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Göttingen “Ich halte das für sportlich“
Die Region Göttingen “Ich halte das für sportlich“
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00:28 13.05.2018
Die Sprachförderung für angehende Schulkinder soll künftig in Kitas erledigt werden. Quelle: dpa
Göttingen

Im Juni soll der niedersächsische Landtag über ein neues Kitagesetz entscheiden. Darin enthalten ist eine Aufgabenverschiebung, die Grundschulen entlasten soll und die die Träger von Kindertagesstätten vor ein Problem stellt. Die Sprachförderstunden im letzten Kindergartenjahr, die bisher von Lehrern geleistet wurden, sollen jetzt von Erzieherinnen übernommen werden. Landesweit rechnet das Kultusministerium mit 14 000 freiwerdenden Lehrerstunden.

Das Thema Sprachförderung von Vorschulkindern solle alltagsintegriert in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden, kündigte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Anfang des Monats an. Die Kinder vor Ort von vertrauten Bezugspersonen fördern zu lassen, sei pädagogisch sinnvoll. Die Umsetzung lässt sich das Land jährlich 32,5 Millionen Euro kosten.

„Noch ist ja nichts beschlossen“

Die Frage, wie konkret die Kindertagesstätten diese Aufgabe schultern sollen, kann vor Ort bisher kaum jemand beantworten. „Noch ist ja nichts beschlossen, aber ohne zusätzliches Personal, das auch fortgebildet werden muss, sind die Aufgaben nach unserer Auffassung nicht zu leisten“, heißt es dazu aus dem Göttinger Rathaus. Man schließe sich deshalb der Forderung des Niedersächsischen Städtetages an, die Frist zur Umsetzung des Gesetzes bis zum 1. August 2019 zu verlängern, so Verwaltungssprecher Dominik Kimyon.

Auch im Städte- und Gemeindebund ist das Thema auf der Tagesordnung. Vorstandsmitglied Thomas Brandes (SPD) kann die Eile der Landtagsfraktionen nicht nachvollziehen. „Ich sehe keinen Grund, hier so viel Tempo reinzubringen.“ Als Bürgermeister des Fleckens Bovenden kennt er die Probleme der Einrichtungen im ländlichen Raum. Viele hätten schon jetzt große Schwierigkeiten, freiwerdende Stellen zu besetzen. Und es sei zu erwarten, dass sich die Situation ab August durch die dann geltende Elternbeitragsfreiheit noch einmal verschärfe. Innerhalb von drei Monaten jetzt auch noch die personellen Voraussetzungen zu schaffen, um neue Aufgaben zu übernehmen, sei schwer vorstellbar.

Idee ist nicht neu

Eine Einschätzung, die Michael Höfer, Geschäftsführer von Kinderhaus e.V., teilt. „Ich halte das für sportlich“, so sein bewusst vorsichtiger Kommentar. Inhaltlich sei der Vorstoß nicht verkehrt, wenn auch nicht neu. Schon 2011 unterzeichneten Land und Kita-Träger die Vereinbarung „Sprachbildung und Sprachförderung“ – so auch in Stadt und Landkreis Göttingen. Seither fließen Landesmittel für die Sprachbildung, wenn die Förderauflagen erfüllt sind. Und seither hat sich die Fachkompetenz an den Einrichtungen entwickelt.

„Die Kitas sind fachlich gut aufgestellt“, betont auch Ortrud Kaisinger, pädagogische Leitung der Kitas im Kirchenkreis Göttingen. Auch sie hält es prinzipiell für den richtigen Schritt, die Sprachstandsfeststellung und die Sprachförderung komplett in die Kitas zu holen. Mit der entsprechenden Kompetenz in ausreichend großen Teams, könnten hier alle Kinder alltagsintegriert gefördert werden. „Aber offensichtlich hat Hannover nicht im Blick, dass wir bereits mit dem Rücken an der Wand stehen.“ Der Spagat zwischen den Rahmenbedingungen und den Anforderungen wird immer schwerer. Und auch Kaisinger plädiert für eine Schonfrist: „Das würde uns Luft geben und eventuell auch Entspannung in der Personalfrage.“

Von Markus Scharf

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