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Göttingen „So wenig wie möglich gefahren“ – rund 15 000 Kilometer
Die Region Göttingen „So wenig wie möglich gefahren“ – rund 15 000 Kilometer
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00:19 14.03.2013
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Es ging vor dem Amtsrichter um Betrug durch den Verkauf eines Autos, das ein Unfallwagen war und dem der Fachmann das bis heute auch ansieht, das aber als „unfallfrei“, so behauptet das vermeintliche Opfer, angepriesen wurde. Verkauft wurde der mutmaßlich in Polen wieder für den Straßenverkehr aufgepäppelte ehemalige Totalschaden im Februar 2011.

Damals war der 33-jährige BMW-Fan eigens aus Hamm nach Göttingen gekommen, um sich das tolle Angebot aus dem Internet anzuschauen. Mit dabei als Zeuge sein Schwippschwager, Spätaussiedler wie er.  Es trafen zwei Deutsche aus Russland auf zwei Deutsche aus Polen. Doch zunächst war nur der Bruder des Eigentümers da, um den Kaufinteressenten den Wagen zu zeigen.

Viel, so sagt dieser Bruder, habe er den beiden Besuchern zu dem Wagen nicht sagen können, nur, dass der einen Unfallschaden gehabt habe, dass alles gerichtet sei und beim Tüv gesagt worden sei, alles sei  in Ordnung, der Schaden überhaupt nicht mehr zu sehen.

„Nur eingeschränkt verkehrstüchtig“

Genau darum geht es aber. Tatsächlich taucht im Tüv-Bericht vom 16. Dezember  2010 nichts von einem Schaden auf. Der BMW wurde als verkehrssicher eingestuft. Nach dem Kauf nagten Zweifel am Käufer. Er stellte das Auto zehn Monate später einem Kfz-Sachverständigen vor, und der fand massive Mängel.

Darunter Dellen im Fußraum, Schäden an Schläuchen, Deformationen an den Längsträgern, Unfallspuren an Getriebe und Differenzial, ein an die Karosserie schlagender Auspuff und Ausbeulspuren unter der Bodenverkleidung. Der Wagen, so der Sachverständige, sei „nur eingeschränkt verkehrstüchtig“.

Der Käufer fühlte sich folglich betrogen und erstattete Anzeige. Gegen den Verkäufer wurde ermittelt. Er erhielt einen Strafbefehl, ging aber dagegen vor, so dass jetzt verhandelt wurde. Denn er habe doch, so der 28-jährige Göttinger Verkäufer, den Käufer, als er  kam, um den BMW abzuholen, auf den Unfallschaden hingewiesen.

Deshalb der gute Preis. Den räumt der Käufer, der sich dennoch als Opfer fühlt, zwar ein, er habe aber geglaubt, dass der Preis nur daran liege, dass der Wagen ein Re-Import war. Er hatte 25 500 Euro gezahlt bei einem Tachostand von 14 900 Kilometern. Vergleichbare Fahrzeuge, das gibt er zu, kosteten damals fast 10 000 Euro mehr.

Wo soll eigentlich der Schaden sein

Er bleibt dabei, dass von Unfall nie die Rede war. Nur sein Schwippschwager sei misstrauisch gewesen. Der sei zwar auch „vom Auto begeistert“ gewesen, habe aber „den Schmutz am Autohimmel in Höhe der Vordersitze gesehen – „ein typisches Zeichen dafür, dass der Wagen in einer unprofessionellen Schrauberwerkstatt mit dreckigen Händen hin und her bewegt“ worden sei. Genau das habe sich ja später auch durch das Gutachten erwiesen.

Doch war es Betrug?  Warum, fragt der Richter den Bruder des Verkäufers, könne er sich nicht an Details erinnern, nur daran, dass er angeblich vom Unfall gesprochen haben will? Und warum war das Auto so billig? Fragen, die sich auch nach der Einvernahme aller Zeugen nicht klären ließen. Schließlich fragt Verteidiger Patrick Riebe den Käufer, warum er 6000 Kilometer gefahren sei, ehe er das Auto dem Sachverständigen vorführte.

Und warum der BMW bis heute 15 000 Kilometer gelaufen ist seit dem Eigentümerwechsel und warum er ihn noch immer fahre. Er sei, protestiert das „Betrugsopfer“  „so wenig wie möglich“ gefahren. Schließlich einigt man sich – vorläufig – auf die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld. 2000 Euro Auflage soll der Beschuldigte zahlen.

Doch „spät, aber nicht zu spät“ kündigt der Verteidiger an, die Einstellung doch noch anzufechten und einen Freispruch anzustreben. Denn: Wo, so fragt er, soll eigentlich der Schaden sein, der zum Betrug gehört? 10 000 Euro billiger erworben und immer munter gefahren – da fehle doch einfach der Schaden.

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