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Göttingen St. Jacobi: Unterm Turmhelm fallen die Späne
Die Region Göttingen St. Jacobi: Unterm Turmhelm fallen die Späne
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18:56 28.10.2009
Beeindruckendes Balkengewirr: Friedhelm Backhaus im Dachstuhl des offenen Turmhelmes von St. Jacobi. Quelle: Hinzmann
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Mit der Sicherheit und der Leichtigkeit erfahrener Zimmerleute bewegen sich Backhaus und sein Kollege Lukas Lechte im und auf dem Balkenkonstrukt, das sich unter dem Kupferdach des 72 Meter hohen Jacobikirchturms verbirgt.

Seit drei Wochen sind Backhaus, Lechte und ihre Kollegen von der Weender Firma Walde und Altmann mit der Ausbesserung der Eichen- und Fichtenholzbalken beschäftigt. Es ist eine Operation am offenen Kopf, denn ein Teil des Kupferdaches ist geöffnet. Zeitgleich führt die Göttinger Dachdeckerfirma Böning die Kupferarbeiten für die Haube des Kirchturms aus. Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten greifen ineinander. Beide gehören zum ersten Bauabschnitt der Sanierung des Jacobikirchturms.

Kerben und Holzzapfen

Es handelt sich um das derzeit größte kirchliche Bauprojekt in der Stadt. Die Sanierungsarbeiten sollen bis 2014 dauern und 6,4 Millionen Euro kosten. Das höchste Gebäude der Innenstadt wird von oben nach unten saniert. Allein schon der Gerüstbau war ein Kraftakt: Rund 125 Tonnen wurden auf einer Fläche von etwa 4000 Quadratmetern verbaut.

Das Gerüst nutzen Backhaus und Lechte aber nur, wenn sie durchs geöffnete Dach zum Sägen hinaussteigen. Ansonsten sind die Balken ihr Zuhause. Die Holzkonstruktion, auf der sie routiniert herumturnen, stammt aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ältere Holzkonstruktionen des 1427 bis 1433 erbauten Turmes wurden mehrfach durch Brände zerstört.

Auf den Balken sind bisweilen Kerben zu sehen: sogenannte Abbundzeichen, die anzeigen, wie die Balken zusammengesetzt werden müssen. Hinter den Fachwerkmauern unterhalb des Turmhelmes riecht es nach Sägespänen. Backhaus und Lechte schneiden Balken zu und bessern schadhafte Stellen aus. Alte und neue Balken werden ineinandergefügt. Die Balken werden meistens, dem historischen Vorbild entsprechend, mit Holzzapfen zusammengefügt. Backhaus wirft für diese historische Bauweise 30 Jahre Berufserfahrung und eine Zusatzausbildung als Restaurator in die Waagschale. Nur für bestimmte Verbindungen kommen auch sogenannte Passbolzen aus Metall zum Einsatz.

Gewölbte Balken

Früher, erklärt Backhaus, mussten die gebogenen Balken, die in den Wölbungen des Turmhelms sitzen, per Hand gesägt werden. Heute ist dies komfortabler auf maschinellem Weg mit einer Bandsäge möglich. Währenddessen wird das neue Kupfer für den Turmhelm bereits gefertigt. Das Altkupfer soll verkauft werden, der Erlös der Kirchengemeinde zufließen.
Bevor das neue Kupferdach – dann ohne grünliche Patina – glänzen kann, müssen allerdings erst einmal Backhaus und Kollegen das Balkengewirr wieder instandgesetzt haben. Dann ist die Operation am offenen Kirchturm-Kopf beendet. Die Spitze kann dann neu verschalt und mit einem neuen Dach versehen werden.

Von Jörn Barke

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