Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Sportfest für junge Flüchtlinge
Die Region Göttingen Sportfest für junge Flüchtlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:50 29.06.2018
Weitsprung beim Sporttag für junge Flüchtlinge im Jahnstadion. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

„Das war richtig gut“, sagt Tareq. Der Schweiß steht ihm in der prallen Sonne über dem Jahnstadion immer noch auf der Stirn. Er kommt gerade vom Bubble-Soccer, bei dem die Teilnehmer über ihren Oberkörper aufblasbare Kugeln, so genannte Bumperbälle stülpen und dann Fußball spielen. Zuvor hatte er sich mit den anderen im Laufen, Werfen und Springen gemessen.

Die klassischen Disziplinen der Bundesjugendspiele, erläutert Christian Stoll von JSN. Darüber hinaus waren Bubble-Soccer, Torwandschießen und Hau-den-Lukas im Angebot. Rund 90 Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren betreut die JSN derzeit, 50 nahmen am ersten gemeinsamen Sporttag teil, der den Abschluss des Schuljahres bildete, bevor es auch für sie in die Sommerferien geht.

Höher, schneller, weiter im Jahnstadion. Christian Stoll (Hintergrund) feuert die Sportler an. Quelle: Hinzmann

Danach wird der 18-jährige Tareq beginnen, seinen Realschulabschluss zu machen, seinen Hauptschulabschluss hat er seit diesem Schuljahr in der Tasche. Vor drei Jahre ist Tareq aus Afghanistan nach Deutschland geflohen.

Tareq teilt sich in Geismar eine Wohnung mit Mussie, einem 19-jährigen Mann aus Eritrea. „Ich hatte voll Spaß. Ich finde das saucool“, urteilt Mussie über den Sporttag. Wie Tareq will auch er seinen Realschulabschluss machen – mit festem Ziel vor Augen. „Ich will Rettungssanitäter werden“, sagt er. Ein Praktikum habe er beim Roten Kreuz schon gemacht. Warum Rettungssanitäter? „Ich will Menschen helfen“, sagt er. Die Hilfe, die er erfahren hat, als er vor zweieinhalb Jahren nach seiner Flucht in Göttingen ankam, wolle er zurückgeben.

Von den von der JSN betreuten unbegleiteten minderjährigen Ausländern hätten viele inzwischen einen Schulabschluss und würden eine Ausbildung machen, erklärt Stoll – etwa im Handwerk, der Gastronomie und Logistik.

Weiche Landung: Rund 50 junge Flüchtlinge nehmen am ersten Sporttag der JSN teil. Quelle: Hinzmann

„Ja, wir schaffen das“, zitiert Stoll den Ausspruch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ergänzt: „Mit viel Einsatz.“ Dass inzwischen so viele der von der JSN betreuten Jugendlichen Schulabschlüsse oder eine Ausbildung machten, in eigenen Wohnungen wohnten und den Alltag im zunächst fremden Deutschland meisterten, sei ein Ergebnis „langjähriger Arbeit“, sagt Stoll.

2011 hat JSN im Auftrag der Jugendämter die Unterbringung und pädagogische Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern übernommen. Nach der Gründung der Fachteams junge Flüchtlinge Göttingen/Lenglern in 2012 folgten 2015 und 2016 vier weitere Standorte mit gleichem pädagogischem Konzept. In den Fachteams werden nach Angaben der JSN Minderjährige vor allem aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und dem Irak betreut. In den Fachteams wohnten die Flüchtlinge dezentral zu zweit oder zu dritt in eigenen Wohnungen. Sie würden von Betreuern und Sprach- und Kulturdolmetschern begleitet und in allen Bereichen des täglichen Lebens unterstützt.

Bildung, Sprachkurse und Aufklärung über deutsche Lebensweisen seien das wichtigste, sagt Stoll. Das zu vermitteln, brauche Zeit. Dann aber zeigten sich Erfolge.

Von Michael Brakemeier

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Antisemitische Straftaten - Irreführende Polizeistatistik

Dass für antisemitische Vorfällen und Straftaten vor allem Rechtsextreme verantwortlich sein sollen, halten verschiedene jüdische Organisationen und prominente Einzelpersonen für falsch. Den Grund sehen sie unter anderem in irreführenden Polizeistatistiken.

29.06.2018
Göttingen Jüdische Gemeinde im Flüchtlingsheim Zieten - Kampf gegen antisemitische Vorurteile

In der arabischen Welt und unter vielen Muslimen sind Vorbehalte bis hin zu Hass und Verachtung gegenüber Juden weit verbreitet. In den Flüchtlingsheimen der Stadt versucht die Jüdische Gemeinde Göttingen gegenzusteuern.

29.06.2018

„Stürze dich in den Farbrausch deines Lebens“, fordert Philipp Polley von der Justa-Event-Agentur Göttinger auf, am Sonnabend, 30. Juni, zum Parkplatz am Jahnstadion zu pilgern. Zwischen 12 und 22 Uhr wird’s bunt vor der Bühne, auf der unter anderen das Duo „Gestört aber Geil“ auftreten wird. Die Party hat ihren Ursprung in Indien – dort wird Holi als Frühlingsfest gefeiert.

29.06.2018
Anzeige