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Göttingen „Man kann überleben, ohne aufs Handy zu schauen“
Die Region Göttingen „Man kann überleben, ohne aufs Handy zu schauen“
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17:50 13.08.2018
Mit ihrem Handy am Schreibtisch. Solche Bilder gehören in der Region wohl zur Ausnahme. Quelle: dpa
Göttingen

„Es ist eine pädagogische Aufgabe, den Schülern den richtigen Umgang mit dem Smartphone beizubringen“, sagt Tom Wedrins, Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) in Grone. Die Geräte gehörten zum Alltag der Kinder heutzutage dazu, dürften aber nicht zum beherrschenden Thema werden. Entsprechend gilt an seiner Schule mit 1400 Schülern ein grundsätzliches Verbot. Gleichzeitig gibt es Bereiche und Zeiten, in denen das Gerät genutzt werden darf.

Um die strikten Anweisungen transparent und nachvollziehbar zu machen, hat die Schulleitung „Nutzungsregeln für Handys bzw. Smartphones“ auf der Homepage der Schule zum Download bereitgestellt. „Die Nutzung des Smartphones ist im Unterricht (§ 58 NSchG, Abs. 1) und auf dem Schulgelände nicht gestattet, es ist auszuschalten und verborgen aufzubewahren.“ Dieser oberste Grundsatz gilt in ähnlicher Form an nahezu allen Schulen in Stadt und Landkreis wieder.

Oberstufenschüler vom Verbot ausgenommen

Ausgenommen werden in der GSG die Oberstufenschüler, die in ihrem Bereich das Handy nutzen dürfen. Die Zehnklässler dürfen zumindest während der Frühaufsicht, der kurzen Pause und in der Mittagspause innerhalb der Klassenräume einen Blick aufs Display riskieren. Wer dabei aber auf Inhalte zugreift, die den Erziehungszielen der Schule widersprechen, läuft Gefahr, das Handy bei der Polizei abholen zu müssen. Bei grundsätzlichen Verstößen landet es bis Schulschluss in der Schublade des Schulleiters. Wie viele liegen dort im Durchschnitt? „Ein bis drei“, schätzt Wedrins.

In der IGS Bovenden hat man erst zum aktuellen Schuljahr das Handyverbot eingeführt. Zuvor hatte man hier über mehrere Jahre das Spielen, Surfen und Nachrichtenschreiben in den Pausen erlaubt. Im Rückblick sagt Gesamtschuldirektorin Renate Heyn: „Das war keine gute Idee.“ Es habe sich gezeigt, dass die Schüler durch die Handys nicht zur Ruhe kommen konnten und ihrem Kopf keine Pause gegönnt hätten. Fehlende Konzentrationsfähigkeit, Erschöpfung und Unruhe waren die Folge. Es sei zunehmend Unmut aufgekommen.

Neue Regeln zum neuen Schuljahr

Daher wurden in Zusammenarbeit mit den Schülern neue Regeln eingeführt. Im Oberstufengebäude ist die Nutzung weiter erlaubt. Für die jüngeren Schüler gilt jetzt auch hier: Handy ausschalten und wegpacken. Gleichzeitig kommt das Thema für alle auf die Tagesordnung. Wie gehe ich mit dem Handy um? Wie versiert bin ich im Umgang mit neuen Medien? Sind meine Daten sicher? Diese Frage hat sich auch die Schule gestellt und einen eigenen Messenger-Dienst eingeführt, über den Schüler, Lehrer und Eltern sicher miteinander kommunizieren können.

An der Carl-Friedrich-Gauss-Schule (CFGS) in Groß Schneen werden Schüler beim Umgang mit neuen Medien ebenfalls pädagogisch begleitet. Im Rahmen der Themenwochen ist ein entsprechender Kurs für Siebtklässler verpflichtend. Zusammen mit der Polizei werde auf Gefahren hingewiesen, so Schulleiter Jens Haepe. Ansonsten gilt auch hier das grundsätzliche Handyverbot für alle. Aber wie seine Kollegen ermöglicht auch Haepe Ausnahmen. So können Lehrer im Unterricht den sinnvollen Einsatz der kleinen digitalen Helfer erlauben. „Als GPS-Empfänger im Sport oder zur Recherche im Deutschunterricht“, so einige seiner Beispiele.

Pädagogische Begleitung

Entgegen den Forderungen der Medienschützer hat man in Südniedersachsen bisher gute Erfahrungen mit der pädagogischen Begleitung der Handynutzung gemacht. Haepe: „In zehn Jahren hatten wir hier bisher eine Disziplinarkonferenz zu dem Thema.“ Die Regelung an der Groß Schneer Gesamtschule funktioniere „sehr gut“.

In einem Punkt sind sich die südniedersächsischen Schulen mit NLM-Chef Fischer einig. Der zeitweise Verzicht auf das mobile Telefon ist eine lehrreiche Erfahrung für die Schüler. Fischer formuliert es so: „Zur Medienkompetenz gehört auch, nicht immer online zu sein.“ Wedrins sagt es pragmatischer: „Man kann den Schulalltag überleben, ohne aufs Handy zu schauen.“

Von Markus Scharf

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