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Göttingen Schutzstatus gestrichen
Die Region Göttingen Schutzstatus gestrichen
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14:12 30.12.2009
Bereits gefällt: die einst stattliche Kaiser-Eiche in Scheden. Quelle: Mischke
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Jetzt will der Landkreis Göttingen neu festlegen, welche Naturdenkmale tatsächlich einen gesetzlichen Schutz verdienen. Bisher umfasst die Liste etwa 220 Denkmale. Künftig sollen es nur noch 67 sein – und ausschließlich Bäume oder Baumgruppen. 17 davon sind neu erfasst und erstmals aufgenommen. 151 Naturdenkmale will die Verwaltung aus ihrer Liste streichen. Hauptgrund: Es gibt sie schlicht nicht mehr oder sie sind keine natürlichen Denkmale. Das Tageblatt stellt alle alten und neuen Naturdenkmale auch im Internetportal Wiki-Göttingen vor.

Es gibt Orte und Bäume, die würde jeder sofort als Naturwunder oder Naturschönheit bezeichnen. Die „Dicke Eiche“ in Groß Schneen ist so ein Baum: Mit 300 bis 400 Jahren die älteste Eiche im Kreisgebiet, mit einem Stammdurchmesser von über 2,5 Meter und ihrem ungewöhnlich breiten Wurzelanlauf einer der stärksten Bäume Niedersachsens. Und sie ist als „1000-jährige Eiche“ als Wahrzeichen von Groß Schneen bekannt. Natürlich ist diese Eiche als Nummer 150501 in der Liste der Naturdenkmale erfasst.
Nicht sofort als Naturdenkmal erkennbar ist hingegen eine Gruppe von zehn Roterlen auf der Ebergötzer Vogelwiese. Sie haben nur einen Durchmesser von 20 bis 45 Zentimeter und sind vermutlich kaum älter als 50 Jahre. Aber: Es sind Stockausschläge aus einem etwa 100-jährigen Stubben, die zusammen an der schmalsten Stelle einen Umfang von einem Meter bilden und darüber einen auffälligen und imposanten Baum, der sich von anderen seiner Art abhebt. Die Kreisverwaltung will diese Roterlen als Nummer 200101 neu in die Liste der Naturdenkmale aufnehmen.

Diese Liste ist seit Jahrzehnten unverändert. Längst haben aber Stürme, Blitze und der oft zitierte „Zahn der Zeit“ an den Bäumen genagt. Folge: Viele von gibt es gar nicht mehr – wie zum Beispiel die Frühstückseiche in Adelebsen oder die Lutherlinde in Bremke. Viele wurden durch Blitze so stark beschädigt, dass sie nicht mehr zu halten waren. Die Drei-Kaiser-Eiche in Scheden ist so eine. Sie wurde in ihren gut 120 Lebensjahren gleich mehrmals getroffen, war schließlich nicht mehr standsicher und wurde gerade erst gefällt. Bei anderen Naturdenkmalen haben die Fachleute festgestellt, dass sie gar nichts Besonderes sind – zum Beispiel eine gemischte Baumgruppe auf einem kleinen Wall in Gerblingerode.

Die Liste soll aber auch echte Naturschöpfungen beschränkt werden. Das heißt: Alle von Menschen geschaffenen Objekte und Anlagen werden ebenfalls gestrichen. Dazu zählen ein Altarstein bei Dransfeld, Hügelgräber bei Desingerode oder die Wallanlagen in Duderstadt. Das Wasser der Negenborn-Quelle bei Gelliehausen kommt zwar ganz natürlich aus den Felsen heraus, die Anlage ist aber längst von Menschenhand „gefasst“ und nicht mehr „naturnah“.

Hurkutstein „entlassen“

Aus der Liste gestrichen werden sollen auch Felsformationen wie der Steinerne Stuhl bei Bonaforth und der Ringwall Kring bei Oberode. Überraschen dürfte viele, dass der legendäre Hurkutstein im Wald bei Bremke als Naturdenkmal „entlassen wird“. Denn die denkwürdigen Auskerbungen in der Felsspalte haben keinen natürlichen Ursprung.
Schutzlos sind Hurkutstein, Hügelgräber oder viele der herausgenommen Bäume und Baumgruppen allerdings nicht: Sie fallen als so genannte Kulturdenkmale, besondere Feuchtbiotope oder als Bestandteile einer besonderen Landschaft schon vorher oder künftig unter andere Schutzparagrafen des niedersächsischen Naturschutzgesetzes. Doppellisten will die Kreisverwaltung vermeiden.
Ob die neue und verkürzte Liste mit Naturdenkmalen geltendes Recht wird, entscheidet sich aber erst in etwa einem Jahr. Zunächst werden auf Beschluss des Kreistages alle betroffenen Gemeinden und Grundstücksbesitzer informiert und können ihre Stellungnahme abgeben.

Alle Naturdenkmale sind im Internet unter www.wiki-goettingen.de, „Naturdenkmale“.

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