmetz sagt dazu: „Ich kann das nachvollziehen. Wir sind die Generation, die es voll abbekommt.“ Aber aus dieser Angst entstehe genau die Energie, die bei den Schülerstreiks auf den Straßen in aller Welt zu spüren sei. Da sei Wut dabei, sagt er, aber auch viel positive Stimmung.

Abschließend redet Linus allen Unentschlossenen vor dem Friday for Future noch einmal ins Gewissen: „Kommt vorbei, egal ab Schule ist. Wenn wir es nicht machen, macht es keiner. Es ist dringend, und wir haben schon viel erreicht.“

Klimastreik erstmals als Laufdemo durch Göttingen

Der sechste „Friday for Future“ in Göttingen soll schon deshalb ein besonderer werden, weil hierfür erstmals eine „Laufdemonstration“ angemeldet wurde. Die Initiatoren beschreiben den geplanten Ablauf in einer Ankündigung so: „Die Demonstrierenden treffen sich zur Startkundgebung um 8 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Nach einer Zwischenkundgebung am Gänseliesel um 10 Uhr wird der Demonstrationszug um 12 Uhr am Neuen Rathaus ankommen.“

Verlauf der Demonstration „Fridays for Future“ am 15. März in Göttingen

. Quelle: Reyer

Die Göttinger Schülerin Pauline Giesbert legt wert darauf, dass es sich keineswegs um einen reinen Schülerprotest handelt: „Wir rufen alle Menschen dazu auf, mit uns zu demonstrieren“, betont sie. Die Demo werde zwar von Schülern sowie Studierenden organisiert. „Aber um unseren Planeten und unsere Zukunft zu retten, brauchen wir jede Unterstützung, unabhängig von Alter und Familienstand“, ruft Giesbert auf.

Demos in 1400 Orten und fast 100 Ländern

Weltweit werden am 15. März in mehr als 1400 Orten und annähernd 100 Ländern Klima-Demonstrationen erwartet. Es soll sich um den bislang größten internationalen Streik der Bewegung „Fridays for future“ handeln. In Deutschland werden sich die Streikenden schwerpunktmäßig mit der Verkehrswende beschäftigen.

„Die Stadt Göttingen hat zum Beispiel mit der Errichtung der Fahrradschnellstraßen bereits einiges für eine umweltfreundliche Stadt getan, auch wenn natürlich noch mehr möglich ist“, sagt Abiturientin Jessica Angermann. Deutschlandweit sehe es schlechter aus: „Die Nutzung von Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln muss attraktiver werden, Autofahren unbeliebter. Wir brauchen eine schnelle Verkehrswende“, formuliert Angermann ihre Forderung.

Unterstützung durch die Grünen

Unterstützung bekommen die Klimaschützer von den Göttinger Grünen: „Die jungen Menschen, die bei Fridays for Future auf die Straße gehen, zeigen nicht nur, dass die Jugend mutig und politisch ist, sie tragen auch zur Politisierung der gesamten Gesellschaft bei“, meint Marie Kollenrott, Mitglied im Stadtvorstand von Bündnis 90 / Die Grünen.

Am 15.03.19 streiken Kinder, Schüler*innen, Studierende, Eltern und Großeltern für unsere Zukunft. In Göttingen fangen...

Gepostet von Fridaysforfuture Göttingen am Dienstag, 12. März 2019
„Lange Zeit schien das Thema Klimaschutz von der politischen Agenda verschwunden. Das hat sich mit dem Engagement von Greta Thunberg und ihren Mitstreiterinnnen und Mitstreitern nun abrupt geändert“, findet Viola von Cramon, Sprecherin des Kreisvorstandes der Grünen und grüne Kandidatin für das Europäische Parlament.

Luisa Neubauer zu Gast bei Jürgen Trittin

Beide solidarisieren sich mit den angekündigten Demonstrationen – wie auch der grüne Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin. Er selbst hat die in Göttingen studierende Mitorganisatorin der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung, Luisa Neubauer, für kommenden Montag, 18. März, zu einer Podiumsdiskussion ins Junge Theater eingeladen, an der auch von Cramon und der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, teilnehmen sollen. Beginn ist um 19 Uhr (Eintritt frei). Trittin verweist auch auf die Online-Petition „Scientists for Future“, an der sich bisher 19000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt hätten.

Kontakt zum Autor:

m.riese@goettinger-tageblatt.de

facebook.com/riese.markus

Von Markus Scharf und Markus Riese

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In einem Trainingstruck haben die Schüler und Auszubildenden der BBS II den richtigen Umgang mit Gefahren am Arbeitsplatz gelernt. Der Truck der Berufsgenossenschaft Energie macht alle zwei Jahre Halt in Göttingen.

17.03.2019

Kreisrat Marcel Riethig hat für den Landkreis Göttingen die Fördervereinbarungen für zwölf Familienzentren Plus und ein Familienzentrum Basis an die Träger-Institutionen übergeben. Insgesamt werden 750 000 Euro investiert.

14.03.2019
Göttingen Fünf weitere Verhandlungstermine - Prozess um einbetonierte Leiche dauert länger

Der Prozess um den Mord an einer 74-jährigen Frau in Herzberg vor dem Landgericht Göttingen wird länger dauern als ursprünglich geplant. Ursprünglich sollte der Prozess Mitte April beendet sein.

14.03.2019