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Göttingen Semesterstart der Universität des dritten Lebensalters
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01:01 15.10.2018
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Zentralen Kustodie in Göttingen: Historiker Christian Vogel. Quelle: Michael Caspar
Göttingen

Über das Forum Wissen sprach Historiker Christian Vogel bei der Semesterauftakt-Veranstaltung der Göttinger Universität des dritten Lebensalters. 100 Senioren folgten seinen Ausführungen.

„75 Sammlungen mit zusammen mehreren Millionen Objekten unterhält die Universität Göttingen an 30 Standorten“, berichtete Vogel. Er sei wissenschaftlicher Mitarbeiter der 2013 geschaffenen Zentralen Kustodie, die mit dem Erhalt und der Erschließung, der interdisziplinären Erforschung sowie der Präsentation der Sammlungen befasst sei.

2020, so der Historiker, werde mit dem Forum Wissen das neue Wissenschaftsmuseum im Gebäude der ehemaligen Zoologie am Göttinger Bahnhof eröffnet. Es sei nicht als Universitätsmuseum geplant, sondern solle zeigen, wie Wissenschaftler arbeiteten und welche Rolle dabei Sammlungen spielten.

Wissenschaftsverständnis der Aufklärung

„Die akademischen Sammlungen sind zusammen mit der 1737 gegründeten Universität entstanden“, führte Vogel aus. In ihren drücke sich das neue Wissenschaftsverständnis der Aufklärung aus. Anders als im Mittelalter hätten die Aufklärer ihr Wissen nicht aus alten Büchern, sondern aus der Beobachtung der Natur und aus Experimenten gewonnen. Dieser „Umschwung des Wissenschaftsverständnisses“ habe sich ausgehend von Großbritannien auf dem Kontinent vollzogen. Dabei sei Göttingen eine wichtige Rolle zugekommen. Die Stadt habe damals zum Kurfürstentum Hannover gehört, dessen Regent zugleich König von England gewesen sei.

Die Kunst- und Wunderkammern des deutschen Adels

„Die universitären Sammlungen haben nichts mit den Kunst- und Wunderkammern zu tun, die deutsche Fürsten sich seit dem 15. Jahrhundert aus Prestigegründungen aufgebaut haben“, betonte der Historiker. Anders als der Adel hätten die Wissenschaftler nicht das Ungewöhnliche, Seltene und Kuriose, sondern das Alltägliche und wissenschaftlich Wertvolle zusammengetragen.

„1773 entstand das Königlich-Academische Museum“, berichtete Vogel. Den Grundstock habe die Sammlung von Prof. Christian Wilhelm Büttner gebildet, der in Göttingen den ersten Lehrstuhl für Naturwissenschaften innegehabt hätte. Der Universalgelehrte Büttner habe nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch Münzen gesammelt.

„Im 19. Jahrhundert professionalisierte sich die Wissenschaft“, verriet der Historiker seinem Publikum. Die Professoren seien nun von der Hochschule angestellt worden und hätten nicht mehr von studentischen Eintrittsgeldern zu ihren Vorlesungen leben müssen. Die Spezialisierung sei fortgeschritten. Das Konzept eines Museums für alle Fakultäten habe sich überlebt. Die einzelnen Fächer hätten ihre Sammlungsbestände in eigene Regie übernommen.

Professur für die Materialität des Wissens

„Heute wollen wir einzelne exemplarische Objekte wieder in einem gemeinsamen Museum zusammenführen“, kündigte Vogel an. Im Forum Wissen werde dabei nicht nur ausgestellt, sondern auch geforscht und gelehrt. Eine eigene Professur für die Materialität des Wissens sei entstanden.

Von Michael Caspar

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