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Göttingen Der Preis ist nicht alles, was zählt
Die Region Göttingen Der Preis ist nicht alles, was zählt
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00:17 01.03.2017
Symbolbild Quelle: R
Göttingen/Hebenshausen

"Wir haben rund 40000 Euro bereits einsammeln können", erzählt Simon Arbach einer von vier Landwirten des Dorfgartens. Rund 60 Mitglieder geben pro Monat 50 Euro dazu. Der  33-jährige Landwirt ist sicher, dass auch der Rest des budgetierten Jahresbetrages von 68000 Euro noch zusammenkommen wird. "Wir haben noch viele Interessenten", sagt Arbach.

Foodwaste, schwankende Preise im Handel, solidarische Landwirtschaft will Antworten auf die Probleme in der Landwirtschaft finden. Der Dorfgarten in Hebenshausen ist eines von zwei Projekte seiner Art im Landkreis Göttingen. Vier junge Landwirte haben sich dabei zusammengetan, um Gemüse zu produzieren. "Preise spielen bei uns keine Rolle mehr", sagt Arbach. Eine Form der Absicherung und der Freiheit vom turbulenten Marktgeschehen. Neben Arbach sind Sophie HinzeManja Kunzmann und Manfred Kahle mit dabei. Die jungen Landwirte setzen dabei komplett auf biologischen Anbau und die Freude am Tagwerk. 

"Wir kaufen keine Produkte zu und wirtschaften nach ökologischen Kriterien", erzähl Arbach weiter. Dabei verwenden die vier Junglandwirte  eigenes Saatgut, welches sie aus der Saatgutinitiative beziehen. Alles funktioniert ohne Chef, die Löhne und Arbeitszeiten sind selbstbestimmt. Die Landwirte arbeiten Teilzeit, da im Winter ist wenig zu tun. Das Ganze funktioniert wie ein Verein, über den alle angestellt sind, auch die Maschinen werden so gekauft. Der Dorfgarten bearbeitet 1,5 Hektar Freilandfläche, verteilt auf vier Einzelstücke, sowie einen Folientunnel und ein Kalt-Gewächshaus.

Solidarische Landwirtschaft boomt

Das Interesse an der Arbeitsweise des Dorfgartens ist groß. Entsprechend platzte der Raum bei der Gründungsversammlung am Sonnabend in Göttingen aus allen Nähten. Jeder hatte etwas mitgebracht. Vegane Kekse, Apfelsaft, Tee, Kaffee und Kuchen und Honig zum Probieren. "Es ist schön, ein Teil des landwirtschaftlichen Prozesses zu sein" sagt Christine. Die Göttingerin ist seit drei Jahren Teilhaberin des Projektes, lebt aber in der Stadt. Das Stadtleben sei schön, aber wenn man im Bioladen einkaufe, habe sie mit dem Prozess nichts zu tun. "Da bin ich nur Kunde oder Konsument", sagt sie.

Bei der solidarischen Landwirtschaft unterstütz sie zudem eine Lebensweise, dies sie gut finde. "Und ich mache das, ohne selber so zu leben", betont Christine. Hanna sieht das ähnlich. Auch sie ist bereits seit Beginn an dabei. "Ich kann auf diese Weise etwas Gutes fördern", sagt Hanna. "Mit meinem Geld ermögliche ich es Menschen, Gemüse zu produzieren", sagt Niklas. Dies sei eine Entlastung, weil er die Konsumentscheidung nicht treffen muss. "Ich freue mich, wenn ich das Gemüse abholen darf, das macht mir grossen Spaß", so Niklas. Zudem können gute Projekte angesiedelt werden, wie der Vertrieb von biologischem Honig, die Saatgutinitiative und vieles mehr.  

Seit dem  ersten Projekt im Jahr 1988 in Schleswig Holstein, erfährt die solidarische Landwirtschaft heute einen regelrechten Boom. Immer mehr junge Landwirte finden sich in darin zusammen. Viele Menschen haben Freude an dem Konzept. In Deutschland gibt es derzeit 90 solidarische Landwirtschaftsbetriebe und 99 Initiativen. Und es werden weltweit immer mehr. In den USA gibt es inzwischen bereits rund 12000 solcher Höfe.

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