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Göttingen Selbstversuch: Segelfliegen in Witzenhausen
Die Region Göttingen Selbstversuch: Segelfliegen in Witzenhausen
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17:26 18.07.2013
Vor dem Start auf dem Gelände des Luftsportvereins Witzenhausen: Segelflugzeug (hinten) und das motorisierte Schleppflugzeug mit Pilot Uwe Bokelmann. Quelle: Pförtner
Witzenhausen

Und heute, beim Fliegerlager des LSV Witzenhausen, will ich endlich einmal segelfliegen. Flugschüler Christoph Heise hilft mir, den Fallschirm ordentlich anzulegen. Damit ich keinen Sonnenstich bekomme, holt Meder den „Gasthut“ aus dem Flieger. Auch an eine Sonnenbrille habe ich nicht gedacht, Christoph Heise leiht mir kurzerhand seine. So „verpackt“ steige ich ins Flugzeug ein und lasse mich in den „Rücksitz“ hineingleiten.

Es ist der Twin „Schloss Berlepsch“, ein doppelsitziges Segelflugzeug zur Schulung und für den Streckenflug. Wie im Auto muss ich mich anschnallen. Der Unterschied: Es funktioniert nicht mit einem Klick, fünf Gurte wollen befestigt werden. Pilot Meder hat vor mir Platz genommen. Bis zum Start hat Fabian Moch noch Zeit, mir die Armaturen mit Variometer, Fahrt- und Höhenmesser sowie einem Kompass zu erklären. Dass der Flugplatz 213 Meter hoch liegt, ist auf dem Höhenmesser zu sehen. Ich bin gespannt, wie hoch wir steigen.

Mit einem Ruck geht es los

Das Seil vom Schleppflugzeug ist eingeklinkt. Per Funk gibt Meder das Okay an den Schlepppiloten Uwe Bokelmann. Der startet den Motorflieger, die Schnur wird immer länger – bis 50 Meter – dann geht es los mit einem sanften Ruck. Immer schneller rollen wir über den Flugplatz, das Gespann rast, dann heben wir ab. Kaum zu glauben: Ich fliege. „Alles klar?“, fragt Meder. Alles bestens. Und immer höher zieht uns der Schlepper.

Was eben noch richtige Bäume waren, sieht nun aus wie auf einer Modelleisenbahn. Die Häuser von Witzenhausen schrumpfen. Der Höhenmesser zeigt 500 Meter. Das Schleppflugzeug zieht uns weiter in die Höhe. Und dann klinkt Meder das Schleppseil aus. Es geht auf Schlössertour mit Schloss Berlepsch sowie den Burgen Ludwigstein und Hanstein.

Tageblatt-Mitarbeiterin Ute Lawrenz ist im Selbsversuch in die Luft gegangen - auf dem Flugplatz Witzenhausen mit Segelflieger Thomas Meder.

Immer höher „kurbelt“ er das Flugzeug

Schon als ich auf dem Flugplatz angekommen war, hieß es, die Thermik sei heute super. Meder nutzt das weidlich aus. Immer höher „kurbelt“ er das Flugzeug in engen Kreisen – bis auf 1300 Meter Höhe. Ein anderes Vereinsflugzeug zieht an uns vorbei. Per Funk verständigen sich die Piloten, wir kommen uns nah und trennen uns wieder. In einem sind sich alle einig: An diesem Tag könnte man ewig fliegen. Doch auch wir müssen leider irgendwann wieder festen Boden unter die Füße bekommen.

Der Flugplatz wächst, rückt in greifbare Nähe. Eindrucksvoll spürt man die gigantische Thermik, fast als wolle das Flugzeug nicht wieder nach unten. Doch irgendwann ist es doch so weit: Ganz sanft setzen die Räder des Fliegers auf. Ich spüre das Rollen, die Erde hat mich wieder. Und auch ich habe den Fallschirm nicht gebraucht.

Anstrengungen, um Kosten niedrig zu halten

Tim hat schon auf uns gewartet und hilft, wo er mit 13 Jahren helfen kann. Mit einem Freund sei er einmal zum Flugplatz gekommen, der LSV-Vorsitzende Christoph Eiche habe ihn auf einen Rundflug mitgenommen. Nun zeltet Tim mit beim Fliegerlager, das noch bis Sonnabend, 27. Juli, dauert. Erst in einem Jahr darf er beim Schnupperkurs dabei sein. Doch schon jetzt weiß er gut Bescheid auf dem Flugplatz.

„Die Vereine unternehmen unheimliche Anstrengungen, um die Kosten niedrig zu halten“, hebt Fluglehrer Günther Grundmann hervor. Nur, wenn jeder mit anfasse, sei das Fliegen als Breitensport für viele finanzierbar. Auch der Fluglehrer bringt seinen Einsatz ehrenamtlich und kümmert sich mit um die Flugschüler beim LSV.

lsv-witzenhausen.de

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