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Göttingen So gefährlich ist Autofahren unter Alkoholeinfluss
Die Region Göttingen So gefährlich ist Autofahren unter Alkoholeinfluss
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06:45 04.12.2018
Dieter Jonescheit vom BADS betreut einen Berufsschüler im Simulator. Quelle: Hinzmann
Göttingen

„Sie sind heute durch den größten Tatort der Bundesrepublik hergekommen“, leitet Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen, seien Vortrag vor den Berufsschülern ein. Er bezieht sich auf die 3200 Verkehrstoten, die es in Deutschland im vergangenen Jahr gab. Die größte Risikogruppe sind dabei Fahranfänger. Um junge Autofahrer über die Gefahren des Straßenverkehrs aufzuklären, hat der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) zusammen mit der Polizeiinspektion Göttingen in der Gewerbeschule BBS II eine Präventionsveranstaltung organisiert. Zu diesem Zweck wurde in der Eingangshalle ein Simulator für das Fahren unter Alkoholeinfluss aufgebaut.

„Verkehrsunfälle passieren nicht, sie werden verursacht“, so Arnecke. Neben überhöhter Geschwindigkeit seien Ablenkung, sowie Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss die größten Risikofaktoren. Wie sehr ein erhöhter Blutalkoholwert die Fahrtüchtigkeit einschränkt, konnten die Berufsschüler im Simulator des BADS selbst erleben. Bei diesem handelte es sich um einen mit einem Kleinwagen vernetzten Computer. Das Fahrgeschehen wurde auf eine Leinwand vor dem Simulator projiziert. Auf diese Art konnten die Insassen fahren, ohne das Gebäude verlassen zu müssen.

Die Präventionsaktion an der BBSII. Quelle: Christina Hinzmann

Das besondere am Simulator war jedoch, dass dieser bestimmte Blutalkoholwerte simulieren konnte. So musste der Fahrer beispielsweise mit einem eingeschränkten Sichtfeld oder einer verzögerten Bremswirkung zurechtkommen. Schnell merkten die teilnehmenden Schüler, wie schwierig es ist, das Auto unter Kontrolle zu behalten. Nicht selten endeten ihre Fahrten mit einem virtuellen Unfall. Den Jugendlichen wurde schnell klar, wie sehr Alkohol ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Nach der Fahrt im Simulator folgte ein Vortrag von Jörg Arnecke und Oliver Jitschin, Ermittlungsrichter am Amtsgericht Göttingen.

Ein weiteres, stark zunehmendes Problem im Straßenverkehr sei das Smartphone. Telefonieren am Steuer sei wie Fahren mit 0,8 Promille, Nachrichten schreiben wie mit 1,1 Promille, sagte Jitschin. Immer häufiger würden Retter und Polizei zu Verkehrsunfällen gerufen, bei denen sich die Unfallursache nur durch die Nutzung eines Smartphones erklären lasse. Bei nur einer Sekunde mit den Augen auf dem Display fährt man bei 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter blind. „Handy-Unfälle entwickeln sich zum Killer Nummer eins“, so Arnecke.

Die Präventionsaktion an der BBSII. Quelle: Christina Hinzmann

Welche Folgen Alkohol, Drogen oder Ablenkung am Steuer haben könnten, wurde den Berufsschülern durch Unfallbeispiele vor Augen geführt. Besonders über Geschichten hinter den vielen Kreuzen an Landstraßen des Göttinger Umlands zeigten sich die Berufsschüler sichtlich bestürzt. Von einem tödlichen Verkehrsunfall seien nicht nur die unmittelbaren Opfer betroffen: Auch Angehörige, Ersthelfer und Zeugen würden oft sehr lange unter dem Geschehenen leiden, erzählte Arnecke. Überlebende hätten oft ihr restliches Leben mit den körperlichen und psychischen Folgen zu kämpfen. So könne jeder Unfall dutzende weitere Betroffene haben.

Als Gespann sind Jitschin und Arnecke sind seit fünf Jahren im Bereich Unfallprävention engagiert. Im vergangenen Jahr haben etwa 2100 Fahranfänger an ihren Veranstaltungen teilgenommen. Das Projekt an die BBS II geholt hat Jennifer Winter, Mobilitätsbeauftragte der Schule. „Wir können nicht alle Teilnehmer erreichen, aber wenn wir bereits ein paar Unfälle verhindern können, war unsere Arbeit erfolgreich“, sagte Jitschin.

Sanktionen für alkoholisiertes Fahren

Seit 2007 gilt für Fahranfänger in der zweijährigen Probezeit und für Verkehrsteilnehmer unter 21 Jahren die „Null-Promillegrenze“. Bei einem Verstoß wird die Probezeit um zwei Jahre verlängert, außerdem muss ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro bezahlt und eine kostenpflichtige Nachschulung besucht werden.

Für die meisten Autofahrer gilt die „0,5-Promillegrenze“. Verursacht ein Autofahrer allerdings mit einem Blutalkoholwert von 0,3 Promille einen Unfall oder wird von der Polizei wegen auffälligem Fahrverhalten angehalten, kann auch das bereits als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Wird ein Autofahrer mit einem Blutalkoholwert von 0,5 bis 1,09 Promille und mehr angehalten, hat dies eine Geldbuße von 500 Euro, sowie zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot zur Folge.

Ab 1,1 Promille ist der Alkoholverstoß eine Straftat und wird mit Geld- oder Haftstrafe bis zu fünf Jahren geahndet, außerdem muss der Fahrer seinen Führerschein für sechs Monate bis fünf Jahre abgeben und erhält drei Punkte in Flensburg. Ab einem Blutalkoholwert von 1,6 Promille kommt zusätzlich noch eine verpflichtende medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) hinzu.

Von Max Brasch

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