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Göttingen Unfassbares Leid wird spürbar
Die Region Göttingen Unfassbares Leid wird spürbar
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00:19 08.02.2018
Der Yola-Club des Jungen Theaters Göttingen zeigt Auszüge aus seinem Stück "Don Quijote". Quelle: Mischke
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Göttingen

Der Festsaal der Freien Waldorfschule Göttingen war am Montag Schauplatz des 3. Regionalen Schülertheatertreffens. Vier Schülergruppen bewarben sich mit Ausschnitten aus ihren Aufführungen um die Teilnahme am zentralen Abschlusstreffen im Juni in Osnabrück.

Nach dem Gymnasium Corvinianum Northeim, das „Die Queen, 2. Geburtstag“ aufführte und der IGS Bovenden, die ihr Stück „…bis zur letzten Überraschung“ zeigte, betreten rund 25 Mitglieder des Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) die Bühne im noch völlig abgedunkelten Theatersaal. „Entschuldigen sie bitte, dass wir ihnen ihre Zeit mit unseren Erinnerungen stehlen“, tönt eine Stimme aus dem Off.

Schicksal von Zwangsarbeitern

Ensemblemitglieder, die sich unter das Publikum gemischt haben, zitieren die Namen und entsetzlichen Schicksale von Zwangsarbeitern, die von 1939 bis 1945 aus ganz Europa nach Göttingen verschleppt worden waren. Das eindringliche Spiel der jungen Akteure, das überwiegend schummerige Licht und nicht zuletzt die teils selbst komponierte Musik lassen die Angst und das unfassbare Leid der Menschen unmittelbar spürbar werden.

Die tänzerische Choreographie sowie die ausgeprägte Mimik, mit der das Ensemble arbeitet, verstärken den verstörenden Eindruck. Mit großer emotionaler Tiefe haben sich die Teilnehmer des Kurses Darstellendes Spiel am THG dieses selbst gewählten Themas angenommen. Grundlage seien die Texte von Historikerin Dr. Cordula Tollmien, die im Jahr 2000 von der Stadt Göttingen den Auftrag erhielt, die Geschichte der NS-Zwangsarbeiter in der Stadt zu erforschen, erklärt Spielleiter Claus Schlegel.

Yola-Club des JT spielt Szenen aus Don Quijote

Der Yola-Club des Jungen Theaters Göttingen zeigt im Anschluss erste abgespeckte Szenen aus seinem Stück „DonQuijote“, das am 3. Juni im JT seine Premiere feiern wird. „Wir zeigen heute Auszüge einer unfertigen Version des Stückes, denn wir stecken ja noch mitten in den Proben“, berichtet Sascha Gebert, Leiter des Yola Clubs. Wegen der knapp bemessenen Spieldauer und des niedrigeren Aufwandes habe man auch die technischen Finessen für heute weggelassen.

Das Stück, das sich nur vage an die literarische Vorlage von Miguel de Cervantes hält, thematisiert die Kollision von Wahrheit und alternativen Fakten. Während die Rolle des Sancho Panza, Don Quijotes Schildknappen, von einem Darsteller besetzt ist, wird der „Ritter“ selbst von allen anderen Mimen dargestellt. Hier kehrt Gebert die um Geschichte um: „Was ist, wenn alle anderen an Realitätsverlust leiden und wie kann ich mich dagegen wehren?“

“Gute Engel“ des schuleigenen Theaters

Schülertheatertreffen

Bereits zum dritten Mal werde in Göttingen ein Regionaltreffen ausgerichtet, sagt Jutta Rehpenning, Vorstandsmitglied des veranstaltenden Fachverbands Schultheater/Darstellendes Spiel Niedersachsen EV.. Ihr besonderer Dank gilt Dr. Christoph Hecht, Schulleiter der Freien Waldorfschule Göttingen, sowie Tiziana Brodhun-Ardu, dem „guten Engel“ des schuleigenen Theaters für die geleistete Unterstützung.

Ohne die finanzielle Förderung durch die Stadt Göttingen sei diese Veranstaltung ebenfalls nicht zu stemmen, sagt Rehpenning. Insgesamt hätten sich bei 13 niedersächsischen Regionaltreffen 56 Gruppen angemeldet, die nun zur Auswahl für das zentrale Abschlusstreffen vom 4. bis zum 8. Juni in Osnabrück stehen. Die Entscheidungsfindung, welche zehn Theatergruppen eingeladen werden, geben die Beratungsgremien des Fachverbandes am 9. März in Hannover bekannt.

Von Christoph Mischke

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