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Göttingen Streit schlichten ist Schwitters Leidenschaft
Die Region Göttingen Streit schlichten ist Schwitters Leidenschaft
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00:34 22.04.2018
Als Schiedsmann schlichtet Gunther Schwitters vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten. Quelle: Swen Pförtner
Bovenden

Denn Schwitters ist nicht nur Schiedsmann in Bovenden, sondern auch Vorsitzender der Bezirksvereinigung Göttingen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). In Bilshausen leitet er die Tagung der Bezirksvereinigung am Sonnabend, 21. April.

Doch wie wird man überhaupt Schiedsmann oder -frau? „Das Schiedsamt ist ein öffentliches Ehrenamt, in das der Schiedsmann vom Gemeinderat gewählt und anschließend vom Amtsgericht verpflichtet wird“, erklärt Schwitters. In Schlichtungsverfahren versuche er, Streitigkeiten beispielsweise zwischen Nachbarn zu klären, sodass die Streitparteien nicht vor Gericht gehen müssen. Aber auch bei Hausfriedensbruch, Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung, Verletzung des Briefgeheimnisses, vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung, Bedrohung oder Sachbeschädigung aus dem weiten Feld der Strafsachen kann ein Schiedsmann schlichtend verhandeln.

Schiedsmann Schwitters: „Zuhören ist ganz wichtig“

„Wir sprechen keinen Schiedsspruch, die Parteien müssen sich auf einen Vergleich einigen“, erklärt Schwitters seine Arbeit. Dabei stehe er beratend zur Seite und höre sich beide Seiten an. „Zuhören ist ganz wichtig“, so Schwitters. Im Optimalfall rede er so lange mit den Menschen, bis sie einen Kompromiss finden. „Der Vergleich ist dann rechtsbindend für 30 Jahre“, so Schwitters. Wer sich also im Vergleich darauf einigt, dass der störende Baum immer bis auf eine gewisse Größe gekürzt werden muss, muss sich die nächsten 30 Jahre auch daran halten.

Einen Fall, an den Schwitters sich noch nach Jahren erinnert, hatte er mit zwei miteinander befreundeten Kleingärtnern. Die hätten sich wegen einer Kleinigkeit so zerstritten, dass einer von beiden zu ihm gekommen sei. Im Schlichtungsverfahren hätten beide dann nicht mal miteinander reden wollen. „Da bin ich dann ausnahmsweise mal ein bisschen lauter geworden und haben die beiden auf den Pott gesetzt, ob sie sich nicht einfach vertragen können“, sagt er. Das Ergebnis: Sie vertrugen sich und gingen nicht vor Gericht. „Hinterher haben sie mich zum Bier eingeladen“, sagt Schwitters.

Dass es unter Menschen und vor allem Nachbarn friedlich zugeht, ist dem Schiedsmann ein wichtiges Anliegen. „Wenn man einen Vergleich erreicht hat, ist das der Lohn für die Arbeit“, sagt der Schiedsmann. Rund 15 Schlichtungsverfahren hätte er vergangenes Jahr gehabt, jeder Fall beschäftige ihn etwa vier bis fünf Stunden. Die Streitparteien koste das Schlichtungsverfahren im Gegensatz zu Gerichtsverfahren wenig – nur selten mehr als 50 Euro.

Bei Nachbarschaftsstreit zum Schiedsamt

Jede Gemeinde in Niedersachsen brauche ein Schiedsamt, so Schwitters. Durch das „Schlichtungsgesetz“ müssten die Menschen bei Nachbarschaftsstreit zum Schiedsamt in ein Schlichtungsverfahren, bevor sie zum Gericht könnten. „60 bis 70 Prozent der Fälle lösen wir in Deutschland im Schiedsamt.“

Voraussetzungen müsse man nicht mitbringen, um Schiedsmann zu werden, erklärt der gelernte Maschinenbauer, der mittlerweile in Rente ist. Die Schiedsmänner würden nach ihrer Wahl unter anderem in Nachbarschaftsrecht, Strafrecht und Mediation geschult und auch während ihrer Amtszeit immer wieder fortgebildet. So unter anderem auch bei der Bezirkstagung am kommenden Sonnabend, wo Schwitters für die Mitglieder – 66 Schiedsmänner und -frauen gibt es im Bezirk Göttingen – einen Vortrag über Kosten und Auslagen im Schiedsamt halten wird.

Es wird wohl nicht sein letzter Vortrag als Schiedsmann sein: Bereits mit 35 Jahren hat er als Schiedsmann angefangen, damals noch in Osterode. „Nächstes Jahr will ich mich nochmal für eine Periode widerwählen lassen“, sagt der 74-Jährige. Eine Amtszeit geht fünf Jahre. Ein paar Nachbarschaftsstreits kommen noch auf ihn zu.

Von Hannah Scheiwe

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