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Göttingen Spannendes über den muslimischen „Schindler“
Die Region Göttingen Spannendes über den muslimischen „Schindler“
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00:18 02.02.2018
Der Autor und Journalist Igal Avidan liest im Saal der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Göttingen. Quelle: Marks
Göttingen

Mod Helmy wuchs in Ägypten auf und ging 1922 nach Berlin, um Medizin zu studieren. Anschließend arbeitete er als Arzt im Krankenhaus Moabit. Im Oktober 1939 wurde Helmy gemeinsam mit weiteren ägyptischen Landsleuten für einige Monate interniert. 1941 wurde er beauftragt, einen einberufenen deutschen Arzt zu vertreten. So bekam er eine eigene Praxis, wo er das 17-jährige jüdische Mädchen Anna Boros aufnahm, um sie vor der Deportation zu schützen. Helmy schaffte es, mit verschiedensten Tricks und Notlügen gegenüber der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) das Leben des Mädchens zu retten. Der Arzt half auch Annas Mutter, ihrem Stiefvater und ihrer Großmutter.

Helmy starb im Jahr 1982. Er wurde 2013 postum als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Damit soll an diejenigen Menschen erinnert werden, die das Schicksal der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus nicht gleichgültig hinnahmen, sondern ihnen halfen und dabei persönliche Risiken und Nachteile auf sich nahmen. Ende 2014 trugen 25 685 Menschen einschließlich ihrer Familienangehörigen diese Ehrenbezeichnung. Mod Helmy ist der erste Araber, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Ausgelöst wurde die Ehrung durch Recherchen des Berliner Arztes Karsten Mülder zur Lebensgeschichte Helmys.

Die Auszeichnung für Helmy war Anlass für Igal Avidan, mehr über das Leben des ägyptischen Arztes zu erfahren und seine Erkenntnisse in einem Buch zusammenzufassen. Das Interesse daran ist groß. So war es für Avidan bereits die 20. Lesung seit der Fertigstellung des Buches im Oktober 2017. „Als ich 2014 mit der Arbeit begann, war mir nicht bewusst, wie aktuell das Thema heute sein würde“, betonte Avidan. Mod Helmy trage als historische Figur zur Verständigung zwischen den Religionen des Islam und des Judentums bei. „Leider kommen zu den Lesungen kaum Muslime“, erzählte Avidan weiter. Er wolle deshalb bald sein Buch in einer Moschee in Berlin vorstellen.

Avidans Lesung war spannend und gleichzeitig lehrreich für die Göttinger Zuhörer, die im Anschluss noch viele Fragen an den Autor hatten. „Wir sind froh über die tolle Resonanz“, sagte dazu Heiner J. Willen von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen, die die Lesung zusammen mit der Evangelischen Stadtakademie Göttingen organisiert hatte. „Normalerweise kommen 40 Besucher zu unseren Veranstaltungen“, betonte Willen weiter. Diesmal seien es 60 Gäste gewesen. Die Göttinger Gesellschaft pflege seit Jahren auch den Kontakt zu Muslimen in Göttingen. „Deshalb sprechen wir unter anderem auch Themen an, bei denen es um einen muslimisch-christlichen Dialog geht“, erklärte Willen weiter. Daher passe auch die Verständigung zwischen Juden und Muslimen gut ins Programm. „In Kooperation mit der Wanderaus­stellung Religramme – Gesichter der Religionen wollten wir ein spezielles Gesicht aus dem Bereich Religion in Göttingen zeigen“, sagte Kerstin ­Remane von der Evangelischen Stadtakademie Göttingen. Dies sei mit dem Buchautor Igal Avidan ­gelungen.

Von Bernard Marks

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