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Göttingen Spanische Grundschullehrerin darf in Niedersachsen nicht unterrichten
Die Region Göttingen Spanische Grundschullehrerin darf in Niedersachsen nicht unterrichten
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00:24 03.03.2018
Frustrierter Blick auf das Göttinger Gänseliesel: Für die spanische Grundschullehrerin Anna M. hat sich der Wechsel nach Niedersachsen nicht gelohnt. Trotz EU-Zertifikats und Lehrermangels darf sie hier nicht als Lehrerin arbeiten. Quelle: Niemann/pid
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Göttingen

Anna M. weiß, wie man mit Kindern umgeht und wie man ihnen etwas beibringt. Die 33-jährige Spanierin hat drei Jahre lang an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Lleida studiert. Dort hat sie neben dem Studienabschluss als Grundschullehrerin auch eine Zusatzqualifikation in Sonderpädagogik erworben. Später hat sie sieben Jahre lang als verbeamtete Lehrerin an Grundschulen in Katalonien gearbeitet. Vor zwei Jahren ist sie nach Göttingen umgezogen. Hier würde sie gerne das tun, wofür sie ausgebildet ist: Sie möchte Kinder unterrichten. Doch obwohl in Niedersachsen Grundschullehrer händeringend gesucht werden, bekommt sie keinen Job. Trotz mehrjähriger Berufserfahrung hält das Kultusministerium sie nicht für ausreichend qualifiziert.

Zertifikat bestätigt Titel nach EU-Richtlinie

Die 33-Jährige hatte sich nach ihrem Wohnortwechsel an das Kultusministerium gewandt und die Anerkennung ihrer in Spanien absolvierten Lehrerausbildung beantragt. Sie reichte dazu unter anderem ein Zertifikat des spanischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Sport in Madrid ein. Dieses bestätigt, dass ihr in Spanien erworbener Titel „Lehrerin mit Spezialisierung zur Sonderschullehrerin“ der EU-Richtlinie 2005/36 entspricht. Die Richtlinie wurde 2005 vom Europäischen Parlament und dem Rat erlassen und soll die automatische Anerkennung von Berufsqualifikationen innerhalb der Europäischen Union erleichtern. Laut Zertifikat ist Anna M. dazu berechtigt, „den Beruf der Grundschullehrerin in den Fächern des allgemeinen Lehrplanes für die Grundschulerziehung (6-12 Jahre) auszuüben und sich Schülern zu widmen, die einer Sonderschulbetreuung bedürfen.“

Das Kultusministerium ließ sich mit der Bearbeitung des Antrags viel Zeit. Immer wieder musste die 33-Jährige nachhaken. „Teilweise gab es auf Emails und Anrufe überhaupt keine Antwort“, sagt sie. Nach einem halben Jahr erhielt sie schließlich die Mitteilung, dass ihre Ausbildung derzeit nicht anerkannt werden könne.

Keine Aussage zur inhaltlichen Gleichwertigkeit von Lehramtsabschlüssen

Dem Kultusministerium in Hannover reicht das Zertifikat des spanischen Bildungsministeriums nicht. Das Zertifikat bestätige lediglich, dass der Titel Lehrer erlangt worden und die Anwendung der EU-Richtlinie gegeben sei, sagt eine Sprecherin. Es enthalte aber keine Aussage zur inhaltlichen Gleichwertigkeit von Lehramtsabschlüssen. Die Anerkennung einer in einem EU-Staat abgeschlossenen Lehrerausbildung setze voraus, dass keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Ausbildungen bestünden. Vor allem in der Ausbildung der Grundschullehrer gebe es zum Teil gravierende Unterschiede. Im Ausland beinhalte die Ausbildung häufig eine Fächervielfalt, so auch in Spanien. In Niedersachsen müssten Lehrer jedoch eine Profilierung auf einzelne Unterrichtsfächer vorweisen können.

Um hierzulande als Lehrerin arbeiten zu können, müsste Anna M. erst noch ein vertieftes Studium in zwei Unterrichtsfächern absolvieren. Die Pädagogin kann das nicht nachvollziehen: „Warum soll ich zwei weitere Jahre studieren für ein Diplom, das ich längst habe?“ In Spanien hat sie unter anderem an einer Grundschule in der Nähe von Barcelona unterrichtet, die als sozialer Brennpunkt gilt. „Ich bin auf Problemfälle spezialisiert“, meint sie. Dies zählt allerdings offenbar ebenso wenig wie ihre Zusatzausbildung im Bereich Logopädie. Der ergänzende Abschluss in Logopädie sei nicht geeignet, fehlende Studienleistungen in Unterrichtsfächern auszugleichen, heißt es vom Kultusministerium. Auch Berufserfahrungen könnten keine fehlenden fachwissenschaftlichen Studien ersetzen.

Als pädagogische Mitarbeiterin tätig

Anna M. ist mittlerweile seit fast zwei Jahren an einer Grundschule in Göttingen tätig, allerdings nur als pädagogische Mitarbeiterin mit einem deutlich niedrigeren Gehalt. In der vergangenen Woche hat sie, wie schon so oft, einen kompletten Vormittag lang eine erkrankte Lehrerin vertreten: „Ich nehme ständig Aufgaben wahr, für die ich angeblich gar nicht qualifiziert bin.“ Während das Land die ausgebildete Grundschullehrerin nicht als Lehrerin anerkennen will, hat es gleichzeitig 750 Gymnasiallehrer dazu verpflichtet, bis zu den Sommerferien an Grundschulen zu arbeiten, damit dort der Unterricht nicht zusammenbricht.

Von Heidi Niemann

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