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20:37 19.09.2017
Thomas Oppermann und Sigmar Gabriel im Keller des Deutschen Theaters. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Es sind noch fünf Tage bis zur Wahl. Entsprechend geschlossen sind die Reihen der Sozialdemokraten. Zudem elektrisiert die Aussicht, über die drängenden weltpolitischen Fragen diskutieren zu können – und das mit dem Mann, der die außenpolitischen Geschicke dieses Landes lenkt. Sigmar Gabriel kommt, obwohl sein Wahlkreis doch eigentlich nur wenige Kilometer entfernt liegt, aus einer anderen Welt nach Göttingen. Und eigentlich müsste er auch schon in einer anderen Welt sein – in den Vereinigten Staaten bei der UN Generalversammlung.

Und während US-Präsident Donald Trump dort Nordkorea mit Vernichtung droht und die Vereinten Nationen wegen ihrer mangelnden Durchsetzungsfähigkeit kritisiert, sagt Sigmar Gabriel im Keller des Deutschen Theaters: „Ich bin heute lieber in Göttingen als in New York.“ Dort treffe man auch auf Menschen, denen man nicht gerne begegnet. Das scheint in Südniedersachsen völlig anders. Und in Richtung der vor der Tür des gefüllten Kellers wartenden Besucher hat Deutschlands Chefdiplomat einen Vorschlag, wie sie ihn doch noch als Außenminister erleben könnten. „Sie sorgen am Sonntag dafür, dass wir an der Regierung bleiben, und ich verspreche dann noch mal wiederzukommen.“

Inhaltlich streift der Abend nahezu alle Konfliktherde der Erde: Nordkorea, den nahen Osten, die Ukraine, Ruanda, Syrien, Türkei, Irak. „Die Welt ist in einer schwierigen Verfassung“, betont Gabriel. Und er sei sich nicht sicher, ob seine Töchter in ähnlich friedlichen Zeiten leben werden, wie es ihm vergönnt gewesen sei. Auf allen Kontinenten werde derzeit über Aufrüstung diskutiert. Und auch in Deutschland scheine man die Fehler des Kalten Krieges wiederholen zu wollen. Gabriel geißelt die Aussage der Bundeskanzlerin, den Verteidigungsetat auf 70 Milliarden Euro jährlich aufstocken zu wollen und so den Forderungen Trumps nachzugeben.

„Wir gehen in eine Phase der konventionellen und nuklearen Aufrüstung ohne auch nur darüber nachzudenken, dass das Gegenteil richtig wäre.“ Deutschland müsse eine Friedensmacht bleiben. Anhaltender Applaus. Diese Forderung sei für ihn der wichtigste Punkt im Wahlkampf, sagt der Außenminister. Gabriel sieht sich in der Tradition Helmut Schmidts und zitiert: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen.“

Auf die Waffenexporte Deutschlands und die Beteiligung an UN-Einsätzen angesprochen entgegnet Gabriel allerdings, dass es Situationen gebe, bei denen eine militärische Intervention unumgänglich sei. „Man sollte sich allerdings der Schuldhaftigkeit des eigenen Handelns stets bewusst sein.“ Das gelte auch bei der Kontakten zu Diktatoren und Nichtdemokraten. „Wenn Sie als Außenminister nur mit Demokraten reden, ist ihr Aktionsradius nicht wirklich groß“, erklärt er. Außenpolitik sei ein Aufgabenfeld, bei dem man sich nicht sicher sein könne, ob die richtige Entscheidung wirklich richtig war.

Ein Abend mit dem Außenminister kommt nicht ohne das Thema Europa aus. Und auch hier haben Oppermann und Gabriel eine deutlich zur CDU abgegrenzte Position. So dürfe man beispielsweise nicht die ausgestreckte Hand des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron mit dem erhobenen Zeigefinger des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble beantworten, sagt Gabriel und fordert: „Wir werden viel mehr in die Europäische Union investieren müssen. In eine Union, die mit einer Stimme in der Welt auftreten müsse. Dann fliegt er weiter – von der SPD-Wahlkampfveranstaltung zur UN-Generalversammlung.

Von Markus Scharf

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