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Göttingen Schulleiter Vogelsaenger geht in den Ruhestand
Die Region Göttingen Schulleiter Vogelsaenger geht in den Ruhestand
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00:20 28.06.2018
Wolfgang Vogelsaenger, Schulleiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, geht in den Ruhestand. Quelle: Christina Hinzmann
Geismar

Es ist das Bild eines Sechstklässlers, der mit seinen Cowboy- und Indianerfiguren im weitläufigen Foyer der Schule spielt, das sich bei Vogelsaenger festgesetzt hat. „Diese Szene hat mich überwältigt“, erinnert er sich an diesen ersten Eindruck, den er bei seinem ersten Besuch an der IGS gesammelt hat. Dass Lehrer und Mitschüler diesen Jungen gewähren ließen, versunken seinem Hobby nachzugehen, hat Vogelsaenger beeindruckt.

„Gegenseitiger Respekt“ und der „vernünftige Umgang“

An der Gesamtschule in einem „sozialen Brennpunkt“ Hannovers, an der Vogelsaenger zu der Zeit noch unterrichtete, wäre das nicht möglich gewesen. Es seien dieser „gegenseitige Respekt“ und der „vernünftige Umgang“, die die IGS auch heute noch prägten.

Interview mit Vogelsaenger: Faktoren einer guten Schule

Sein Vorgänger Peter Brammer hat Vogelsaenger an die IGS geholt. Die Idee entstand um das Jahr 2000. Zwei Jahre später beerbte Vogelsaenger Brammer. Schon da lagen mehr als 30 Jahre Schultätigkeit hinter Vogelsaenger.

Schon mit 19 gibt Vogelsaenger Unterricht

„Ich habe mit 19 angefangen zu unterrichten“, sagt Vogelsaenger. Nebenberuflich zwar, aber der Lehrermangel in den frühen 70er-Jahren habe es möglich gemacht, erinnert er sich. Morgens gab er Unterricht an einer Grundschule, nachmittags widmete er sich seinem Germanistik- und Geschichtsstudium, das er dann in nur sieben Semestern – „das Geld war knapp“ – zu Ende brachte. Lange Jahre war Vogelsaenger dann als Lehrer an Gymnasien tätig. Für fünf Jahre in dieser Zeit war er in Sachen Lehrerfortbildung unterwegs, tingelte mit dem Lesebus der Stiftung Lesen durchs Land. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich Vogelsaenger. Ihn zog es dennoch wieder an die Schule.

„Ich konnte ein paar Sahnehäubchen setzen“

Als Vogelsaenger an die IGS kam, übernahm er nicht nur ein motiviertes Team von Lehrern und Mitarbeitern, sondern auch eine gut funktionierende Schule, deren pädagogisches Konzept „in dieser Gesamtheit“ in Göttingen und bundesweit immer noch „einzigartig“ sei. Umkrempeln musste Vogelsaenger hier nichts. „Ich konnte ein paar Sahnehäubchen setzen“, sagt er. Dazu gehören etwa das Kino, die Theaterprojekte und die Musikklassen, die Aufnahme als „MINT“-Schule oder die Ausstattung der Schule mit WLAN-Netz und iPads.

Das Problem mit zehn Jahren CDU-Landesregierung

In zehn Jahren mit einer CDU-Landesregierung habe er nicht „viel bewirken können“, schildert Vogelsaenger die Zeit zwischen 2003 und 2013. Er erinnert an die Diskussionen um G8 und G9. Außerdem seien in der Zeit 15 Prozent der Lehrerstunden an der IGS gestrichen worden. „Die sind immer noch weg“, sagt Vogelsaenger.

Ansinnen der Verwaltung

Tanja Laspe tritt Vogelsaengers Nachfolge an. Sie werde sich gegen das Ansinnen der Verwaltung wehren müssen, an der IGS eine zusätzliche Klasse pro Jahrgang einzurichten, sagt Vogelsaenger voraus. Diese würde das System von sogenannten Clustern mit sechs Klassen in den Jahrgängen fünf bis zehn sprengen. Hier müsse sich die Stadt ein anderes Konzept überlegen. Auch müsse sich Laspe auf „Hürden“ einrichten, die Juristen in Stadtverwaltung und Kultusministerium immer wieder aufbauten, sagt Vogelsaenger.

„Man muss widerborstig sein“

Das Aufmüpfige hat der Pädagoge nie abgelegt: sei es etwa bei der Rückgabe des Landespreises für Digitalisierung aus Protest oder der Alleingang bei den Schulanmeldungen, der Vogelsaenger zum Schluss noch ein Disziplinarverfahren eingehandelt hat. „Man muss widerborstig sein“, sagt er.

Wenn Vogelsaenger am Dienstag die Leitung der Schule in Laspes Hände gibt und er nach 47 Jahren als Lehrer in den Ruhestand geht, fällt ihm das nicht leicht. Doch so ganz lässt er nicht vom Schulleben: Er wird weiterhin als Berater für eine Schule im österreichischen Vorarlberg tätig sein. Und dann ist da noch das Gewächshaus in Vogelsaengers Garage in Groß Lengden. „Das wartet schon seit Jahren darauf, aufgebaut zu werden.“

Von Michael Brakemeier

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