Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Simulierter Chlorgasunfall im Freibad
Die Region Göttingen Simulierter Chlorgasunfall im Freibad
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 27.04.2018
Feuerwehrleute im Freibad im Brauweg: Übung für den Ernstfall eines Chlorgasaustritts. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Dichter weißer Qualm dringt aus dem Technikraum des 90 Jahre alten Freibades, Schwimmmeister Rolf Nietzold läuft mit Atemschutzmaske über die Wiese, Alarm schrillt. In dem kleinen Häuschen hinter ihm sind zwei seiner Kollegen verletzt worden, nur einer ist noch ansprechbar. Einige Meter weiter liegt ein junger Mann am Boden und bewegt sich nicht mehr.

Vor diesem Szenario stehen die jungen Rettungskräfte des Ausbildungszugs der Berufsfeuerwehr. Sie sind seit Anfang 2017 in der Ausbildung und beschäftigen sich seit 14 Tagen mit dem Thema gefährliche Stoffe und Güter, erklärt Ausbildungsleiter Eckhard Gerlitzki. Bis zum heutigen Einsatz seien die erlernten Bestandteile noch nie in Gänze abgerufen worden. „Es werden Fehler passieren, aber das ist normal, das ist Teil der Ausbildung.“

Chlorgas-Alarm im Freibad Brauweg

Wenig später laufen Frauen und Männer in Vollschutz-Anzügen über das Areal Freibades, wo üblicherweise Menschen mit deutlich weniger Bekleidung in der Sonne baden. Sie gehen nicht auf direktem Weg zur Einsatzstelle. „Wichtig bei Chlorgasunfällen ist, die Windrichtung zu beachten“, erklärt Nietzold, der jetzt ohne Maske entspannt am Rande der Übung steht und die Szenerie beobachtet. Sein Auftrag ist zunächst einmal erfüllt.

Eigentlich sorgt die Chlorgasanlage dafür, dass das Badewasser mit einer keimtötenden Substanz angereichert wird und Badende vor Bakterien beschützt werden. Hat eine der Gasflaschen allerdings ein Leck, wie im Übungsfall angenommen, wird es schnell für Menschen gefährlich. Anders als der zur Übung verwendete weiße Rauch ist Chlorgas schwerer als Luft und zieht als grüne Wolke mit dem Wind über den Boden. Schon kurzfristiges Einatmen des Gases kann schwere bis tödliche Folgen haben.

Evakuierung entgegen der Windrichtung

„Wären jetzt Gäste im Bad, würden wir die zuerst entgegen der Windrichtung in Sicherheit bringen. Das geht im Ernstfall sehr schnell“, so der erfahrene Schwimmmeister. In der Hand hält er den Chloralarmplan, der in jedem Schwimmbad eigens für diesen Notfall existiert. Auch der stehe heute bei dem Probealarm auf dem Prüfstand. Die Ergebnisse der Übung werden als Aktualisierung in den Plan eingearbeitet.

Während die ersten Verletzten, gespielt von Nietzolds Mitarbeitern, mühsam um die Becken herum in Richtung Ausgang getragen werden, baut die Feuerwehr im Bereich der Duschen eine Dekontaminationsschleuse auf. Niemand passiert das kleine Becken, ohne zuvor gereinigt zu werden. „Wir übergeben die Patienten hinterher an die Rettungsdienste und Krankenhäuser. Da dürfen sie nicht mehr mit Gefahrstoffen belastet sein“, erklärt Gerlitzki.

Vorbereitung auf die Saison

Während seine Schützlinge den Umgang mit den widerspenstigen Anzügen, Atemschutzgeräten, Folien und Planen üben, hat sich eine Gruppe Interessierter auf dem Sprungturm niedergelassen und beobachtete das Treiben aus der Vogelperspektive. Schließlich gibt es so etwas nicht alle Tage zu sehen. „Die letzte Chlorgasübung hier im Bad ist bestimmt zehn Jahre her“, so Nietzold. Und wenn die Feuerwehr das Bad wieder freigegeben hat, gehen für ihn und sein Team die Vorbereitungen für die bevorstehende Saison weiter.

Von Markus Scharf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ausstellung „August Spies – ein nordhessischer Sozialrevolu­tionär in den USA“ hat der Kreis­verband Göttingen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Montag im Ausbil­dungs­restaurant der „Bildungs­vereinigung Arbeit und Leben“ eröffnet – ergänzt um eine Diskussion zur Aktualität von Arbeitszeitkämpfen.

27.04.2018
Göttingen Diskussionsrunde mit Diether Dehm - Linke fordern Vermögenssteuer

Im Vorfeld hatte es noch deutliche Kritik an der Veranstaltung und dem Gast Diether Dehm gegeben. Beim Auftritt des Bundestagsabgeordneten der Linken am Montagabend im Göttinger Apex war von diesem Protest nur noch wenig zu spüren. Lediglich ein Flugblatt lag auf den Sitzen der etwa 30 Gäste.

27.04.2018
Göttingen Pflegedirektor der UMG verabschiedet - Norbert Erichsen geht in Ruhestand

Seit Oktober 1991 war Norbert Erichsen Pflegedirektor der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Mehr als 200 Gäste waren gekommen, um Erichsen zu verabschieden.

26.04.2018
Anzeige