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Göttingen Schutz für Göttinger Wald umstritten
Die Region Göttingen Schutz für Göttinger Wald umstritten
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00:29 26.05.2018
Der Göttinger Wald: Ein Gebiet mit normalen Nutzflächen und schützenwerten Besonderheiten. Quelle: Foto: Hinzmann
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Göttingen

Nächste Woche sollen die Umweltpolitiker des Rates entscheiden, wie sie weite Teile des städtischen Waldes einstufen, um Vorgaben der EU umzusetzen. An diesem Mittwoch haben sie dazu erstmals Fachleute aus verschiedenen Interessenlagern befragt.

Die Zeit drängt: Bis zum Jahresende muss die Stadt den als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) 138 ausgewiesenen Göttinger Wald formalrechtlich unter Schutz stellen. Hintergrund: Die Europäische Union baut seit 1992 ein Schutzgebietsnetz auf, um wildlebende Pflanzen- und Tierarten sowie ihre natürlichen Lebensräume zu schützen. Der Göttinger Wald gehört dazu, weil sich hier mehrere schützenswerte Arten und Lebensräume finden. Der geforderte schutz ist zurzeit nur für das Kerstlingeröder gegeben. Andere bereits ausgewiese Naturschutzbereiche müssen konkretisiert werden.

Bratental als Naturschutzgebiet erhalten

Nach den Vorstellungen der Göttinger Stadtverwaltung soll das Bratental in seinen vorhandenen Grenzen als Naturschutzgebiet (NSG) erhalten und an die FFH-Erhaltungsziele angepasst werden. Für die übrigen Teile des FFH-Gebiets 138 sieht sie einen Landschaftsschutz (LSG) vor. Dabei würden nur für die besonders schützenswerten Bereiche sehr strenge Vorgaben gelten, die nahezu jede Veränderung verbieten. Bei einem Naturschutzgebiet hingegen würden diese für den gesamten Wald gelten.

Umweltdezernent Thomas Dienberg sieht den Verwaltungsvorschlag als einen Kompromiss zwischen allen Belangen. „Dabei haben wir von Beginn an die Bewirtschafter des Waldes einbezogen“, versicherte er, „sie müssen das Gebiet am Ende mit Leben füllen“. Zugleich werde der bestehende Schutz nicht aufgeweicht.

Das sehen Göttinger Naturschützer anders: „Ein NSG ist eindeutig besser geeignet, die hier vorkommenden Besonderheiten effektiv und nachhaltig zu schützen“, erklärte Ralph Mederake vom Bund für Umwelt und Naturschutz stellvertretend für mehrere Umweltverbände. Und: „Es kann keinen Konsens auf Kosten des Arten- und Biotopschutzes geben.“

Beweidung für Naturschutz

Gerade um einige Besonderheiten in der Natur des Göttinger Waldes zu erhalten sei es wichtig, dass auch Landwirte ihre Arbeit wie bisher fortsetzen können, konterte für diese Gruppe der Geschäftsführer des Göttinger Landvolks, Achim Hübner. Erst mit ihrer gezielten Weidehaltung unter strengen Auflagen könnten Magerrasen-Flächen überhaupt erhalten bleiben. Müsste sie in einem NSG noch strengere Auflagen erfüllen, werde es schwer, Landwirte für die bisher erfolgreiche Bewirtschaftung in den Schutzgebieten zu finden.

Eine Einschätzung, die Ute Grothey vom Göttinger Landschaftspflegeverband teilte. Er berät Landwirte wie Kommunen und organisiert naturverträgliche Bewirtschaftungen einschließlich Entschädigungsgeld für die Bauern. Waldbewirtschafter sehen das ähnlich. In einem NSG müsste die Forstwirtschaft hinter dem Naturschutz deutlich zurücktreten – dann aber im gesamten Gebiet, warnte der Chef des staatlichen Forstamtes Reinhausen, Axel Pampe.

Der Göttinger Wald ist einer der größten sogenannten Waldmeister-Buchenwäldern in Niedersachsen. Hier finden sich außerdem orchideenreicher Kalktrockenrasen, artenreiche Blumenwiesen und vereinzelt auch Eichenbestand. Arten wie der Kamm-Molch, Fledermäuse wie das große Mausohr und immer mehr Wildkatzen haben hier ihr Zuhause.

Von Ulrich Schubert

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