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13:34 16.09.2018
Jürgen Trittin war Gast beim Sommerfest der Zukunftswerkstatt. Quelle: Heller
Göttingen

„Unser Verein hat das Ziel, die Durchmischung der Kulturen zu fördern“, sagt Khosrow Djahangiri, Vorstandsmitglied der Zukunftswerkstatt. Und das Sommerfest ist dafür seit Jahren die passende Gelegenheit – ein Treffen von Menschen von allen Kontinenten.

Die Musik ist dabei ebenso international wie die Verpflegung. Neben dem Vater-Sohn Duo Tuba and Son aus der benachbarten Musa spielen Mauricio & Friends, Gunnar und Ensemble und die Black Band. Letztere sei so etwas wie die Hausband, erklärt Barbara Graf. Sie ist hauptamtlich zuständig für die Verwaltung der Integrationskurse, ehrenamtlich für alles, was hier mit Kultur zu tun hat. Die Black Band besteht aktuell aus sechs afrikanischen Musikern, die sich hier durch die Sprachkurse kennengelernt haben.

Rap über Liebe und Sorgen

„Sie schreiben ihre Texte selber und rappen über Liebe aber auch ihre Sorgen und Erlebnisse auf der Flucht“, so Graf, die auf Wunsch der Männer als Bassistin und Bandleader agiert. Die Kommunikation funktioniere mit Übersetzungen ins Englische und Arabische ganz gut. Beim Musikmachen brauche man aber auch nicht viele Worte, sagt Graf schmunzelnd. Tatsächlich bedeute die Band den Männern, die zum Teil noch nicht lange in Deutschland sind, eine Menge. Hier fühlen Sie sich angenommen.

Aktuell bietet die Zukunftswerkstatt als zertifizierter Bildungsträger sieben durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte Sprachkurse, zwei weitere gemeinsam mit der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB). „Als die Zahl der Flüchtlinge in Göttingen besonders groß war, hatten wir weit mehr Kurse, die dann von Ehrenamtlichen geleitet wurden“, erzählt Atilla Yildirim, der ebenfalls seit vielen Jahren im Verein mitarbeitet. „Wir haben hier niemanden abgewiesen und sogar Kurse angeboten, wenn die Finanzierung noch gar nicht geklärt war.“

Beliebte Anlaufstelle

Das in die Jahre gekommene Haus am Hagenweg 2 a ist genau deshalb eine beliebte Anlaufstelle, weil hier unbürokratisch geholfen wird. Beispielsweise auch bei rechtlichen Fragen. „Wenn jemand juristische Unterstützung braucht, machen wir ohne Umwege einen Termin mit dem Anwalt, der hier im Haus seine Kanzlei hat.“ Dadurch entstehe bei vielen diese besondere Verbundenheit mit dem Haus der Kulturen, die auch beim Sommerfest zu erleben ist.

Allerdings finden in diesem Jahr etwas weniger Gäste den Weg zum Fest als in den Vorjahren. Das NDR 2-Festival und eine Veranstaltung in der Musa machen Konkurrenz. „Das konnten wir bei der Planung noch nicht wissen“, sagt Yildirim und gibt sich dennoch zufrieden. „Wir sind glücklich, wenn mehr als 100 Leute kommen.“ Ein Grenzwert, den der Verein am Ende locker überboten hat.

Jürgen Trittin zu Gast beim Sommerfest

Einer der Gäste ist Jürgen Trittin. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete war schon mehrmals im Haus der Kulturen und macht im Zuge seines Göttingen-Besuchs einen Zwischenstopp beim Sommerfest. Er spricht mit Menschen, steht für Selfies zur Verfügung und hält eine kurze Rede über tagesaktuelle Themen und den spürbaren Rechtsruck in Deutschland.

Er streift die politische Diskussion um Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, geht auf die Ereignisse in Chemnitz ein und sagt seine Meinung zu Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Zudem warnt Trittin vor der Verrohung der Sprache – im Alltag wie in der politischen Diskussion. Begriffe wie Asyltourismus seien eine Verharmlosung von menschlichen Schicksalen. „Bei vielen Leuten hier kam der Besuch von Trittin ziemlich gut an“, sagt Djahangiri. Es sei ein Zeichen, dass ihnen nicht von allen Seiten der Politik Ablehnung entgegengebracht werde.

Die nächste Veranstaltung im Haus der Kulturen wirft ihre Schatten schon voraus. Am 22. September, ist ab 19 Uhr die zweite Auflage von „Flying Carpet“ geplant. Auf der Bühne stehen die Black Band, Gipsy Mafia, Weltunterklang, Plaeikke und DJ Sotah.

Von Markus Scharf

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